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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Alles steht - Ist die neue Umweltspur auf der Natruper Straße ein "Schuß in den Ofen"?
 
Bus-Verspätungen sind an der Tagesordnung
 
Wo bleibt der Anreiz?
Zwischenüberschrift:
Fahrer klagen über Staus und behindernde Radfahrer
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
" Auf dem Wall geht nichts mehr. Alles ist verstopft, wie früher nur in der Vorweihnachtszeit." Die da im Stau stehen und schimpfen sind nicht etwa genervte Autofahrer, sondern Busfahrer der Verkehrsbetriebe, die sich mehr oder weniger geduldig in den Stop-and-Go-Verkehr einreihen müssen - oft mit verärgerten Fahrgästen " im Nacken". Seit es zum Beispiel auf der Iburger und Natruper Straße sowie auf der Kleinen Domsfreiheit extra Busspuren gibt, ist der öffentliche Personennahverkehr nicht etwa schneller, sondern auf bestimmten Strecken langsamer geworden. Denn der Autoverkehr, der an Nadelöhren von zwei Spuren auf eine " zusammengedrückt" wird, führt zu immensen Rückstaus, die wiederum die Busse behindern.
Probleme haben die Busfahrer - und damit natürlich ihre Fahrgäste - seit kurzem im Bereich Domhof. Seit die Autos von der Kleinen Domsfreiheit nicht mehr nach rechts in die Hasestraße abbiegen dürfen, sondern geradeaus fahren müssen, verdoppelte sich der Verkehr Richtung Dielingerstraße. Die Folge: Ein Rückstau bis zur Möserstraße, in dem die Busse feststecken. Auch auf der Hasestraße stauen sich oft die Wagenkolonnen von der Lohstraße bis zum Theater. Mittendrin wieder die Busse.
Verspätungen gibt es häufig auch auf der Strecke Richtung Nahne: Auch hier stockt der auf eine Spur zusammengedrückte Individualverkehr. " Wir haben Probleme, von der Johannisstraße überhaupt auf die Iburger Straße zu kommen", berichten Busfahrer und Verkehrsmeister.
Ein Grund dafür ist auch die ständig " verstopfte" Kreuzung Johannisstraße / Petersburger Wall/ Johannistorwall. Gab es hier früher noch relativ freie Fahrt, so geht seit einiger Zeit nichts mehr. Der Stau setzt sich fort über die Stadthalle, das Heger Tor bis zum Rißmüllerplatz.
Der Natruper-Tor-Wall vor dem alten Klinikgelände war bislang eine problemlose Strecke. Doch dann wurde auf der Natruper Straße die kombinierte Bus- und Fahrradspur, Umweltspur genannt, eingerichtet. Dem restlichen Verkehr steht nur noch eine Fahrbahn zur Verfügung. Um die Autos rechtzeitig zusammenzudrücken, werden sie schon vor dem Rißmüllerplatz auf eine Spur gelenkt.
Eine Fahrt mit dem Bus Richtung Eversburg zeigt die Probleme: Der Bus hat zu Stoßzeiten schon Schwierigkeiten, von der Dielingerstraße nach rechts auf den Wall einzubiegen. " Das kommt daher, daß sich bereits am Rißmüllerplatz die Linksabbieger Richtung Natruper Straße bis hierher zurückstauen", erläutert Verkehrsmeister Manfred Rohde.
Hat der Bus diese Hürde geschafft, ist die Kreuzung Heger Tor/ Lotter Straße blockiert - die Linksabbieger von der Lotter Straße Richtung Rißmüllerplatz stehen im " Rückstau". In der Schlange bis zur Dominikanerkirche reiht sich dann auch brav der Bus ein; seine Linksabbiegerspur Richtung Natruper Straße beginnt erst wenige Meter von dem Rißmüllerplatz.
Dann ist es endlich geschafft, der Bus hat die Natruper Straße und damit die Umweltspur erreicht. Jetzt sollte der Zeitverlust doch wohl aufzuholen sein. Aber weit gefehlt: Die kombinierte Bus- und Radspur ist nur 3, 90 Meter breit. Zu wenig Platz für beide.
Die Fahrt führt auf der Natruper Straße stadteinwärts. Auf der einzigen Fahrspur stauen sich die Autos zurück bis zur Wachsbleiche. Nebenan auf der Umweltspur kommt Fahrer Diethelm Bäcker auch nicht so rechts vorwärts. " Bei der letzten Tour fuhr vor mir ein Fahrrad-Dreirad. Wegen des Autostaus konnte ich den Radler nicht überholen." Doch auch wenn ein Rad mit zwei Rädern vor dem Bus fährt, hat dieser keine Chance. Es fehlt auf der Umweltspur der Platz für den einen Meter breiten Sicherheitsabstand zwischen Bus und Rad.
Unangenehm ist die Umweltspur auch für manche Radfahrer. " Die schauen sich ängstlich um, wenn hinter ihnen ein großer Bus fährt", berichten die Busfahrer. " Neuerdings haben wir auf der Strecke Richtung Eversburg zu allen Tageszeiten zwei Minuten Verspätung. Zu Spitzenzeiten können es auch sieben Minuten werden", sagt Dr. Heino Schulz, Chef der Verkehrsbetriebe.
Die Verkehrsbetriebe hätten sich nicht gegen die Umweltspur, die ja noch in der Erprobung ist, ausgesprochen, weil Busspuren dringend nötig seien. " Wir wollen mit dem Bus am Autostau vorbeirauschen und dem Pkw-Fahrer zeigen: Mit dem Bus geht es schneller", sagt Heino Schulz. Die Umweltspur auf der Natruper Straße sei ein Test. Man habe auch herausfinden wollen, wieviele Radler die Umweltspur nutzen. Sein Fazit nach zwei Monaten: " Es sind soviele Radfahrer, daß sie die Busse behindern." d.

