User Online: 1 | Timeout: 15:34Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Als in Osnabrück die Lichter ausgingen
Zwischenüberschrift:
Vor 100 Jahren: Gedenken an die Reichsgründung 1871 im Osnabrück des Jahres 1921 eine Frage der Haltung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Der 150. Jahrestag der Reichsgründung mit der Kaiser-Proklamation am 18. Januar 1871 ist in diesem Jahr bemerkenswert wenig beachtet worden. Vor 100 Jahren aber genießt der damalige 50. Jahrestag der Gründung des Zweiten Deutschen Reiches ein ungleich stärkeres öffentliches Echo. Allerdings warnt der preußische Unterrichtsminister auch damals schon vor politischer Inanspruchnahme, denn der Gedenktag ist hoch umstritten.

Offiziell keine Verherrlichung des Kaiserreichs: Jede Ausnutzung der Feier zu parteipolitischen Zwecken, insbesondere zur Verherrlichung der früheren Staatsform, ist [...] unbedingt zu unterlassen″, heißt es in dem Erlass, der 1921 die Würdigung der Reichsgründung in den Schulen regelt. Es gibt in Osnabrück auch keine zentrale städtische Veranstaltung.
Von alledem lassen sich einige gesellschaftliche Gruppierungen aber nicht beeindrucken. Die rechts von der Mitte angesiedelten politischen Parteien, die Kriegervereine und ein Zusammenschluss aller vaterländisch gesinnten Akademikerverbindungen″ laden zu je eigenen, teils pompösen Gedenkfeiern ein. Die DVP tagt im Saal des Arbeiterbildungsvereins am Schlosswall, die DNVP im Evangelischen Vereinshaus in der Seminarstraße, die Vereinigung der Kriegervereine in der Stadthalle und der Akademiker-Kommers im Großen Klub.

Inoffiziell Hurra-Patriotismus der alten Art: Die Deutsche Volkspartei (DVP) etwa kündigt Musikvorträge, Deklamationen ernster Dichtungen″, Volkstänze und lebende Bilder zum Vaterlandsliede″ an. Nach dem verlorenen Krieg sei der Fortbestand des Reiches ein Trost im Unglück gewesen, zitiert das Osnabrücker Tageblatt″ den Festredner der DVP, aber jetzt drohe seine Zerstückelung durch die Habgier unserer unersättlichen Feinde″. Ein nationaler Feiertag müsse sich stützen können auf eine große Tat, das aber könnten weder der 1. Mai noch der 8. November, die immer nur Partei-Feiertage geblieben seien. Aber dem 18. Januar müssten doch alle, auch die Linksparteien, zustimmen, weil durch die Reichsgründung die sicherste Grundlage für das Emporblühen deutscher Arbeit geschaffen worden sei. Der 18. Januar sei ein Tag der Erhebung und Erbauung″, ein Tag des Gedenkens an den genialen Baumeister des Reiches″, der vor 50 Jahren die deutschen Stämme mit Blut und Eisen zusammengeschmiedet″ habe. Stolz dürfe das deutsche Volk auch heute noch sein, ein Volk, das 75 Prozent aller Erfindungen der Erden gemacht, die Wissenschaft und Technik der ganzen Welt befruchtet″ habe, wie es voller Selbstherrlichkeit heißt.
Zum Schluss werden unter Absingen des Deutschland-Liedes noch drei lebende Bilder dargestellt: Hermann der Cherusker, die Germania vom Niederwald-Denkmal und endlich Bismarck als des Deutschen Reiches Waffenschmied″. Die Deutsch-Nationale Volkspartei (DNVP) wird auf ihrer Kundgebung noch deutlicher: Gebt uns einen Führer, einen großen Mann, und wir werden alle folgen.″

Fahr- und Reitschule Süsterstraße eröffnet: Das Landgestüt in Eversburg befindet sich im Planungsstadium. Auf dem Weg dorthin gibt es jetzt einen Zwischenschritt: Die Osnabrücker Fahr- und Reitschule eGmbH wird gegründet. Dafür hat man das ehemalige Wolbrandt′sche Reitinstitut in der Süsterstraße modernisiert. Männer mit klangvollen Namen gehören zum Vorstand, etwa Fabrikant Rawie, Georg Wolf vom Gut Nette und Freiherr von dem Bussche-Hünnefeld. Zur Verschönerung der Eröffnungsfeier zeigt Reichswehr-Rittmeister Buhle in der Reitbahn das Fahren mit einer Coache″.

Franz Stumpf stirbt: Der einflussreiche und geachtete Industriemanager Franz Stumpf ist gestorben. Er wurde 80 Jahre alt. Er war als Generalsekretär des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins die rechte Hand von Generaldirektor August Haarmann und übte dazu 44 Jahre lang das Amt des ersten Sekretärs der Handelskammer aus. Seine wirtschaftspolitischen Aufsätze fanden auch in Berlin Beachtung. Den Trauerzug am 11. Januar vom Handelskammergebäude an der Schlagvorderstraße 17 zum Friedhof begleiten die Spitzen der Osnabrücker Wirtschaft und des Magistrats mit Oberbürgermeister Julius Rißmüller vorneweg.

Keine Kohlen, kein Strom: Zu Beginn des Jahres streiken die Bergarbeiter in Ibbenbüren. Bei der allgemeinen Kohleknappheit hat das Auswirkungen auf die Leistung des Elektrizitätswerks. Wie die Niedersächsische Kraftwerke AG (Nike) mitteilt, kann sie nur die Versorgung mit Lichtstrom aufrechterhalten, nicht jedoch die mit Kraftstrom. Betriebe, die dennoch versuchen, ihre Maschinen mit Kraftstrom anlaufen zu lassen, werden ohne Vorwarnung vom Netz getrennt.

