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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wohin mit so viel Schnee?
Zwischenüberschrift:
Winterdienst jetzt auch in Wohngebieten / Viele Gehwege unpassierbar
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Kein Bus, kein Pizza-Kurier, keine Post und keine Müllabfuhr: Was der Lockdown nicht geschafft hat, kam mit dem Flockdown″ von Tief Tristan. Selbst zu Fuß war das Vorwärtskommen in Osnabrück extrem erschwert, und der Winterdienst der Stadt räumte zuerst nur die Hauptstraßen. Jetzt kommen auch die Wohngebiete dran.
Die Müllabfuhr gibt den Takt vor. Wo am Mittwoch die graue Tonne geleert werden soll, tauchten am Dienstag die Schneeschieber vom Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) auf. Im Widukindland, in Lüstringen und im Schinkel wurden Wohnstraßen so gut es ging geräumt, wie OSB-Sprecherin Katrin Hofmann berichtet. Ob die Müllfahrzeuge tatsächlich durchkommen, ist noch nicht sicher. Und um die Papiertonnen wollen sich die Entsorgungsspezialisten später kümmern.
Bei der Reihenfolge aus dem Müllkalender soll es aber bleiben, wenn sich der Servicebetrieb jetzt die Straßen in den Wohnsiedlungen vornimmt. Die sechs Großräumfahrzeuge sind weiterhin im Dreischichtbetrieb unterwegs, zumindest auf den Hauptstraßen der Stadt. Ein Durchgang dauert vier bis fünf Stunden, und dann geht es wieder von vorne los. Zuerst war es der Neuschnee, der die Dauerschleife erforderte, jetzt geht es auch darum, überfrierende Nässe zu verhindern.

Barrieren für Fußgänger

Im Einsatz sind auch kleinere Räumfahrzeuge, Trecker und Transporter mit Handkolonnen für Fußgängerüberwege, Bushaltestellen und Brücken. Buslinien, Fahrradstraßen, Krankenhauszufahrten und Autobahnumleitungsstrecken sollen 24 Stunden für den Verkehr frei gehalten werden. Erst wenn diese Arbeit geleistet sei, könnten sich ihre Kollegen auch um die anderen Straßen kümmern, gibt Katrin Hofmann zu bedenken.
Oft genug werden die Räumfahrzeuge vom OSB am Vorwärtskommen gehindert, weil Autofahrer hilflos stehen bleiben oder mit durchdrehenden Rädern versuchen, von der Straße zu kommen. Sabine Ahnfeld kennt das. An normalen Tagen steuert sie eine Kehrmaschine durch die Straßen von Osnabrück, jetzt schiebt sie den Schnee und sprüht zugleich eine Salzlauge auf die Fahrbahn. Die wirkt zwar nicht bei minus acht Grad, könnte aber den Tauprozess beschleunigen, wenn die Temperaturen wieder steigen.
Doch vorerst bleibt es kalt. Und noch immer liegt festgefahrener Schnee auf den Fahrbahnen. Der wird von Sabine Ahnfeld mit dem mächtigen Räumschild an den Straßenrand befördert, aber oft genug landet er auf dem Geh- oder Radweg. Wir versuchen, das zu vermeiden″, versichert die OSB-Mitarbeiterin, aber es komme doch immer wieder vor, dass der Schnee auch dort liegen bleibe, wo er anderen Menschen das Leben schwer mache. Ganze Berge und Barrieren sind schon aufgeschüttet worden, für Fußgänger gab es stellenweise kein Durchkommen mehr. Ja müsste der Servicebetrieb jetzt nicht Radlader und Muldenkipper in die Stadt schicken, um den Schnee nach draußen zu schaffen? Immerhin wurde in früheren Rekordwintern so verfahren. Darüber sei schon nachgedacht worden, sagt OSB-Sprecherin Katrin Hofmann, aber so etwas könne allenfalls in Ausnahmefällen geleistet werden. Und so wie jetzt sei die Situation ja auch noch handelbar″.
Die Stadt appelliert derweil an die Grundstücksbesitzer, ihrer Räumpflicht nachzukommen, so wie es in der Straßenreinigungssatzung festgelegt ist.

Räumen ist Bürgerpflicht

Wer durch Osnabrück geht, muss allerdings feststellen, dass sich viele Menschen nicht an diese Bürgerpflicht halten. Ganze Straßenabschnitte waren für ältere oder gehbehinderte Menschen unpassierbar oder sind es immer noch. Wer etwa am Montagmorgen zu Fuß durch die Martinistraße in die Stadt wollte, brauchte viel Zeit und Mühe, um durch die auf 30 Zentimeter Höhe angehäufte weiße Pracht zu stapfen.
Es gibt aber auch die fleißigen Anwohner, die früh aufstehen, um ihren Mitmenschen morgens um 7 Uhr einen blitzblank gefegten Gehweg zu hinterlassen und die sogar zwischendurch den Neuschnee beiseiteräumen. Und sich manchmal fragen, warum andere das nicht tun, obwohl es doch für alle gilt.
Kontrolliert die Stadt denn gar nicht, ob die Gehwege begehbar gehalten werden? Heike Pape, die Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung, ist überrascht. Von Kontrollen ist ihr nichts bekannt, und flächendeckend sei das ja auch gar nicht möglich, gibt sie zu bedenken. Sie muss mal nachfragen und ruft zurück. Ja, wer nicht Schnee schippt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und kann auch zu einem Bußgeld verdonnert werden. Allerdings ist das wohl noch nicht vorgekommen in Osnabrück.

Bildtexte:
Die sechs Großräumfahrzeuge des Osnabrücker Servicebetriebes (OSB) sind unentwegt auf den Straßen der Stadt im Einsatz.
Umsatteln von der Kehrmaschine aufs Räumfahrzeug: Sabine Ahnfeld schafft mit ihrem Räumfahrzeug den Schnee von den Straßen. Hier ist sie am Rosenplatz unterwegs.
Einer, der anpackt: Uwe Ebberfeld schippt in der Meller Straße Schnee. Weil der sich schon auf der einen Seite zu Bergen türmt, verteilt er die Massen auch auf der anderen Seite.
Da rotiert der Besen: So wird der Gehweg vor der Rosenplatzschule sauber.
Auch Radlern soll der Winterdienst der Stadt zugutekommen. An Tagen wie diesen bleibt es jedoch häufig bei der Theorie.
Fotos:
Michael Gründel
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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