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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Diskussion um Neubaugebiete in Pye
Zwischenüberschrift:
Sorgen sich Osnabrücker um die Natur – oder wollen sie nur keine neuen Nachbarn?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Zwei neue Baugebiete für Pye: Südwestlich vom Fürstenauer Weg soll die bereits bestehende Siedlung von neuen Wohngebieten flankiert werden. Damit würde sie etwa um das doppelte ihrer bisherigen Größe wachsen. Darauf freuen sich nicht alle Alteingesessenen. Sie argumentieren mit dem Natur- und Klimaschutz was wiederum andere für vorgeschoben halten.
Noch bewirtschaften Landwirte die Felder, mit denen sich seit einiger Zeit die Stadtplaner beschäftigen und sie auf ihre Weise bezeichnen: Der Bebauungsplan 636 („ Temmestraße″) umfasst das Gebiet südlich der Straße Am Hang, wird von den Straßen Am Stollenbach und Am Pyer Ding eingefasst. Die Temmestraße durchquert das Gebiet.
Für das große Feld etwas weiter nördlich gibt es den Bebauungsplan 660 („ Fürstenauer Weg/ Am Pyer Ding″). Ein Streifen zur Straße Zitterhagen bleibt dem Plan nach frei. Die südliche Grenze befindet sich am Blumenhof Budke.
Auf wie viele neue Nachbarn sich die Bewohner der bestehenden Siedlung freuen dürfen, ist noch nicht bekannt. So weit sind die Stadtplaner noch nicht, denn sie beschäftigen sich mit vielen Abwägungen, die auch die Natur betreffen. Und um die macht sich eine Reihe von Anwohnern Sorgen.
Einer von ihnen ist Josef Heyer, der befürchtet, dass der Grüne Finger Haseniederung Pye″ verkleinert wird. Er brachte dieses Thema deshalb auf die Tagesordnung des Bürgerforums Pye ebenso eine weitere Anwohnerin, die einen Bebauungsriegel″ und generell weitere Versiegelungen kritisch sieht: Sie prognostiziert Kaltluftstaus mit Folgen für das Stadtklima und Beeinträchtigungen für das Landschaftsschutzgebiet südlich der Temmestraße.
Ein Teil der Antwort, die Stadtplanerin Johanna Mai in der Videokonferenz gab, könnte die Anwohnerin beruhigt haben, denn südlich der Temmestraße sollen gar keine Häuser gebaut werden: Das Gebiet bleibt demnach Teil des Grünen Fingers. Und grundsätzlich stellte Mai fest, dass mit der Festlegung von Geltungsbereichen″ für einen Bebauungsplan noch gar keine abschließende Aussage darüber getroffen ist, wie weit mögliche Wohnbebauungen zukünftig reichen könnten″. Auf den Punkt gebracht: Das bedeutet also nicht, dass dort überall Häuser stehen werden.″ In Bebauungsplänen seien schließlich auch Grünflächen, Gewässer und landwirtschaftliche Flächen enthalten. Und das Landschaftsschutzgebiet werde nicht bebaut.
Das Stadtklima, um das sich einige Anwohner sorgen, spielt auch für die Planer eine Rolle, wie die Fachleute aus der Verwaltung versichern. Wie Mai erläuterte, werde auf eine gute Durchströmbarkeit und Belüftung″ für das Plangebiet geachtet. Detlef Gerdts, der Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz, ergänzte: Wir planen so, dass die Kaltluft fließen kann.″
Aber auch die Aussage von Osnabrücks oberstem Umweltschützer konnte das offenbar teilweise vorhandene Misstrauen nicht ganz zerstreuen. Eine Anwohnerin bezweifelte etwa, dass das mit der Kaltluft tatsächlich funktionieren werde: Manche Bewohner der neuen Häuser würden nämlich sicherlich versuchen, die Kaltluftschneisen mit Bäumen oder Zäunen zu schließen, weil ihnen die Zugluft unangenehm″ sein werde. Diese Einschätzung teilt Gerdts jedoch nicht: Es ist in der Kaltluftschneise ja nicht windiger: Die Luft bewegt sich ganz langsam.″
Und doch zeigte sich ein Konflikt bei Entscheidungen für oder gegen die freie Landschaft: Das ist offenbar auch bei dem Bebauungsplan für das Gebiet zwischen den Straßen Am Stollenbach und Am Pyer Ding der Fall. Stadtplanerin Mai stellte jedenfalls fest: Die Wohnbaufläche nördlich der Temmestraße überlagert sich mit der bisherigen Abgrenzung der sogenannten Grünen Finger.″ Diese Fläche sei seit 2001 im Flächennutzungsplan – „ unter Berücksichtigung aller Belange″ als Wohnbaufläche dargestellt worden. Damals wie heute gehe es um Abwägungsprozesse.
Dabei spielt auch der Bedarf an Wohnungen eine Rolle. Der Fachbereich Städtebau formuliert es so: Im Fokus der Bauleitplanung steht die Mobilisierung von Bauland zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Allerdings ist der Stadt Osnabrück ebenfalls klar, dass Schaffung, Erhalt und Ausbau von Grünflächen und Freiräumen als Maßnahmen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung wesentliche Belange einer nachhaltigen Stadtentwicklung sind.″
Beachtet die Stadt dabei auch die Tiere und deren Lebensräume? Eine Anwohnerin befürchtet bei Veränderungen des Naturraums″ auch Konsequenzen etwa für Uhus, Hohltauben, Kolkraben und einer Reihe von weiteren Vogelarten, die unter anderem auf ein reichhaltiges Insektenangebot″ angewiesen sind.
Auch damit beschäftigen sich der Fachbereich Städtebau und der Fachbereich Umwelt und Naturschutz, wie Johanna Mai berichtete. Die verschiedenen Tierarten seien bisher mit Ausnahme der Uhus und der Kolkraben für ein Gutachten erfasst worden. Auch deren Nahrungsgebiete gehörten zu der Untersuchung und würden berücksichtigt.
Einer der Anwohner äußerte allerdings auch den Verdacht, dass es nicht jedem Kritiker tatsächlich um Natur- und Klimaschutz geht. Er wies auf die Situation von Familien hin, die einen Bauplatz suchen″ und mutmaßte, dass so manches auf Ökologie zielende Argument doch wohl eher vorgeschoben sei – „ zur Vermeidung von Gebäuden hinter dem eigenen Garten″.
Die beiden umstrittenen Bebauungspläne sind auch in einem anderen Zusammenhang im Blick: Derzeit wird speziell für Pye ein Stadtentwicklungskonzept (Näheres unter osnabrueck.de/ stadtentwicklung-pye) erarbeitet, und die Anwohner werden dabei einbezogen. Dabei geht es um die unterschiedlichsten Belange im Stadtteil und dazu gehören auch neue Siedlungen einerseits und die Natur andererseits.

Bildtext:
Platz für neue Häuser: In Pye sollen zwei neue Baugebiete entstehen. Sie befinden sich an der Ecke Temmestraße/ Am Stollenbach und auf der anderen Seite der bestehenden Siedlung. Die Stadt arbeitet an den Bebauungsplänen.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Jann Weber


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