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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ramponierte Kunst
Zwischenüberschrift:
Osnabrücks „Identifikationsplastik″ von Heinz Mack soll wieder strahlen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Osnabrück hat ein Ausrufezeichen der Kunst: Heinz Macks Identifikationsplastik″. Aber der 16 Meter hohe Fingerzeig gen Himmel ist im Lauf der Jahre grau und schmutzig geworden. Das soll sich jetzt ändern. Die Plastik soll wieder gut aussehen″, verspricht Patricia Mersinger, Leiterin des Fachbereiches Kultur der Stadt Osnabrück, sich um das 1979 an der Stadthalle platzierte Kunstwerk endlich kümmern zu wollen. Zuvor hatte es im Kulturausschuss am Donnerstag, 25. Februar 2021, Druck gegeben. Brigitte Neumann hatte für die CDU-Fraktion einen Dringlichkeitsantrag eingebracht. Ziel: Das Kunstwerk soll gereinigt werden. Für Mersinger steht fest: Das wird teuer. Die Fachbereichsleiterin sprach auf Anfrage von einem möglichen Kostenaufwand von rund 40 000 Euro.

Warum so verkommen?

Die plötzliche Eile kommt nicht von ungefähr. Warum lässt man diese Arbeit so verkommen? Ich verstehe das nicht″, hatte sich Künstler Heinz Mack im Interview mit unserer Zeitung unlängst über den Zustand seiner Osnabrücker Skulptur aufgeregt. Der Lichtkünstler der berühmten Künstlergruppe Zero wird am 8. März 2021 90 Jahre alt. Das Düsseldorfer Museum Kunstpalast feiert den international bekannten Pionier mit einer opulenten Werkschau, die hinter geschlossenen Türen bereits aufgebaut ist und darauf wartet, nach Ende des Lockdowns vom Publikum gesehen zu werden. Die Kunstwelt feiert Mack. Für Osnabrück hat er nur giftige Kommentare übrig. Ich würde es sehr bedauern, wenn die Skulptur in einem solchen Zustand bliebe. Dann sollte man sie besser entsorgen, anstatt dass man sie als Ruine stehen lässt″, sagt Mack.
Aber nicht nur die schlechte Publicity dieser Wortmeldung setzt die Stadt unter Druck. Es geht auch um das Jubiläum des Westfälischen Friedens. Wenn 2023 Gäste auch in die Stadthalle kommen, um jenen Geburtstag zu feiern, auf den die Friedenstadt hinfiebert, soll eine schmuddelige Skulptur das propere Festtagsbild nicht stören.
Für Patricia Mersinger ist das eine klare Perspektive. Sie will beim Thema Kunst im öffentlichen Raum jetzt Druck machen. Anja Lückenkemper, neue Kuratorin an der Kunsthalle und zuständig für Kunst in Osnabrücks öffentlichem Raum, sichtet nach Mersingers Worten gerade den Bestand der Skulpturen im Stadtraum. Dabei hatte das vor Jahren bereits der vormalige Kunsthallenleiter André Lindhorst getan.
Wenn es um die Skulptur von Heinz Mack geht, hat Lindhorst jedenfalls eine klare Meinung. Das geht gegenüber einem Künstler wie Heinz Mack einfach nicht. Wie steht die Stadt denn da?″, fragt Lindhorst, der bis 2013 die Osnabrücker Kunsthalle leitete und jetzt als Kurator der Berliner Galerie Köppe Contemporary tätig ist. Im Gespräch verweist er umgehend auf den wunden Punkt beim Osnabrücker Umgang mit dem Kunstwerk. Vor rund einem Jahrzehnt hatte die Stadt diverse Brunnenanlagen aus Kostengründen abgestellt, darunter auch den Wasserlauf der Plastik von Heinz Mack. Das Werk war damals regelrecht amputiert worden. Der Wasserlauf im Sockel wurde zubetoniert, die Stromleitungen für die abendliche Beleuchtung abgeklemmt. Die Arbeit funktioniert nur mit Licht und Wasser.

Wieder mit Wasserspiel?

Bei Zero ging es immer um neue Materialien und Bewegung″, sagt Lindhorst, worauf es bei diesem Werk ankommt und warum es heute nicht mehr so wirken kann, wie es Heinz Mack seinerzeit beabsichtigt hatte. Es wäre wichtig, wenn Wasserspiel und Licht wieder funktionieren könnten″, sagt jetzt auch Patricia Mersinger. Der Weg bis dahin wird jedoch weit sein. Während in den Archiven der Stadt nach Unterlagen zu der seinerzeit als Kunst am Bau geplanten Skulptur gesucht wird, steht wenigstens schon fest, dass sich für die Renovierung zwei städtische Ämter werden koordinieren müssen das Kulturamt, das für die Kunst im öffentlichen Raum zuständig ist, und das Amt Stadtgrün, das sich um Brunnenanlagen kümmert.
Es soll alles gut aussehen″, verspricht Patricia Mersinger und kündigt an, dass auch getan werden soll, was ohnehin naheliegt Kontakt mit dem Künstler aufzunehmen. Heinz Mack hat da seine eigenen Erfahrungen. Auf seine letzten Anfragen habe die Stadt Osnabrück gar nicht mehr reagiert, sagte er im Interview.

Bildtext:
In traurigem Zustand: die Identifikationsplastik″ (1979) von Heinz Mack zwischen Schloss und Stadthalle Osnabrück.
Foto:
David Ebener

Kommentar
Tristes Mahnmal

Es ist fast wie im richtigen Leben: Erst wenn sich Besuch ankündigt, wird das Wohnzimmer aufgeräumt. Mitten im Osnabrücker Wohnzimmer steht Heinz Macks einst strahlende Stahlskulptur. Inzwischen ist sie zum Mahnmal für lieblosen Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum verkommen. Der trostlose Zustand der Plastik spiegelt bedrückende Gleichgültigkeit gegenüber der Kunst.
Jetzt soll das Ruder herumgeworfen werden. Schlagartig wird sichtbar, dass über Kunstwerke wie jene von Heinz Mack niemand in der Stadt etwas weiß und schon lange keiner mehr bewusst mit ihnen umgegangen ist. Dabei sind sie nicht nur pfleglich zu behandeln. Es ginge auch darum, den Blick wieder auf die Kunst draußen und damit auf den Stadtraum selbst zu lenken. Ob sich dafür in der derzeit hermetisch wirkenden Kunsthalle jemand zuständig fühlt?
Das Desaster um Macks Plastik spiegelt aber auch eine Kulturpolitik, für die Kunst offenbar nur dann in den Blick kommt, wenn ein Friedensthema bebildert werden soll. In Osnabrück ist Volker Johannes Trieb der Mann für solche Fälle. Das Ergebnis ist Illustration, nicht unbedingt Kunst.

s.lueddemann@ noz.de
Autor:
Stefan Lüddemann


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