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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Sieht aus wie Beton-Transitstrecke Berlin″
Zwischenüberschrift:
Johannisstraßen-Planung stößt bei einigen Ratspolitikern auf Entsetzen / Mehrheit stimmt dafür
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Auf den bevorstehenden Ausbau der Johannisstraße setzen Anwohner und Geschäftsleute große Hoffnungen. Aber im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt stießen die ersten Ansichten nicht auf ungeteilte Zustimmung. Immerhin wurde mehrheitlich festgelegt, wie die Gehwege links und rechts zu pflastern sind.
Im September 2021 soll der Neubau für den 300 Meter langen Abschnitt zwischen Neumarkt und Süsterstraße beginnen. So hat es der Rat beschlossen und im Dezember auch das Geld dafür freigegeben. Damit ist die Entscheidung gefallen, mit der Neugestaltung der Johannisstraße zu beginnen, ohne abzuwarten, wie der Neumarkt in Zukunft aussehen wird. Dort gibt es immer noch keine Klarheit, ob der Wettbewerbsentwurf mit dem Streifenbeton umgesetzt werden kann oder nicht.
Weil die Busse weiterhin durch die Johannisstraße rollen sollen, haben sich die Planer von der Idee einer durchgehenden Pflasterung verabschiedet. Der aktuelle Entwurf sieht stattdessen eine strapazierfähige Fahrbahn mit zwei Seitenstreifen vor.
Im Ausschuss ging es nun eigentlich nur um die Frage, welches Muster gelegt werden soll. In die engere Wahl hatten die Fachleute den Ellenbogenverband″, den Reihenverband″ und den wilden Verband″ genommen. Um den Politikern die Entscheidung zu erleichtern, präsentierte Dirk Ohde vom Fachdienst Geodaten Simulationen der verschiedenen Betonsteinpflastervarianten.
Die Blicke der Ausschussmitglieder fielen aber zuerst einmal auf das, was gar nicht zu beschließen war die graue Fläche zwischen den beiden Seitenstreifen. Von offizieller Seite wollte zwar niemand das Wort Fahrbahn″ in den Mund nehmen, aber in diesem Augenblick wurde vielen klar, dass die Johannisstraße mit der Neugestaltung nicht nur eine andere Oberfläche, sondern auch einen etwas anderen Charakter bekommen wird.
Das ganze Konzept ist ja schrecklich!″, meinte der Grünen-Ratsherr Michael Kopatz, denn es komme einer Ausladung von Fußgängern″ gleich. Es sei doch schade, dass der Ausschuss sich auf diese Entscheidung reduzieren lässt″, bedauerte Jens Meier, der dem Gremium als hinzugewähltes Mitglied für die Grünen angehört. Die Straße sehe aus wie Beton-Transitstrecke Berlin″.
Etwas vorsichtiger drückte sich Wulf-Siegmar Mierke von der UWG aus: Manche würden das als Betonwüste empfinden″, sorgte er sich und stellte die Frage, wie man da Farbe reinbringen″ könnte was andere Ausschussmitglieder angesichts des Beton-Problems am Rosenplatz zu heftigem Kopfschütteln veranlasste.
Unzufrieden über die Gestaltung äußerte sich auch Oliver Hasskamp (FDP). Das mäuschengraue″ Erscheinungsbild sei aber letztlich die Folge einer Fehlentscheidung, meinte er an die Adresse der Grünen. Sie und andere hätten durchgesetzt, dass die Busse weiterhin durch die Johannisstraße fahren. Die Liberalen hätten dagegen eine Reduzierung gefordert. So einer Planung könne seine Fraktion nicht zustimmen, kündigte Hasskamp an.
Für die große Mehrheit im Ausschuss war aber klar, dass der eingeschlagene Weg weiterverfolgt werden soll. Der Wunsch aus der Bevölkerung nach einer baldigen Neugestaltung sei groß, konstatierte Marius Keite für die CDU: Es ist wichtig, dass die Johannisstraße eine baldige Aufwertung erfährt″. Bei der Planung habe die Belastbarkeit für den Busverkehr eine entscheidende Rolle gespielt, und der Entwurf werde diesem Ziel gerecht: Das ist doch eine belastbare Planung″, meinte er.
Für die konsequente Umsetzung der nächsten Schritte sprach sich auch der SPD-Politiker Heiko Panzer aus. Alle anderen Entscheidungen seien doch schon getroffen. Es gebe ein klares Votum, dass der Busverkehr in der Johannisstraße bleibe und dass die Planung vom Neumarkt abgekoppelt werde. Jetzt komme es darauf an, den lähmenden Zustand″ zu beenden und die Straße in einen funktionsfähigen Zustand zu bringen.
Bei der Gestaltung des Straßenprofils haben die Planer Wert auf Barrierefreiheit gelegt. Im mittleren Abschnitt und an der Johanniskirche wollen sie den Bordstein für Rollatoren und Rollstühle komplett absenken. Für die Randeinfassung der Fahrbahn soll eine sogenannte Köhler-Bordrinne aus hoch belastbarem Beton verwendet werden, die mit einem Höhenunterschied von drei Zentimetern als Kompromiss für geh- und sehbehinderte Menschen angesehen wird.
Zum künftigen Straßenbild sollen an Seilen aufgehängte Leuchten gehören, außerdem zwei neue Bäume in Höhe des Hotels, das auf dem früheren Sinn-Leffers-Gelände entsteht. Für die Einfassung der Beete sind hochwertige Betonfertigteile″ vorgesehen, wie es in der Vorlage für den Ausschuss heißt.
Am Ende musste nur noch über den Fugenverband des Betonsteinpflasters auf den Seitenflächen abgestimmt werden. Die Ratsmitglieder von CDU und SPD hoben ihre Hände für den Reihenverband, die von den Grünen, der FDP und der Linken lehnten ab meinten aber wohl die gesamte Planung.