Die Laternenfrage″: Der Kohlemangel hat auch Auswirkungen auf die Straßenbeleuchtung. Die städtischen Kollegien befassen sich mit einem Antrag, der eine Erhöhung der Sicherheit durch mehr Straßenlaternen wie auch erhöhte Polizeipräsenz zum Ziel hat. Einbrüche und Raubüberfälle im Schutz der Dunkelheit hätten in den letzten Wochen eine nie gekannte Häufigkeit gezeigt, begründet Senator van Deventer den Vorstoß. Betriebsdirektor Schwers verweist auf die Knappheit und schlechte Qualität der Kohlen. An den Vorkriegszustand von 450 leuchtenden Laternen im Stadtgebiet sei vorläufig nicht zu denken.
Osnabrück sei eine der am schlechtesten beleuchteten Städte reichsweit, stellt Bürgervorsteher Bubert fest. Notwendig sei auch eine bessere Beleuchtung der Außenviertel, etwa an der Meller und der Iburger Straße, sei doch zum Beispiel bei einem Kaufmann an der Meller Straße kurz hintereinander dreimal eingebrochen worden. Schwers betont, dass es keine Bevorzugungen gewisser Stadtbezirke gebe. Meller Straße und Schinkel würden genauso behandelt wie der Westerberg.

Die Kasernenfrage″: Derzeit verfügt die Stadt über 93 Polizeibeamte, von denen aber aus verschiedensten Gründen nur ständig acht auf Streife gehen können. Durch die bevorstehende Verstaatlichung der Kommunalpolizei ist die Aufstockung ins Stocken geraten. Es gebe aber die Zusage des Staates, berichtet Stadtsyndikus Reimerdes, kurzfristig zwei Hundertschaften Sicherheitspolizei mit 280 Mann zu überstellen. Doch hier geselle sich nun zur Laternenfrage″ auch die Kasernenfrage″: Die Sipo müsse kaserniert untergebracht werden. Und das scheitere daran, dass die Reichswehr alle Kasernengebäude belegt hält. Sollten sie nicht alsbald in Teilen freigegeben werden, so müsse man ein energisches Wort an den maßgebenden Stellen vorbringen, fordert Bürgervorsteher Dr. Böger.

Begräbnis erster Klasse wird teurer: Ohne große Diskussion wird eine Erhöhung der Gebühren für die Leichenführer beschlossen. Bestattungen erster Klasse sollen von 12 auf 24 Mark, in der zweiten Klasse von 8 auf 12 Mark erhöht werden. In der dritten Klasse soll der Satz von 4 Mark bestehen bleiben. Der Satz für das Ansagen von Todesfällen in der Nachbarschaft steigt von 4 auf 6 Mark. Die Gebühren für die Bespannung der Leichenwagen klettern in der ersten Klasse auf 50 Mark, in der zweiten auf 35 Mark und bei Kinder-Leichenwagen auf 45 Mark.

Straßenunterhaltung mit Asche: Ein Leser des Tageblatts″ beschwert sich über den Zustand der Sutthauser Straße zwischen Wörthstraße und Kesselschmiede. Jahrelang seien hier keine Vertiefungen ausgebessert worden. Noch schlimmer sehe es in den Seitenstraßen aus. Ich bitte hierdurch die Behörde, vor allen Dingen die Seitenstraßen durch einige Fuder Asche wieder gangbar zu machen, da man sonst bei Regenwetter das Haus nicht trockenen Fußes erreichen kann″, schreibt er.

Eisenbahn verklagt: Durch die Erweiterung des Gleisfeldes an der Bremer Straße und speziell durch das neue Gleis, das zu der Bekohlungsanlage führt, halten dort häufig Lokomotiven, durch deren Rauch sich der Gärtner Sch. auf dem benachbarten Grundstück arg belästigt fühlt. Er hat Unterlassungsklage gegen den Eisenbahnfiskus erhoben und fordert Schadenersatz. Der Fiskus lehnt ab, das seien nun einmal die typischen Emissionen des Eisenbahnbetriebs. Das Landgericht Osnabrück hat den Eisenbahnfiskus dennoch zum Schadenersatz verurteilt, die Unterlassungsklage aber abgewiesen. Das Urteil ist nun auch vom OLG Celle bestätigt worden. Schadenersatz sei zu leisten, weil neben dem Rauch auch Rußpartikel in erheblichem Umfang auf das Nachbargrundstück fliegen und die Pflanzen des Gärtners schädigen. Hierbei handle es sich nicht um eine gewöhnliche Einwirkung des Eisenbahnbetriebs, welche der Kläger als unvermeidlich sich gefallen lassen müsse, sondern um einen ungewöhnlichen, konzentrierten Betrieb an einer einzelnen Stelle.

Bildtexte:
Die Süsterstraße ging vor hundert Jahren nur bis zur Kommenderiestraße. Die Durchlegung bis zum Wall erfolgte erst 1927, wofür das Haus im Hintergrund weichen musste. Das Lichtenberg-Foto aus dem Jahr 1900 zeigt den beginnenden Umbau der Wolbrandtschen Reitbahn, Süsterstraße 5. Die senkrechten Gerüststangen dafür sind gesetzt. Vor hundert Jahren wurde hier die Osnabrücker Fahr- und Reitschule eGmbH″ eröffnet.
Franz Stumpf, vielgeachteter Industriemanager, starb am 6. Januar 1921.
Fotos:
Rudolf Lichtenberg, Archiv Ilsetraut Lindemann
Autor:
Joachim Dierks


Anfang der Liste Ende der Liste