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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Freie Bahn in der Gartlage
Zwischenüberschrift:
Oberbürgermeister Griesert verrät: VfL Osnabrück kann Trainingszentrum bauen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Der VfL Osnabrück hat freie Bahn für den Bau eines Trainingszentrums der Profimannschaft auf einem von der Stadt erworbenen Randstück des KME-Geländes. Das verriet Oberbürgermeister Wolfgang Griesert überraschend am Dienstagabend in einer Sitzung des Rates der Stadt Osnabrück, in der die Debatte über den VfL zu einem heftigen Schlagabtausch geriet und in eine geheime Abstimmung mündete. Ausgangspunkt war ein Antrag der Grünen, das kurzfristig benötigte Trainingszentrum ebenso wie das von der Stadt auf den benachbarten Flächen der Gartlage vorgesehene Nachwuchsleistungszentrum nicht in der Gartlage, sondern auf dem Limberg zu bauen. Titel des Antrages: Besser verlässlich an den Limberg, als vielleicht irgendwann oder vielleicht auch nie in die Gartlage.″
Vielleicht irgendwann? Diese Mutmaßung der Grünen veranlasste Oberbürgermeister Griesert entgegen seiner Gewohnheit –, schon zu Anfang der Debatte das Wort zu erheben. Ein energisches zudem. Griesert berichtete von einem Gespräch in der Vorwoche, an dem auch VfL-Präsident Manfred Hülsmann und der Geschäftsführer Sport, Benjamin Schmedes, teilgenommen hatten.
Nach Grieserts Worten steht dem Bau des Sportzentrums in der Gartlage weder der Arten- noch der Naturschutz entgegen. Das Projekt auf dem KME-Gelände ist genehmigungsfähig″, donnerte Griesert vom Podium herunter und forderte die Grünen auf, mit der Verbreitung falscher Nachrichten aufzuhören. Der VfL habe die ursprünglichen Pläne überarbeitet. Auf der Grundlage des neuen Entwurfs könnten die Anlagen im Einklang mit Natur- und Artenschutz errichtet werden.
Zur Überraschung der Naturkenner war im Wald neben dem KME-Gelände die seltene Bechsteinfledermaus gesichtet worden. Diese Entdeckung stellte die Pläne für den Bau des Nachwuchsleistungs- und Trainingszentrums in der Gartlage infrage. Darüber hinaus verfügt die Gartlage über schützenswerte Biotope, die nach Ansicht der Grünen durch das Projekt in Gefahr gerieten.
Grünen-Fraktionschef Volker Bajus warb dafür, dem VfL Planungssicherheit zu geben. Und die gebe es nur auf dem Limberg, auch wenn es dann länger dauere, bis der VfL über bessere Trainingsbedingungen verfüge. Es sei absehbar, dass der Naturschutzbund Nabu gegen eine Bebauung des KME-Geländes klagen werde, was zusätzliche Unwägbarkeiten für den VfL bringe. Bajus warf Griesert vor, Öko-Dumping wider die Natur″ zu betreiben. Ratsherr Michael Hagedorn vermutete, dass bei den Treibern dieses Projektes offenbar die Nerven blank liegen″. Die Argumente gegen einen VfL-Standort auf dem Limberg seien an den Haaren herbeigezogen″.
Auch die FDP will keinen VfL-Standort in der Garlage. Die Liberalen wollen darüber hinaus kein öffentliches Geld für den Zweitligisten lockermachen und richten scharfe Kritik an den DFB. Fraktionschef Thomas Thiele: Wir müssen uns endlich gegen die Dominanz des DFB wehren.″ Es müsse aufhören, dass der mächtige und reiche Fußballbund quasi Kommunen zwingen könne, ihren Proficlubs Leistungszentren zu bauen. Thiele verwechselte dabei offenbar den DFB mit der Deutschen Fußball Liga (DFL), die als GmbH den Profifußball der Bundesliga und der 2. Bundesliga organisiert und managt.
CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde warf den Grünen vor, Unwahrheiten zu verbreiten. Auf dem Limberg könnten eben nicht in kurzer Zeit″ Flächen für den VfL nutzbar gemacht werden. Abriss, Altlastenbeseitigung und Erschließung würden mindestens bis 2024 dauern. Erst danach könnte der Bau der VfL-Anlage beginnen. Für ein VfL-Zentrum müssten fünf bis sieben Hektar vom geplanten Gewerbepark abgezweigt werden was für die Stadt mit niedrigeren Verkaufserlösen und einem Verlust von Fördergeldern im Umfang von mehreren Millionen Euro verbunden wäre.
Frank Henning (SPD) nutzte seinen Beitrag für ein flammendes Bekenntnis zum VfL und zum Bau des Sportzentrums in der Gartlage. Der Oberbürgermeister-Kandidat argumentierte aber vor allem mit wirtschaftlichen Perspektiven und neuen Arbeitsplätzen, die auf dem Limberg entstehen sollen. Auf den etwa 25 Hektar ist ein Gewerbegebiet vor allem für junge Technologie-Firmen geplant. Für die wirtschaftliche Zukunft der Stadt sei es wichtig, zeitgemäße Gewerbeflächen vorzuhalten, auf denen zukunftsfeste und gut bezahlte Arbeitsplätze entstehen können. Auf Antrag der FDP stimmte der Rat geheim über den Antrag der Grünen und eine Ergänzung der UWG ab. Das Ergebnis: Mit 29 zu 20 Stimmen wurde der Antrag abgelehnt. Das bedeutet: Es bleibt beim Plan, das Trainingszentrum so schnell wie möglich und das Nachwuchsleistungszentrum im Nachgang in unmittelbarer Nachbarschaft in der Gartlage zu realisieren.
Wir freuen uns über dieses Votum″, sagte VfL-Geschäftsführer Schmedes am Tag nach der Ratssitzung. Der VfL wolle gerne seinen Beitrag dazu leisten, die Pläne für die Gartlage so weiterzuentwickeln, dass ein Nebeneinander von Trainingszentrum sowie Natur- und Artenschutz möglich sei.

Bildtext:
Hier soll bald gebaut werden: Das Luftbild zeigt den Teil des KME-Geländes, auf dem der VfL sein Trainingszentrum errichten will und wohl auch darf. Rechts oben im Hintergrund ist die Bremer Brücke zu erkennen.
Foto:
André Havergo
Autor:
Wilfried Hinrichs


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