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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Weg frei für die Fische an der Hase
 
Barrierefrei nicht nur für Fische
Zwischenüberschrift:
Bypass für die Osnabrücker Hase soll jetzt konkret werden
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Für Fische ist die Hase in Osnabrück ein schweres Durchkommen. Die Wehre bis auf Ausnahme an der Neuen Mühle sind unüberwindbar. Doch das soll sich ändern: Die Hase soll barrierefrei werden, hat sich die Stadt vorgenommen. Damit verbunden sind allerdings aufwendige Arbeiten. Allein für eine Umflut an der alten Stadtmauer als Bypass für die Fische zur Umgehung des Wehrs an der Pernickelmühle wird der bislang noch asphaltierte Platz unterhalb des Herrenteichswalls benötigt.
Das bedeutet, dass dort 18 bislang existierende Parkplätze gegenüber der Domschule wegfallen könnten. Billig ist solch eine umfassende Planung natürlich nicht, weshalb das Unterfangen abhängig von Fördertöpfen ist. Welche Art von Zuschüssen zu erwarten ist, steht allerdings noch aus.

Osnabrück Für Flussneunaugen, Rotfedern oder Krebse soll das Wehr an der Pernickelmühle keine Barriere mehr sein. Deshalb will die Stadt an der alten Stadtmauer eine Umflut bauen und damit auch den Herrenteichswall aufwerten. Doch die Planung ist in Verzug geraten. Jetzt stellt sich die Frage, ob die Zuschüsse noch fließen können.
Nach der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union sollen alle Fließgewässer in einen guten Zustand″ versetzt werden. Dazu gehört, dass sie für Fische und andere Wasserlebewesen in beiden Richtungen passierbar sind. Die Osnabrücker Hase hat in dieser Hinsicht noch Nachholbedarf. An der Neuen Mühle wurde zwar mit dem Borstenfischpass die Durchgängigkeit wiederhergestellt, doch die Wehre an der Pernickelmühle und an der Papierfabrik Kämmerer stellen immer noch unüberwindbare Hindernisse dar.

Nach altem Vorbild

Mit einem Zuschuss der EU soll der Hase zumindest am Herrenteichswall ihre Barrierewirkung genommen werden, sodass auch Hechte oder Bachflohkrebse flussaufwärts gelangen können. Aufgestaut wird die Hase, um historische Gebäude in der Altstadt zu schützen. Ein niedrigerer Pegel würde sich auf das Grundwasser auswirken mit der Folge, dass sich die Häuser setzen″ könnten.
Um Fischen und anderen Kreaturen den Weg nach oben zu ermöglichen, soll die Hase am Herrenteichswall einen Bypass bekommen, der einem alten Vorbild nachempfunden ist. Die Planer berufen sich auf eine Abbildung aus dem Jahr 1802. Sie zeigt einen Arm der Hase, der außerhalb der Stadtmauer von der damals noch existierenden Herrenteichsmühle bis zur Vitischanze verlief.
Am Haarmannsbrunnen soll eine Röhre unter der alten Stadtmauer hindurch gebohrt werden, um einen Teil des Hasewassers in einen drei Meter breiten Graben auf der östlichen Seite zu leiten. Die Umflut führt dann durch einen zweiten Durchstich zum Wehr am Pernickelturm. Dort soll die Fischaufstiegsanlage, das Kernstück des Projekts, entstehen in diesem denkmalgeschützten Ambiente eine Herausforderung für die Planer.
Um die Fläche für die Neben-Hase zu entsiegeln, müssten nach dem bisherigen Stand der Planung 18 Parkplätze gegenüber der Domschule aufgegeben werden. Das würde auch zu Mindereinnahmen für die Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft führen. Vom Fachbereich Umwelt und Naturschutz wird argumentiert, dass mit der Hase-Umflut das gesamte Umfeld zum Positiven verändert werde nicht nur für die Natur, sondern auch für die Menschen, die den Herrenteichswall für ihre Spaziergänge nutzen.

Suche nach Fördertöpfen

Das Projekt ist allerdings so teuer, dass die Stadt es wohl nur verfolgt, weil Fördertöpfe der Europäischen Union winken. 2018 hätte die Stadt noch Chancen gehabt, 90 Prozent der Kosten aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) finanzieren zu können. Doch damals waren die Pläne und Kostenrechnungen noch nicht präzise genug für eine Antragstellung.
Ein Jahr später lag eine Kostenkalkulation vor, die das Bauvorhaben auf 3, 6 Millionen Euro taxierte. Trotz dieser Höhe beschloss der Rat am 30. April 2019 einstimmig, die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit der Hase im Bereich des Pernickelwehrs und des Herrenteichswalls″ auf den Weg zu bringen. Damit wurde die Verwaltung beauftragt, die entsprechenden Unterlagen von einem Ingenieurbüro erarbeiten zu lassen. Allerdings war der zuständige Fachbereich Geodaten und Verkehrsanlagen offensichtlich wegen anderer Projekte so überlastet, dass dieser Auftrag bislang nicht vergeben wurde.
Wir haben beim Presseamt nach dem Stand der Dinge gefragt. Die Vorplanung sei abgeschlossen, lautete die Antwort, die weiteren Planungsschritte seien in Arbeit. Im nächsten Schritt solle wie vom Rat gefordert ein Ingenieurbüro beauftragt werden, um sich der Ausführungsplanung, der Ausschreibung und der Tragwerksplanung zu widmen. Zurzeit werde eine entsprechende Aufforderung zur Angebotsabgabe erarbeitet. Noch im Frühjahr″ solle der Auftrag an ein Ingenieurbüro vergeben werden, sodass in der zweiten Jahreshälfte mit der Suche nach einem passenden Fördertopf begonnen werden kann″.
Inzwischen sind die in Aussicht gestellten Gelder aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds zwar in andere Projekte geflossen, aber Mike Bohne, der Leiter des Fachbereichs Geodaten und Verkehrsanlagen, ist zuversichtlich, dass die Stadt weiterhin großzügige Zuschüsse akquirieren kann. So würden die verschiedenen Fördertöpfe immer wieder neu aufgelegt, allerdings häufig mit variierenden Förderszenarien und unterschiedlichen Anforderungen und Auflagen an den Antragssteller″. Ein konkreter Antrag könne erst gestellt werden, wenn die Planungen die nächste Stufe erreicht hätten.

Bildtexte:
Für die Fische ein unüberwindbares Hindernis: das Wehr an der Pernickelmühle.
Demnächst soll der Asphalt für den Hase-Bypass aufgerissen werden: Dass auf dem Parkstreifen am Herrenteichswall (rechts) gerade kein Auto steht, liegt wohl an der Corona-Krise.
Eine Umflut für die Fische (rot) soll die Hase am Herrenteichswall bekommen.
Fotos:
Michael Gründel
Grafik:
NOZ
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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