User Online: 2 | Timeout: 09:08Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Weniger Phosphor und kaum noch "dicke Luft"
Zwischenüberschrift:
Klärwerk wird mit 27,5 Millionen modernisiert
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Weniger Phosphor und kaum noch " dicke Luft"
Klärwerk wird mit 27, 5 Millionen modernisiert

Das Osnabrücker Klärwerk wird mit 27, 5 Millionen DM modernisiert. Bis 1993 soll die biologische Reinigungsstufe auch mit dem Stickstoff im Abwasser fertig werden, der bisher ungehindert in die Hase strömen konnte. Zum Abbau von Phosphor ist eine chemische Stufe geplant. Die neuen Anlagen brauchen viel Platz, deshalb wird sich das Klärwerk demnächst auch auf die nordöstliche Seite der Hase ausdehnen. Für die Finanzierung hofft die Stadt auf die Strukturhilfe (Siehe auch unseren Kommentar auf Seite 14).

Schon seit dem vergangenen Jahr wird die Rechenanlage aus den 50er Jahren erneuert. Sie filtert die festen Bestandteile aus dem Abwasser - Zigarettenkippen, Ohrreiniger und Plastikteilchen, die eigentlich nicht ins Klo geworfen werden sollten. Aber weil es die Osnabrücker offenbar nicht lassen können, mußte die Kläranlage nachgerüstet werden.

Die Stäbe der Feinrechenanlage stehen nun im Abstand von 6 Milimetern - bisher waren es 25. Das ist aber noch nicht alles: Um die Geruchsorgane der Anwohner zu schonen, wurden die Rechen in einem Gebäude zusammengefaßt, das keine " dicke Luft" mehr nach außen entweichen läßt. Gleichzeitig verhindert die neue Unterbringung, daß Frost und andere Witterungseinflüsse den Betrieb stören.

Viel umfangreicher sind jedoch die Bauarbeiten, die erst noch bevorstehen. Im Herbst oder Winter soll mit dem Neubau der dritten Reinigungsstufe begonnen werden: Die Belüftungsbecken, die schon jetzt sehr viel Platz einnehmen, sollen auf das vier- bis fünffache ihres Volumens ausgedehnt werden.
Nicht etwa, weil mehr Abwasser produziert würde, sondern weil jetzt auch dem Ammoniumstickstoff der Kampf angesagt wird. Gelangt diese Verbindung nämlich erst in die Hase, dann zehrt sie sehr viel Sauerstoff auf. Im Sommer, bei Niedrigwasser und hohen Temperaturen, könnte es zum " Umkippen" des Flüßchens kommen.
Aufwendig ist es, im Klärwerk die Ammoniumverbindungen herauszufiltern. Dabei helfen Bakterien. Aber von den 300 Bakterienarten, die sich um den Schmutzabbau im Wasser bemühen, sind nur wenige in der Lage, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Sie verlangen günstige Lebensbedingungen - und das heißt: mehr Volumen.
  Aber damit ist das Problem nicht gelöst, denn die Bakterien wandeln den Ammoniumstickstoff lediglich in Nitrat um, und auch das gilt als ungesund. Deshalb müssen - wiederum andere Bakterien unter Sauerstoffabschluß dazu veranlaßt werden, das Nitrat unschädlich zu machen. Ein Abwasserproblem zieht also leicht weitere nach sich.
Das gilt auch für den Energiebedarf: Je sauberer das Wasser, desto höher der Stromverbrauch für die Apparaturen. Das Klärwerk produziert rund 50 bis 60 Prozent der verbrauchten Elektrizität selbst mit dem Biogas aus dem Faulturm. Nun soll die Eigenversorgung erhöht werden. Klärwerksleiter Hans Schnier hofft, daß die Rechnung aufgeht.
Als zukunftsweisend wird die Phosphatfällung angesehen: Um die Phosphate zu beseitigen, werden verflüssigte Eisensalze ins Wasser gegeben. Sie verbinden sie mit dem Phosphor, bilden Flocken und sinken ab. Nach den Worten von Klärwerksleiter Schnier hat sich die Stadt für den chemischen Weg entschieden, weil das biologische Verfahren noch nicht ausgereift sei. Bei der Planung werde aber berücksichtigt, daß die Anlage längerfristig auf eine biologische Phosphatfällung umgestellt werden solle.
Schnier ging auch auf die Frage ein, ob die Phosphatklärung angesichts der phosphatfreien Waschmittel überhaupt noch notwendig sei: Auch die menschlichen Hinterlassenschaften enthielten soviel Phosphat, daß sich eine solche Reinigungsstufe unbedingt empfehle, hielt der Fachmann fest.
Die umfangreiche Modernisierung kann aber nur bedingt eine Schwachstelle wettmachen, die Klärwerksleiter Schnier wohl noch jahrelang beschäftigen wird: Im Stadtgebiet liegen noch etwa 100 Kilometer Mischkanäle, die das Regenwasser mit dem Abwasser zusammenführen. Bei längeren oder stärkeren Regenfällen kann die Kläranlage die Fluten nicht aufnehmen. Dann fließt ein Teil des Schmutzwassers ungeklärt in die Hase. rll
Autor:
rll


Anfang der Liste Ende der Liste