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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Adventsbeleuchtung anno 1953
Zwischenüberschrift:
Vor knapp 60 Jahren war der vorweihnachtliche Lichterschmuck noch überschaubar
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Aufgeständerte Lichterketten mit nackten Glühbirnen, jeder dritte Pfahl mit Tannengrün umwickelt das war die Weihnachtsdekoration in Osnabrücks Haupteinkaufsstraße vor 59 Jahren. Erlebnis-Shopping war noch kein Thema, die Konsumverlockungen hielten sich in Grenzen. Wozu auch? Die meisten Osnabrücker hatten kein Geld, um sich mehr als das Lebensnotwendige anzuschaffen.

Farbfotos der soeben notdürftig wiederaufgebauten Stadt sind rar. Wir verdanken das historische Foto aus dem Advent 1953 der Tatsache, dass der damals 23-jährige Hobbyfotograf Hugo Mittelberg ausprobieren wollte, wie seine neue Leica-Kleinbildkamera mit Nachtaufnahmen fertig wird. Dafür verwendete er einen Farb-Umkehrfilm. 13, 50 DM kostete der damals, das weiß ich noch wie heute. Da musste jeder Schuss sitzen″, so der pensionierte Vermessungstechniker. 13, 50 DM für 36 Aufnahmen waren nach damaligen Kaufkraftverhältnissen so viel, wie heute eine gute Kamera kosten würde.
Mittelberg erinnert sich, das Foto kurz nach Geschäftsschluss gemacht zu haben. Ob er dabei lange gewartet hat, bis eine Verkehrspause eintrat? Nein, es gab keinen Verkehr. Die Szene ist nicht gestellt. Diese Leere war typisch.″ Die Leute hätten keine Muße zum Schaufensterbummeln gehabt, jedenfalls nicht zur Abendbrot-Zeit in der Woche.
Dabei gab es durchaus auch schon etwas zu sehen. Das Kunstgewerbehaus Carl Schäffer, vorn rechts, zeigte im Eck-Schaufenster traditionell Porzellan-Gedecke der bekannten Manufakturen. Im nächsten Schaufenster links daneben glaubt die heutige Geschäftsführerin Vanessa Waldvogel die damal stypische Dekoration für Erzgebirgskunst zu erkennen.
Das Geschäftshaus war gerade auf die alte Höhe von vier Geschossen aufgestockt und neu eröffnet worden. An der Fassadenfläche über dem Parkverbotsschild kann man noch den rohen Beton erkennen, Putz und Leuchtreklame kamen erst später. Aber im Innern glänzte die Warenfülle wie in Vorkriegstagen. Die erste Neuauflage der Ausstellung Der gedeckte Tisch″ ließ die Kundschaft nach den entbehrungsreichen Jahren der Not staunen, wie man mit Geschirr, Bestecken, Gläsern und passender Tischwäsche festliche Tafeln zaubern kann. Unter den 30 beispielhaft dekorierten Tischen fanden sich nicht nur solche für große Familienfeste, sondern auch Tafeln für den Stammtisch″, für eine Jagdgesellschaft″, für Vaters Weintag″ und für einen Strohwitwer″.
Das Haus Schäffer mag beispielhaft für viele Osnabrücker Innenstadt-Geschäfte stehen: Viermal schlugen ab 1942 die Bomben ein und zerstörten jedes Mal aufs Neue das, was zwischendurch an provisorischem Geschäftsbetrieb wieder zusammengeflickt worden war, bis dann Palmsonntag 1945 endgültig alles vernichtet wurde. Inhaberin Tekla Schäffer gab nicht auf. Noch im Jahr 1945 begann unter den Augen der britischen Besatzungsmacht der Verkauf in einer Baracke. 1949 nahm das Erdgeschoss des Neubaus Gestalt an in Baufluchten sowohl zum Nikolaiort wie auch zur Großen Straße hin. Denn die Stadt hatte beschlossen, Straßen und Plätze breiter und damit verkehrsgerechter zu machen. Am unterschiedlichen Fahrbahnpflaster kann man noch den alten Bordstein-Verlauf ablesen.
Links neben Schäffer schließen sich die Schaufenster des Textilhauses Kurtz an, das 1953 in vierter Generation von Walter Kurtz geführt wurde. Kurtz war eine bedeutende Persönlichkeit des Osnabrücker Einzelhandels, dessen Name mit leitenden Positionen im Einzelhandelsverband, in der IHK und im Verkehrsverein VVO verbunden ist. Wie Stadtmarketing″ damals aussah, bewies er, wenn er mit dem bunt bemalten VVO-Bulli in die Niederlande fuhr, um die Nachbarn als Gäste in die Hasestadt zu holen. Er musste dabei diplomatisches Geschick beweisen, denn das deutsch-holländische Verhältnis war noch vom Krieg belastet. Heute leitet Nina Kurtz in sechster Generation das Geschäft, das sich auf Dessous und Bademoden in den Obergeschossen des Hauses konzentriert hat, während die Flächen im Erdgeschoss an Filialisten vermietet sind.

Bildtexte:
Blick in die Große Straße vom Nikolaiort aus im Advent 1953. Rechts das Kunstgewerbehaus Carl Schäffer, dahinter das Textilhaus Kurtz.
Heute Fußgängerbereich: Adventsshopping in der Eins-a-Lage Große Straße.
Fotos:
Hugo Mittelberg, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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