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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wer darf auf dem Finkenhügel bauen?
Zwischenüberschrift:
CDU: Stadt soll Wohngebiet selbst vermarkten / 2022 soll es losgehen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück In einem Jahr beginnt der große Umbau im Westen der Stadt: In der ersten Hälfte 2022 soll das erste Teilstück des Wohngebietes am Klinikum reif zur Bebauung gemacht werden. Das Projekt wird die Stadt ein Stück weit verändern auch weil hier das erste klimaneutrale Wohngebiet Osnabrücks entstehen soll.

Der Stand der Planungen: Insgesamt 430 Wohneinheiten können nach derzeitigem Planungsstand auf der ehemaligen Trasse der Westumgehung entstehen. Die Stadt hat die knapp 16 Hektar große Fläche geteilt und zwei Bebauungspläne (616/ Finkenhügel/ Am Hirtenhaus und 617/ Südlich Heger Holz) aufgestellt. Die B-Pläne sind noch im Stadium der Vorplanung. Mitte dieses Jahres sollen die Konzepte so weit konkretisiert sein, dass sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt damit befassen und die Öffentlichkeit beteiligt werden kann.
Die Verwaltung hat jetzt dem Finanzausschuss einen Zwischenstand präsentiert und die nächsten Schritte beschrieben. Der südliche Teil des künftigen Wohngebietes (616/ Finkenhügel/ Am Hirtenhaus) ist für eine verdichtete Bauweise vorgesehen. Angepeilt ist, etwa 90 Prozent der dort geplanten 260 Wohneinheiten im Geschosswohnungsbau zu errichten, die restlichen zehn Prozent sind in Form von Einfamilien-, Doppel- oder Reihenhäusern vorgesehen.

Wer dort bauen und wohnen darf: Die Flächen sind bis auf kleine Ausnahmen im Besitz der Stadt. Die Verwaltung schlägt vor, die Grundstücke, die für den Geschosswohnungsbau vorgesehen sind, zum Verkehrswert der neuen kommunalen Wohnungsbaugesellschaft WiO (Wohnen in Osnabrück) anzubieten. Die WiO soll dort bezahlbaren Wohnraum schaffen. Dieser Vorschlag findet in der Politik allseits Gefallen.
Anders ist es es bei den Grundstücken für Einfamilien- und Doppelhäuser. Die Verwaltung will die Flächen Investoren gegen Höchstgebot anbieten, was in der Sitzung des Finanzausschusses auf Widerstand stieß. An der Spitze die CDU: Wir wollen, dass im geplanten Baugebiet auf der ehemaligen Trasse der Westumgehung hier mehrheitlich Familien mit Kindern eine Chance auf Wohneigentum bekommen″, sagte Fritz Brickwedde. Deshalb solle die Stadt die Vermarktung nach klaren Vergabekriterien selbst in die Hand nehmen und Familien einen Preisnachlass gewähren. Ein dazwischengeschalteter Investor würde zur Erhöhung der Preise führen″, so Brickwedde.
Vorbild sei das Baugebiet An der Gartlage″. Seinerzeit seien Preisnachlässe für Familien mit minderjährigen Kindern gewährt worden. Der Nachlass habe in dem Baugebiet an der Knollstraße 30 Euro pro Quadratmeter und maximal 15 000 Euro pro Baugrundstück betragen. SPD, Grüne und Linke unterstützten Brickweddes Argumentation. Die soziale Komponente sei wichtiger als Profitmaximierung″, sagte Volker Bajus (Grüne).

Wohnungen für Klinikum-Mitarbeiter: Eine Idee aus der CDU ließ die Ausschussmitglieder aufhorchen: Ein Teil der Mietwohnungen und Grundstücke sollte für Mitarbeiter des Klinikums reserviert werden. Brickwedde: Gerade in Corona-Zeiten haben Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte bewiesen, dass sie alles für die Patienten geben. Gleichzeitig haben wir zu wenig Pflegepersonal. Auch bezahlbare Mietwohnungen und Grundstücke in der Nähe des Arbeitsplatzes können helfen, Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten.″

Klimaneutrales Wohngebiet: Auf Beschluss des Rates wird geprüft, ob eine klimaneutrale Energieversorgung möglich ist. Mit Förderung des Bundes ist ein Fachbüro beauftragt worden, für das südliche Baugebiet eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Die Häuser und Wohnungen sollen zentral mit Wärme versorgt werden, ohne fossile Brennstoffe zu verheizen. Der Strom soll aus Fotovoltaikanlagen kommen. Aktuell gibt es Überlegungen, das Energiekonzept auf das Gesamtgebiet (B-Pläne 616 und 617) auszudehnen. Osnabrück würde damit neue Maßstäbe setzen. Es wäre das erste klimaneutrale Wohngebiet in der Stadt.

