User Online: 1 | Timeout: 00:52Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kritik nach Einschläferung und Löwenangriff
Zwischenüberschrift:
Tierschutzorganisation Peta hält Haltung in Zoos für nicht artgerecht
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Nach der Einschläferung eines wenige Tage alten Elefantenbabys im Zoo Osnabrück und der Attacke eines Löwen auf eine Tierpflegerin erhebt die Tierrechtsorganisation Peta schwere Vorwürfe. Dickhäuter, Tiger und Löwen in Gefangenschaft zu halten sei artwidrig″.
Im Osnabrücker Zoo kam am 11. Februar 2021 ein Elefant zur Welt. Weil das Tier nicht bei der Mutter trinken wollte und unter Durchfall litt, wurde es fünf Tage nach der Geburt eingeschläfert. Die Tierrechtsorganisation Peta nennt Elefantenzucht im Zoo eine Sackgasse″. Aufgrund extrem unnatürlicher Haltungsbedingungen″ würden immer wieder Jungtiere durch Krankheiten und Unfälle sterben oder von ihren eigenen Müttern getötet oder verstoßen.
Wenige Tage später bot der Osnabrücker Zoo der Tierrechtsorganisation einen weiteren Anlass, die Haltung von wilden Tieren grundsätzlich infrage zu stellen. Ein Löwe hatte eine Tierpflegerin angegriffen und am Rücken verletzt. Die Zoo-Mitarbeiterin musste im Krankenhaus behandelt werden. Ermittlungen ergaben, dass ein Sicherungsgitter nicht geschlossen war. Menschliches Versagen also.

Verhaltensstörungen

Die Kritik der Tierrechtler richtet sich nicht speziell gegen den Osnabrücker Zoo, sondern gegen die Haltung von Tieren in Gefangenschaft generell. Peta sagt, artgerechte Haltung sei in Zoos unmöglich. Elefanten zum Beispiel lebten in der Natur in stabilen Sozialverbänden, wanderten täglich viele Kilometer und erleben eine Vielzahl von Umweltreizen. In Gefangenschaft dagegen litten Elefangen unter schweren Verhaltensstörungen, was sich unter anderem im sogenannten Weben äußere, bei dem die Tiere mit Kopf und Körper hin- und herschwankten. Zoos leisteten keinen nennenswerten Beitrag zum Artenschutz, sondern betrieben großen Aufwand, um einige wenige Tiere in Gefangenschaft zu halten und für zahlendes Publikum auszustellen″. Die Nachzucht von Elefanten in Gefangenschaft sei schwierig, so Peta. Deshalb werde in Zoos zum Teil mit Gewalt, Narkose und Elektroschocks nachgeholfen.
Peta äußert die Überzeugung, dass Angriffe von Wildtieren auf Pfleger wie kürzlich auf dem Schölerberg eine Folge der nicht artgerechten Haltung sind: Wir fordern zum Schutz des Zoopersonals und der Tiere das Ende der Großkatzenhaltung in zoologischen Einrichtungen. Löwen und Tiger sind keine Schmusekatzen, sondern Wildtiere Angriffe, Unfälle und Ausbrüche lassen sich nur verhindern, wenn sie nicht mehr eingesperrt und zur Schau gestellt werden.″