Längere Grünphase gegen den Rückstau - " Umweltspur schafft auch Verbesserungen"
Den mit der neuen Umweltspur verbundenen Problemen will die Stadt mit einer Veränderung der Ampelphasen am Rißmüllerplatz begegnen. Im Planungsausschuß legte Verkehrsplaner Hans-Jürgen Apel einen ersten Erfahrungsbericht vor. Dabei wies er die Kritik des CDU-Ratsherrn Arend Gruben zurück, das ganze Projekt der Umweltspur sei ein " Schuß in den Ofen": Radler, besonders Mütter mit Kindern, fühlten sich jetzt sicherer auf der Natruper Straße.
Apel räumte ein, daß der Rückstau auf der Natruper Straße und dem Natruper-Tor-Wall eine Folge der neuen Spur für Busse und Radler sei. Drei zusätzliche Sekunden Grün könnten das Problem voraussichtlich beheben. Zwar werde die Leistungsfähigkeit des Hase-Tor-Walls geringfügig reduziert, doch da gebe es wegen der vielen Spuren noch Reserven.
Für ein weiteres Problem hat der Verkehrsplaner jedoch noch keine Lösung parat: Linksabbieger, die von der Natruper Straße in die Gutenbergstraße fahren wollen, halten ebenfalls den Verkehr auf. Soll das Linksabbiegen deshalb verboten werden? Das gehe auf keinen Fall, sagt Apel, denn dann könne die Sperrung der Lürmannstraße in den Wind geschrieben werden.
Eine zusätzliche Linksabbiegespur für die Natruperstraße sei allerdings auch nicht möglich, weil der Platz dafür nicht ausreiche. Dafür einen erhaltenswerten Baum zu opfern, komme auch nicht in Frage. Bliebe noch die Möglichkeit, daß die Stadt das Überfahren der Umweltspur für Linksabbieger gestattet. Doch das, so Apel, sei aus verkehrsrechtlichen Gründen nicht erlaubt.
Weitere Schwierigkeiten nennt der Planer in seinem Papier:
* Viele Radler kümmerten sich nicht um die ihnen zugedachten Ampelsignale an der Kreuzung Natruper Straße / Wachsbleiche. Das sei scharf zu kritisieren, meinte Apel. Mit zusätzlichen Schildern sollen die Radler nun darauf aufmerksam gemacht werden.
* Markierungen und aufragende Lappen wollen die Planer anbringen, um die Verkehrsteilnehmer an einigen kritischen Stellen auf ihre Spuren zu verweisen.
* Noch nicht optimal gelöst ist offensichtlich die Situation für Radler, die von der Natruper Straße geradeaus in die Bierstraße fahren wollen. Sie müssen von der Umweltspur auf den Radstreifen wechseln. Verkehrsplaner Apel erwägt, die Velofahrerüber den Fußgängerüberweg umzuleiten, falls sich die bestehende Regelung als gefährlich erweisen sollte.
* Einen Rückstau beobachteten die Planer auch, wenn Linksabbieger von der Natruper Straße in die Nobbenburger Straße abzweigen wollten. Jetzt wird über ein Abbiegeverbot nachgedacht.
Mit scharfen Worten bedachte CDU-Ratsherr Arend Gruben im Planungsausschuß die Umweltspur an der Natruper Straße: Es gehe gar nicht um einzelne Schwachpunkte, bekannte der Politiker, er könne dem ganzen Projekt nicht einen positiven Aspekt abgewinnen. Der SPD-Beigeordnete Ernst Weber erwiderte, die Umweltspur sei keine rot-grüne Erfindung. Im entsprechenden Arbeitskreis hätten alle Fraktionen einschließlich der CDU ihre Zustimmung gegeben.
Verkehrsplaner Apel äußerte sich zuversichtlich, daß die aufgezeigten Probleme lösbar seien. Der Versuch an der Natruper Straße sei notwendig: " Wir brauchen einen Modellfall." Schließlich hänge vom Ausgang dieses Experiments ab, ob weitere Umweltspuren in Osnabrück eingerichtet werden sollen. rll

