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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Haseflußbad: Tauchen ersparte Eintrittsgeld
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" DA WAR' S!" Julius Wallmann zeigt vom Haseufer aus auf die Stelle, wo bis 1927 das Flußbad eingerichtet war. Fotos: Michael Hehmann

Kindheitserinnerungen an Sommer 1925

Bei dem regnerischen Wetter der letzten Tage trotzen täglich nur einige wenige Schwimmer den Launen von Petrus und drehen geruhsam ihre Runden im Freibad Wellmansbrücke. In diesem Jahr wird die Anlage 60 Jahre alt. Grund genug für Julius Wallmann (Jahrgang 1915) sich an seine Kindheit zu erinnern, in der er fast täglich in heißen Sommermonaten mit Freunden von seinem Elternhaus an der Wörthstraße zum Haseflußbad gegangen ist. Dies war Vorgänger des 1927 für 90 000 Reichsmark fertiggestellten Freibades Wellmannsbrücke, das mittels einer Pumpanlage mit Wasser aus dem dicht benachbarten Hasefluß gespeist wurde.

Wenn Wallmann heute an dem Freibad vorbeikommt, gehen seine Gedanken in den heißen Juli des Jahres 1925 zurück. ,, Wer geht mit nach Wellmannsbrücke?" Dieser Ruf ertönte oft zu nachmittäglicher Stunde durch den Hof des Hauses Wörthstraße 27, in dem insgesamt auch 18 Kinder wohnten. Viele hätten gern den Weg mit angetreten, aber nur die wenigsten erhielten dafür die Erlaubnis ihrer Mutter, erzählt Wallmann. Bei dem einen habe es an der Badehose gemangelt, beim anderen am Eintrittsgeld, das 5 Pfennig betrug.

Mit Badehose und Marmeladenstulle, die ins Handtuch eingewickelt wurden, machten sich die Kinder auf den Weg. Am Ende der Neulandstraße taten sich schon die Wiesen und Felder vor ihnen auf, wo heute das Werksgelände von Karmann liegt.

Wallmann erzählt, wie die kleine Gruppe die dort stehenden ausrangierten Dampflokomotiven beschaute: ,, Die alten Stahlrösser flößten uns immer eine gewisse Angst ein, deshalb trauten wir uns nie ganz ran."

Die Schellenbergbrücke wurde zwischendurch schnell über die Steintreppe erklommen. Sie bot einen guten Ausblick auf den Rangierbetrieb des Güterbahnhofes, der besonders die Jungen brennend interessierte, wie Wallmann zu berichten weiß.

Nach wenigen hundert Metern erreichten die Kinder dann das Haseflußbad. Wer kein Geld mitbekommen hatte, zog rasch seine Badehose an und krabbelte in den Fluß hinab. Wenn er unter den am Ende des Bades aufgehängten Strömungsklappen durchschlüpfte, war das Problem mit dem Eintrittsgeld schnell aus der Welt. Was machte es da noch aus, daß der Kassierer die anderen Kinder, mit verdächtig viel Kleidung über dem Arm, seltsam anschaute . . .

Bevor endlich das langersehnte Erfrischungsbad genommen werden konnte, mußten die Größeren die Wassertiefe erkunden. Diese schwankte nämlich manchmal von einen Tag auf den anderen um bis zu einem halben Meter. War eine geeignete Stelle gefunden, stiegen die Jüngeren nach und nach über die Querbalken der kleinen Uferbefestigung in den Fluß. ,, Wir konnten alle noch nicht schwimmen und bestaunten etwas neidisch die Männer, die vom Sprungbrett einen Salto ins Schwimmerbecken machten", berichtet Wallmann.

In diesem Sommer 1925 erlernten aber fast alle Kinder der Gruppe, sich über Wasser zu halten. Wenn einer plötzlich ein paar Schwimmbewegungen machte, ohne den Boden zu berühren, rief er sogleich freudestrahlend aus ,, Ich kann schwimmen".

Nachdem noch ein bißcher in dem kleinen Eichenwäldchen, das noch heute auf dem Gelände des Freibades Wellmansbrücke vorzufinden ist gespielt wurde, machten sich die kleinen Wasserratten wieder auf den Heimweg. " Als wir an der Ecke zur Melle Straße durch eine offene Gaststättentür den freundlichen Wirt erblickten, übermannte uns meist der Durst" erzählt Wallmann. Dieser kannte die kleinen Lausebengels und schenkte ihnen freigiebig aus der Wasserleitung ein.

Wenn Wallmann heute während eines Ausfluges am Weserufer steht, denkt er sich " Ich möchte schwören, die Hase sei damals genaus breit durch die Wiesen geflossen, aber es war nur die Welt eines Kindes, in der mir der kleine Hasefluß so gewaltig erschien." Rolf Lampe
Autor:
Rolf Lampe


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