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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zahlreiche Bomben entschärft
Zwischenüberschrift:
Rückblick auf Zeit seit 2016
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Wegen einer Bombenentschärfung mussten am 11. Januar 2021 mehr als 4000 Osnabrücker im Stadtteil Widukindland in Sicherheit gebracht werden. In Osnabrück wird regelmäßig nach alten Blindgängern gefahndet. Wo und wann in den vergangenen Jahren Bomben entschärft und Anwohner evakuiert wurden, zeigt unsere Übersicht.
Jürgen Wiethäuper hat für die Stadt Osnabrück schon etliche Einsätze zur Bombenräumung begleitet. Der Fachdienstleiter für die Bereiche Sicherheit und Ordnung war auch entscheidend an der Organisation der schnellen Evakuierung am 11. Januar 2021 im Stadtteil Widukindland beteiligt.
4200 Anwohner aus dem Gebiet eines 1000 Meter umfassenden Radius rund um den Ickerweg hatten vorsorglich ihre Häuser verlassen müssen. Die Einsatzkräfte hatten zum Teil große Mühe, die Bewohner der betroffenen Haushalte in Sicherheit zu bringen. Einige weigerten sich bis zuletzt, glaubten nicht an eine Gefährdung. Erst unter Androhung von Zwangsmitteln konnte die Polizei das Gelände am Abend für das Bombenentschärfungsteam freigeben.

Immer weniger Funde

Die jüngste Bombenentschärfung war die erste seit knapp einem Jahr. Das sei erfreulich, sagt Jürgen Wiethäuper und erinnert sich im gleichen Atemzug dennoch: Das war nicht immer so. Im Jahr 2000 sind wir fast alle zwei Wochen auf einen Blindgänger aus den beiden Weltkriegen gestoßen″, erzählt er. Das habe vor allem an einer fahrlässigen Aktenvernichtung gelegen. Sowohl in den Archiven des in Hannover ansässigen Kampfmittelräumdienstes als auch in der damaligen Abteilung in Osnabrück seien noch bis in die Neunzigerjahre hinein Akten zu bereits geräumten Gebieten entsorgt worden. Man dachte offenbar damals, das sei es schon gewesen″, erinnert sich Wiethäuper.
Noch bis über die Jahrtausendwende hinaus habe sich dieses Vorgehen gerächt in der Folge habe sich die Speicherung der Daten allerdings grundlegend verändert. Heute nutzt die Stadt Osnabrück eine moderne Technologie zum Aufspüren potenziell gefährlicher alter Sprengkörper. Der Fachdienst für Geodaten entwickelte eine Software, die alle wichtigen Daten miteinander verbindet.
Die Daten können sogar mobil vom Fachbereichsleiter am Einsatzort abgerufen werden. Wiethäuper spricht im Zuge dessen von einer enormen Erleichterung: Wir mussten vor Einsätzen früher Karten ausdrucken, mit dem Zirkel einen Kreis ziehen und mit einem Edding eine Linie malen.″ Dank der Software, die seit 2015 im Gebrauch ist, stünden ihm viel mehr Informationen auf einmal zur Verfügung.

Neue Software hilft

Wiethäuper erzählt: Ich kann sofort erkennen, ob in der Nähe etwa eine Schule, eine Kirche oder Krankenhäuser sind. Auch die Strominfrastruktur lässt sich gleich mit anzeigen.″ Außerdem könnten Anwohner zusätzlich über soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook über anstehende Evakuierungen informiert werden. Dem Fachdienstleiter zufolge hat sich die Software insbesondere bei Akutlagen als Gewinn erwiesen, weil der Stadtverwaltung schlicht die Zeit dafür fehlt, solche zusätzlichen Informationen zu beschaffen, wenn es schnell gehen muss. Damit sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, wurden in dem System inzwischen auch Daten für bereits durchgeführte Bombenräumungen hinterlegt. Dabei hatten Wiethäuper und seinem Team zum Teil nur Fragmentdaten zur Verfügung gestanden, aus denen ein großes Puzzle zusammengesetzt werden musste, wie der Fachbereich für Sicherheit und Ordnung mitteilte.
Jürgen Wiethäupers Abteilung arbeitet neben dem Kampfmittelräumdienst in Hannover auch zusätzlich mit externen Dienstleistern zusammen. Datenbanken wie die NCAP im schottischen Edinburgh oder die Luftbilddatenbank Dr. Carls in Bayern liefern den Bundesländern auf Anfrage sowohl Luftaufnahmen als auch Gutachten.
Seit etwa fünf Jahren gibt es in Osnabrück weniger Bombenfunde. Allein im Jahr 2015 hatte es noch sieben Entschärfungen gegeben. Dennoch mussten seit 2016 bis zur Evakuierung am 11. Januar 2021 knapp 40 000 Osnabrücker in Sicherheit gebracht werden. Manchmal fielen sogar zwei Evakuierungen auf einen Tag. Wo in Osnabrück in den vergangenen Jahren Bomben gefunden wurden, zeigt unsere Übersicht.

Bildtext:
Der Fachdienstleiter für Sicherheit und Ordnung der Stadt Osnabrück, Jürgen Wiethäuper, weiß, wo es langgeht.
Foto:
Archiv/ David Ebener
Autor:
Daniel Batel


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