Wo bleibt der Anreiz?
von Beate Dammermann

Bis vor wenigen Monaten war das Verkehrschaos in Osnabrück noch gering. Allenfalls am " Westfalentag" und an den Wochenenden vor Weihnachten gab es größere Staus. Der Wall war höchstens eine halbe Stunde am Nachmittag, und dann auch nur auf wenigen Abschnitten, verstopft. Doch neuerdings reiht sich Stau an Stau. Und die Busse stecken mittendrin.
Wo Autos früher auf zwei Spuren fuhren, sind sie heute auf eine zusammengepreßt. Da ihre Zahl aber nicht weniger wurde (Autofahrer können, was Staus betrifft, sehr leidensfähig sein), verdoppelte sich naturgemäß die Länge des Rückstaus. Was nützen da einige Bus- und Umweltspuren, wenn die Busse mitten im Chaos stehen und permanent Verspätung haben? Die Verkehrsmeister können ein Lied von den Klagen der Busgäste singen. Wie sollen die Bürger da zum Umsteigen vom Auto auf den Bus bewegt werden?
Daß Osnabrücks Straßen keine Rennstrecken mit hohen Unfallzahlen bleiben dürfen, steht außer Frage. Doch man kann nicht nur den vorhandenen Verkehr auf die Hälfte des Platzes zusammenquetschen und hoffen, daß Autofahrer deshalb auf den Bus umsteigen. Da müssen erst andere Rahmenbedingungen kommen: Bessere Busanbindungen aller Umlandgemeinden, dichtere Taktfolgen. Für diejenigen, die auf dem Weg von der Arbeit nach Hause die Stadt durchqueren und so den Wall verstopfen, müssen Alternativen geschaffen werden. Der Bus-" Ring" ist immer nur im Gespräch.
Einige Umlandbewohner scheinen die Staus allerdings schon abgeschreckt zu haben. Vor allem '' Geschäftsleute aus Georgsmarienhütte melden seit einiger Zeit gestiegene Umsätze. Den Osnabrücker Einzelhandel wird das sicherlich nicht freuen. Es sei denn, der Handel sagt sich, kommt der Kunde nicht zu uns, gehen wir zu ihm. Und zieht aus der Stadt in die " grüne Wiese". Eine Verödung des urbanen Lebens wäre die Folge.
Autor:
d.


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