User Online: 1 | Timeout: 20:57Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Nettetal: Geht ein Hof an die Substanz?
Zwischenüberschrift:
Landwirtschaft contra Naturschutz
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Schon vor 20 Jahren gab der damalige Oberstadtdirektor Fischer dem Bauern Hanesch einen Tip: ,, Sehen sie sich nach einem neuen Hof um. Wir brauchen ihr Land!" Knapp zwei Jahrzente lang konnten die Haneschs ihr Land noch beackern aber als die Planung Ende der 70er Jahre konkreter wurde, mußte doch alles recht schnell gehen. Landwirt Josef Hanesch kam mit der Bedingung, seinen Hof ins Herzstück des Nettetals zu verlagern, durch. ,, Da hat die Stadt nicht gewußt, was auf sie zukommt", bewertet Prof. Hartmut Peucker, der Kreisbeauftragte für den Naturschutz in Osnabrück, den Interessenkonflikt zwischen Landwirtschaft und Naturschutz.

So unversehrt, wie das Nettetal als Erholungslandschaft manchmal beschrieben wird, ist es längst nicht mehr. Fast unbemerkt haben sich die Eingriffe in das Landschaftsbild vollzogen:

Die Baugebiete in Haste und Rulle sind nähergerückt.

Der Ausflugsverkehr im Ostringer Weg nimmt an Wochenenden deutlich zu: Blechlawinen ziehen sich durchs Nettetal.

Monokulturen rauben der Landschaft ihre Vielfalt: Das gilt für Erdbeerplantagen ebenso wie für Forellenteiche oder mögliche Maisfelder.

Die geplante Autobahn A 33 bedroht die Ruhe im östlichen Teil des Erholungsgebietes.

Freileitungen an beiden Seiten des Ostringer Weges erweisen sich als häßlicher Blickfang.

Die Nette selbst ist gefährlich verschmutzt. Fischen und Mikroorganismen fällt das Überleben in dem Flüßchen schwer.

Angesichts dieser Belastungen stellen Umweltschützer die Frage, ob das Nettetal überhaupt einen weiteren Eingriff verkraftet, ohne als Naherholungsgebiet an Wert zu verlieren. Ein moderner Landwirtschaftsbetrieb ist in den Augen der Naturschutzverbände ein weiterer Eingriff.

Einige der Bedenken hat Bauer Josef Hanesch inzwischen entkräftet: Er ist der Ansicht, daß sich die vier Hofgebäude und Ställe (mit ihren roten Ziegel-Walmdächern) und die beiden Hochsilos " den landschaftlichen Gegebenheiten anpassen werden" wie es in der Bauauflage festgeschrieben ist zumal alles ringsum begrünt werden soll. Freiwillig, wie Josef Hanesch sagt, will er eine Güllebelüftung installieren: das ist eine Vorrichtung, die den üblen Geruch weitgehend abstellen kann.

Auch an eine Nitratverseuchung des Bodens oder des Trinkwassers glaubt der Bauer nicht: " Wir haben sogar zu wenig Gülle und müssen noch Dünger dazukaufen." Im übrigen seien die Flächen ja auch von seinem Vorgänger bewirtschaftet worden: " Mit Mineraldünger allerdings."

Daß die Betriebs Verlagerung jetzt unumgänglich geworden ist, läßt sich schon an der Lage des Hofes Hanesch an der Vehrter Landstraße ablesen: Bis zur neuen Wohnbebauung ist es nur noch ein Steinwurf ausdehnen kann sich der Betrieb am bestehenden Standort jedenfalls nicht mehr.

Ackerland und Wiesen liegen jetzt nach dem Flächentausch mit der Klosterkammer samt und sonders jenseits der vielbefahrenen Vehrter Landstraße. " Darüber kann man ja keine Rinder treiben", vermerkt Bauer Hanesch. Er will mit dem Betrieb ins Zentrum seiner neuen Flächen ziehen eben mitten ins Landschaftsschutzgebiet.

" Und Landschaftsschutzgebiet ist hier sowieso alles", sagt Bauer Hanesch, der noch in diesem Jahr bauen möchte.

Für die Stadt ist der Bauantrag eine Ermessensentscheidung. Ein Anspruch auf Zulassung besteht, wenn, wie es heißt, " öffentliche Belange nicht entgegenstehen bzw. nicht beeinträchtigt werden".

Nicht ganz geklärt ist allerdings, welche Bedeutung dem Erholungswert der Landschaft als " öffentlicher Belang" eingeräumt wird, zumal die Behörden davon ausgehen, daß landwirtschaftliche Vorhaben " in der Regel den Zielen des Bundesnaturschutzgesetzes dienen".

Da sind die Naturschutzverbände anderer Ansicht. Prof. Peucker wirft der Stadt vor, sie habe vor der " machtvollen Lobby der Landwirtschaft" gekuscht und aus Angst vor Entschädigungsforderungen nicht die öffentlichen Belange abgewogen. Der Naturschutzbeauftragte fürchtet, daß weitere Eingriffe dem Nettetal " an die Substanz" gehen.

Immerhin gibt es dort Bereiche, die seltenen Pflanzen-und Tierarten (noch) einen Platz zum Überleben bieten. Dazu gehört auch der Nette-Altarm (in unmittelbarer Nähe der geplanten Hofan-siedlung) mit seinen Amphibien. Auch Eisvögel soll es dort noch geben. Schon für den Bestandsschutz hätte Peucker sich einen Landschaftsplan gewünscht aber den hat der Rat vor kurzem abgelehnt.
Rainer Lahmann-Larnmert

Bilduntertitel

NUR EINEN STEINWURF sind die Neubauten vom Hof des Bauern Hanesch entfernt. Der Betrieb soll Ins Nettetal umgesiedelt werden mitten Ins Landschaftsschutzgebiet. Aufnahme: Westdörp
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste