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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Staubfresser mit Ärmelschonern?
Zwischenüberschrift:
150 Jahre Landesarchiv Osnabrück stellt zum Jubiläum Tagungsband vor
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Ich versetze Sie ins Archiv! Diese Drohung soll der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth einem allzu querdenkenden Ministerialbeamten gegenüber ausgestoßen haben. Generell kommen Archiv″ und Archivar″ im öffentlichen Bewusstsein nicht sehr gut weg, rufen Assoziationen wie trist″, langweilig″ und verstaubt″ hervor. Wo man das alles nachlesen kann? Ausgerechnet im Tagungsband (H) Ort der Geschichte″ zum 150-jährigen Bestehen des Landesarchivs am Standort Osnabrück.
In einem Schlüsselroman des Regierungssprechers Manfred Zach schreibt dieser über seinen Chef Lothar Späth: Archive galten ihm als Inbegriff der Nutzlosigkeit. Lauter totes gestapeltes Wissen. Und bleiche, spitznasige Gesellen. Die den Muff verwalten, mit Ärmelschonern und gebeugtem Nacken.″ Autor Thomas Brakmann hat für seinen Aufsatz einen Streifzug durch die Literaturgeschichte der letzten 300 Jahre unternommen und zahlreiche ähnliche Belege für all die Klischees gefunden, die mit der Arbeit des Archivars verbunden werden.
Nicht ohne Selbstironie breitet der neue Leiter des Standorts Osnabrück des Niedersächsischen Landesarchivs (NLA OS) Zitate wie diese aus: Eine Edel-Mülltonne, die im Keller untergebracht ist″, kontrolliert von einem Totengräber der Vergangenheit″; Langeweile, vermodernde Aktenstöße, dunkle und stickige Räume. Und mittendrin ein dürres, altes Männlein mit Buckel oder zumindest gekrümmtem Rücken.″
Oder dieses hier: Sam, was ist mit Dir geschehen? Archiv? Sam, Du warst doch immer einer der Klügsten. Sam, lass es Dir von einem Freund sagen: In Deinem Leben läuft etwas falsch. Ich meine, das Archiv ist eine absolute Sackgasse.″
Für den portugiesischen Literatur-Nobelpreisträger José Saramago ist das Archiv ein Ort labyrinthischer Katakomben″, in dem zuweilen Forscher erst nach Tagen wiedergefunden werden, völlig dehydriert und entkräftet.
Natürlich lassen Thomas Brakmann und seine Mitherausgeber aus dem Leitungskreis des NLA, Isabelle Guerreau und Thorsten Unger, diese Zuschreibungen nicht als die gültigen stehen, sondern halten mit weiteren Referenten jenes Jubiläums-Kolloquiums vom 10. Mai 2019 all das für die Nachwelt fest, was an klugen Gedanken über die Arbeit des Osnabrücker Archivs und seine 150-jährige Geschichte gesagt wurde.
Thorsten Unger beleuchtet die Frage: Wie kommt Geschichte ins Archiv? An praktischen Beispielen zeigt er, wie amtliches und nicht amtliches Schriftgut ausgewählt wird. Wie die Archivbenutzung sich vom Schlossgewölbe ins weltweite Netz″ geöffnet hat, wird von Isabelle Guerreau untersucht. Gegenwart und Zukunft der Archivbenutzung ist das Thema des Beitrags von Stephanie Haberer, wobei sie einen Schwerpunkt auf den virtuellen Lesesaal″ legt, nämlich auf die digitale Nutzung über das Archivinformationssystem Arcinsys. Einen anschaulichen Einstieg in genealogische und hofgeschichtliche Forschungen liefert der Beitrag von Anna Philine Schöpper, ganz nach dem Motto: Das Tor zur Geschichte Ihrer Vorfahren ist nur einen Archivbesuch weit entfernt!
Irmtraud Tiemann geht der Faszination der Familienforschung aus der Sicht der Nutzenden nach im Sinne des Theodor Heuss zugeschriebenen Satzes Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht″. Mit dem Blick auf Archive, Gedenkstätten und die regionale Gestapo-Forschung″ stellt Matthias Gafke ein wichtiges historisches Projekt und die Zusammenarbeit zwischen Archiven und Gedenkstätten vor. Geschichtsprofessor Thomas Vogtherr widmet sich der Entwicklung des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück, des mit dem Archiv eng verbandelten Historischen Vereins.
Dessen aktuelle Vorsitzende ist Birgit Kehne als erste Frau in der 173-jährigen Vereinsgeschichte. Sie war in Personalunion von 2002 bis 2020 Leiterin des NLA OS und wurde in dieser Funktion vor wenigen Wochen in den Ruhestand verabschiedet. Wenn in den letzten Jahrzehnten die Benutzerorientierung des Archivs deutlich zugenommen hat und es keinesfalls mehr um das Aufbewahren um des Aufbewahrens willen geht, so wird diese stärkere Prägung als bürgernahes und offenes Archiv wesentlich Birgit Kehne zugeschrieben. Ihr ist der Tagungsband gewidmet, der im Buchhandel oder direkt beim NLA unter poststelle@ nla.niedersachsen.de erhältlich ist.

Bildtext:
Die Herausgeber des Tagungsbandes zum 150-jährigen Bestehen des Osnabrücker Landesarchivs: Thomas Brakmann, Thorsten Unger und Isabelle Guerreau (von links).
Foto:
NLA OS
Autor:
Joachim Dierks


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