Bildtexte:
So könnte die Johannisstraße nach der Umgestaltung aussehen. In dieser Visualisierung kommt es vor allem auf das Gehwegpflaster an, das im sogenannten Reihenverband verlegt ist.
So soll das Profil für die Johannisstraße außerhalb der Bushaltestellen aussehen.
Fotomontagen:
Stadt Osnabrück/ Planungsbüro Hahm

Kommentar
Augen zu und durch?

Es muss schnell gehen in der Johannisstraße, das haben alle so gewollt die Anlieger, der Oberbürgermeister und der Rat. Ein ehrgeiziger Zeitplan wurde aufgestellt, und der setzt die Planer unter enormen Druck. Jetzt tauchen Zweifel auf, ob es so klug war, die Johannisstraße von der Neumarkt-Gestaltung abzukoppeln.
Begeisterung kam nicht auf, als die Ratsmitglieder im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt jetzt zu sehen bekamen, was die Verwaltung da in ihrem Auftrag und nach ihren Vorgaben ausgebrütet hat. Schon Mitte Dezember wurde ein Straßenprofil festgelegt, das den Abschied von der Fußgängerzone markiert. Links und rechts Gehwege, in der Mitte Busse. Eine ganz normale Straße eben, nur ohne Autos. Der Rat nahm das Konzept zustimmend zur Kenntnis, wie es im Protokoll vermerkt ist. Denn, wie gesagt, es sollte ja schnell gehen.
Wegen dieser Eile wurde in Kauf genommen, dass es keine einheitliche Gestaltung für den Neumarkt und die Johannisstraße gibt. Weil immer noch nicht geklärt ist, ob der Streifenbeton die Belastung der Busse aushält, ist die Neumarkt-Planung in die Endlosschleife geraten. Und die Stadt hat sich in eine Zwickmühle manövriert, weil die Anlieger der Johannisstraße Taten sehen wollen.
Und nun? Augen zu und durch″ kann nicht die Lösung sein. Es wäre wohl besser, wenn die Verantwortlichen sich sammeln, einen Schritt zurücktreten und sich fragen, ob das, was da gerade läuft, wirklich im Gesamtinteresse der Stadt ist.

rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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