Das ist zuerst zu erledigen: Parallel zur Bauleitplanung bereitet die Verwaltung die nächsten Schritte vor. Der Pachtvertrag mit den Bewohnern der Wagenburg am Hirtenhaus soll noch im März gekündigt werden. Zurzeit laufen Gespräche über eine Umsiedlung des alternativen Wohnmodells in die Gartlage. Der Güntkebach muss verbreitert werden, um das Oberflächenwasser aus dem künftigen Wohngebiet ableiten zu können. Die Mittel dafür (430 000 Euro) hat der Rat im Dezember bewilligt. Ein Fachbüro überarbeitet zurzeit das Verkehrskonzept. Die Erweiterungen, die das Klinikum plant, lassen eine erhebliche Zunahme des Individualverkehrs″ erwarten, schreibt die Verwaltung.

So geht es weiter: Die Verwaltung schlägt vor, zunächst mit dem nördlichen Baugebiet zu beginnen, weil die Erschließung über den Lieneschweg und die Straße Am Heger Holz bereits vorhanden ist. Wenn alles glattläuft, kann dort in der ersten Jahreshälfte 2022 mit den Erschließungsarbeiten begonnen werden. Die Häuslebauer würden dann 2023 loslegen können.
Auf dem südlichen Baugebiet kann erst begonnen werden, wenn das Klinikum eine wichtige Voraussetzung erfüllt hat: den Bau eines Parkhauses. Der Hintergrund: Der Parkplatz P1 muss dem Baugebiet geopfert werden. Dort soll ein Regenrückhaltebecken entstehen. Der Parkdruck am Klinikum ist aber so groß, dass der P1 nicht ersatzlos aufgegeben werden kann. Das Parkhaus soll im rückwärtigen Bereich (auf der Fläche des heutigen Parkplatzes P5) entstehen. Geplanter Baubeginn: noch in diesem Jahr.

Bildtext:
Die Grünzone zwischen Klinikum (im Vordergrund) und den Stadtrandhäusern des Westerberges soll in den kommenden Jahren bebaut werden 430 Wohneinheiten können dort entstehen (Archivfoto von 2013).
Foto:
Michael Hehmann

Kommentar
Das muss die Stadt selbst machen

Es wirkt heute wie ein Glücksfall, dass die Generation, die vor 40 Jahren Verantwortung trug, für den Finkenhügel eine vierspurige Straße vorgesehen hatte, die Flächen dafür über Jahrzehnte reservierte, aber nie Ernst machte. Nun kommt alles anders: keine Stadtautobahn, sondern ein klimaneutrales Wohngebiet. Die aktuelle Generation der Verantwortungsträger sollte jetzt nicht den Fehler machen, die Vermarktung dieses wertvollen Stück Landes privaten Profitmaximierern zu überlassen.
Das Veto der Politik, angeschoben von der CDU, kommt genau richtig. Die Stadt muss die Vergabe der Grundstücke selbst steuern, um eine ausgewogene Sozialstruktur in dem höchst attraktiven Wohngebiet zu gewährleisten. Das kostet Geld, keine Frage, weil nicht Höchstpreise aufgerufen werden können. Und zur ganzen Wahrheit gehört auch, dass die Stadt schon erhebliche und teure Vorleistungen eingebracht hat. Der Umbau der Rheiner Landstraße zum Beispiel ist nur nötig geworden, weil die alte Kanalisation den Anforderungen des neuen Wohngebietes nicht gewachsen wäre. Der Güntkebach muss umgebettet, die Verkehrsinfrastruktur angepasst werden. Das sind Kosten, die sich nicht auf die Häuslebauer umlegen lassen. Und das ist der Preis, den die Stadt dafür zahlt, dass dies kein Baugebiet nur für reiche Leute wird.
Viel Charme hat der Vorschlag der CDU, einen Teil der Wohneinheiten für Klinikum-Mitarbeiter vorzuhalten. Noch ist schwer zu erkennen, ob sich das überhaupt umsetzen ließe. Aber die Idee ist es wert, zu Ende gedacht zu werden.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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