Die Antworten des Zoos

Der Zoo Osnabrück weist die Vorwürfe zurück. Unsere Elefantengruppe lebt harmonisch mit einer natürlichen Struktur″, heißt es in einer Antwort auf die umfangreichen Vorhaltungen der Tierrechtler. Die Dickhäuter lebten wie in der Wildbahn in Matriarchaten, also in einer von einer Leitkuh angeführten Herde. Zuchtbulle Luka habe als typischer Einzelgänger seinen eigenen Bereich und besuche die anderen Elefanten nur ab und zu″.
Verhaltensauffälligkeiten bei Elefanten gebe es in Zoos hauptsächlich bei älteren Tieren, die die frühere Kettenhaltung erlebt hätten auch wenn sie sich jetzt, wie am Schölerberg, frei auf der Anlage bewegen könnten. Leitkuh Douanita sei so ein Fall. Allerdings treten solche Verhaltensweisen nur noch sehr minimiert auf und sind kein Zeichen, dass es ihr gerade nicht gut geht, sondern eine tief sitzende Angewohnheit″, sagt der Zoo.
In der Natur seien die Elefanten mit Futtersuche beschäftigt, zögen deswegen umher. Im Zoo Osnabrück hätten sie ihre Nahrung (bis zu 100 Kilogramm Heu, Gras und Saftfutter pro Tier) zwar sicher, müssten sich diese aber, über den Tag verteilt, an allen möglichen Stellen erarbeiten, damit sie in Bewegung bleiben. Die Dickhäuter liefen dabei über unterschiedliche Böden, es gebe viel Sand, aber auch Lehmkuhlen und Wasserlöcher. Alle Beschäftigungsangebote im Zoo würden wissenschaftlich begleitet.
Die Auswilderung von Asiatischen Elefanten in die Wildbahn mache aktuell keinen Sinn″, da es für sie dort kaum noch Lebensraum gebe, kontert der Zoo die Peta-Kritik. Der Mensch beanspruche den Regenwald das angestammte Reich der Dickhäuter für Siedlungen und Plantagen, töte die Elefanten oder treibe sie so weit auseinander, dass sie zur Fortpflanzung nicht mehr zueinanderfinden. In Zoos liege der Fokus bei dieser bedrohten Tierart deshalb zunächst auf der Haltung und Züchtung einer überlebensfähigen Reservepopulation, die im Notfall″ ausgewildert werden könne. Sollte bei den Asiatischen Elefanten dieser Notfall eintreten, stehen Zoos dafür selbstverständlich bereit.″
Darüber hinaus sei es Aufgabe der Zoos, ihre Besucher zu informieren, wie sie durch eigenes Verhalten Asiatische Elefanten in der Wildbahn schützen können. Zum Beispiel, indem man keine Produkte kauft oder benutzt, für deren Herstellung Regenwald zerstört wird.
Der Zoo weist jeden Verdacht von sich, bei der Zeugung des Elefantennachwuchses gewaltsam nachgeholfen zu haben. Die Zeugung verlief auf ganz natürlichem Weg.″ Sowohl Leitkuh Douanita, Mutter des im Dezember 2020 geborenen Jungtiers Yaro, als auch ihre Tochter Sita, die jetzt das namenlos gebliebene Kalb zur Welt brachte, hätten sich freiwillig vom Zuchtbullen Luka decken lassen.
Petas Mutmaßung, ein zu kleines Löwengehege habe möglicherweise den Löwen aggressiv werden lassen, wird vom Zoo mit Nachdruck zurückgewiesen. Wir erfüllen mit unserer neuen Löwenanlage die Vorgaben des aktuellen Säugetiergutachtens für die Löwenhaltung″, sagt der Zoo. Dieses sei vom Bundeslandwirtschaftsministerium gemeinsam mit verschiedenen Verbänden und Organisationen erstellt worden und schreibe pro Tier 200 Quadratmeter Fläche auf der Außenanlage vor. Unsere neue Außenanlage ist knapp 1900 Quadratmeter groß, bei einem fünfköpfigen Löwenrudel ist der Bereich also fast doppelt so groß wie vorgegeben.″
Für die Innenbereiche seien 20 Quadratmeter pro Tier gefordert. Der Zoo halte mit neuem und altem Haus für alle fünf Löwen knapp 150 Quadratmeter vor also etwa 50 Quadratmeter mehr, als laut Gutachten erforderlich wären. Grundsätzlich ist das Gehege sehr naturnah gestaltet mit Rückzugsräumen für die Tiere, verschiedenen Untergründen wie Sand oder Gras, sowie mit Sonnen- und Schattenplätzen.″ Verhaltensauffälligkeiten seien bei dem Rudel nicht festzustellen.

Bildtext:
Keine Chance: Das jüngste Elefantenbaby im Zoo Osnabrück sträubte sich regelrecht dagegen, bei seiner Mutter Sita zu trinken. Selbst mit einer Flasche konnten die Zoomitarbeiter es nicht an die Zitze locken. Unser Bild zeigt einen solchen Rettungsversuch im Stall.
Foto:
Zoo Osnabrück/ Lisa Simon
Autor:
Sebastian Stricker, Julia Gödde-Polley


Anfang der Liste Ende der Liste