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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Wildwuchs oder Pflege - wie soll es wachsen?
Zwischenüberschrift:
Grün am Wall wird jetzt kurzgehalten - "Gegenreformation"
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wildwuchs oder Pflege - wie soll es wachsen?
Grün am Wall wird jetzt kurzgehalten - " Gegenreformation"

Endlich wird es grün in Osnabrück, und schon gibt es Streit darüber, was auf amtlich verwalteten Grünflächen wachsen darf und was nicht geduldet wird. Im Bauausschuß hat eine deutliche Mehrheit abgezirkelten Beeten, Sommerblumen und kurzgeschorenem Rasen den Vorzug vor ökologisch orientiertem Wildwuchs gegeben (wir berichteten). Weil es der ordnungsliebende Bürger offenbar so wünscht, weil wieder etwas Geld in der Kasse ist und weil man sich mit dem " Unkraut" im Stadtzentrum nicht vor auswärtigen Gästen blamieren will, bekamen die Stadtgärtner Anweisung, das Grün auf öffentlichen Grünflächen hübsch kurz zu halten.
Als " Schlag in die Gegenrichtung" bezeichnete Prof. Dr. Wolfgang Hartmann, der Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe Osnabrück, die beschlossene Pflege-Intensivierung. Ziel des Naturschutzes müsse es sein, Wildpflanzen nicht kurz zu halten, sondern wachsen zu lassen. Ökologisch sei diese " Gegenreformation" ebensowenig zu vertreten wie aus Sicht des Steuerzahlers.
Das Problem liegt nach Einschätzung von Hartmann in der   Ästhetik: Ein bestimmter, anerzogener Ordnungssinn mache die   Bemühungen für mehr Artenvielfalt in der Stadt zunichte. Das   wird auch von Hans Plonsker, dem Leiter des städtischen   Grünflächenamtes, nicht bestritten. Plonsker gibt jedoch zu   bedenken, daß öffentliche Grünflächen auch repräsentativen   Zwecken dienen müßten:
" Der normale Durchschnittsbürger findet es schöner, wenn gepflegt wird - auch wenn das nicht immer richtig ist."
Zwei Sommer lang blieb der Wildwuchs auf dem Wall ungeschoren. Ein Botaniker des Grünflächenamtes untersuchte, was die Natur tut, wenn sie sich selbst überlassen bleibt. Das Ergebnis: Vor dem Experiment wurden sieben Grasarten und 30 Kräuter gezählt, hinterher acht Gräser und 40 Kräuter. " Unter dem Strich", hielt Plonsker fest, " hat die Umstellung auf Extensivpflege einen geringfügigen Zuwachs an Krautflora gebracht."
Es gelte abzuwägen, ob ein paar zusätzliche Arten das Erscheinungsbild einer extensiv genutzten Fläche rechtfertigen. " Gewichtige Gründe", so der oberste Stadtgärtner, sprächen dafür, " diese Fläche attraktiver zu gestalten". Immerhin handle es sich um ein vielbeachtetes Areal, und um einen Eindruck, " der sich einprägt".
Fürs erste ist die Entscheidung gefallen. Aber das Wildwuchs- Experiment wurde noch nicht ganz aufgegeben:
Der Uni-Biologe Dr. Herbert Zucchi und seine Studenten dürfen mit Billigung des Grünflächenamtes auf einer Verkehrsinsel am Hasetorwall beobachten, wie Kleintiere (u. a. Insekten, Spinnen) Wildwuchsflächen in Besitz nehmen.
" Da kommt uns der Wall sehr gelegen", sagt Zucchi, der den Erfolg oder Mißerfolg des Experiments nicht allein an der Anzahl der Kräuter messen will, sondern an den ökologischen Funktionen: Tiere brauchten bestimmte Pflanzen, Pflanzen brauchen bestimmte Tiere zum Überleben.
Autor:
rll


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