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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Schnepper′sche Tongrube lieferte das Material
Zwischenüberschrift:
Seit 1824 wurde in Hellern getöpfert – Einrichtung ist heute im Museumsdorf Cloppenburg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Eigentlich könnte man auch den Töpferhof oder den Pottbäckerweg in die Überschrift setzen. Alle drei Straßen liegen dicht beisammen und haben eins gemeinsam: Sie erinnern an die Töpferei der Gebrüder Ahaus, die bis 1966 zwischen dem heutigen Gasthaus Zur Spitze″ und dem Spielplatz Töpferstraße angesiedelt war. Der hohe Eichenbaum in der Südwestecke des Spielplatzes war der Hofbaum″ der Töpferei, wie man beim Vergleich mit alten Fotos unschwer feststellen kann.
Die Gebäude am Südabhang des Grieselings wurden in den 1970er-Jahren abgerissen und machten einer verdichteten Wohnbebauung Platz. Die Inneneinrichtung der Töpferwerkstatt und das separat stehende Brennhaus überlebten zum Glück. Sie haben seit 1966/ 67 eine neue Bleibe im Museumsdorf Cloppenburg gefunden.
Seit alters ließen sich Töpfer oder niederdeutsch Pottbäcker″ in der Nähe von Ton vorkommen nieder, um keine weiten Wege für die Gewinnung ihres Ausgangsmaterials zu haben. Dass im hellernschen Boden auch Tonerde steckt, wissen wir spätestens seit der Diskussion um die Schnepper′ sche Tongrube.
Dabei ging es nicht etwa um die Qualität des Tons, sondern um die des Mülls, der im Anschluss an die Ausbeutung des Rohstoffs dort deponiert wurde. Bis in den späten 1960er-Jahren der Begriff Umweltschutz erfunden und zum Thema wurde, versenkte die Stadt dort alle möglichen schadstoffhaltigen Abfälle, die einer Bebauung bis heute im Wege stehen. Der Tongrubenweg, wenige Hundert Meter südlich der Töpferstraße gelegen, markiert den Bereich.
Das Töpferhandwerk im Umfeld der alten Blankenburg (heute Gasthaus Zur Spitze″) ist seit 1824 belegt. Blankenburg-Wirt Bartholomäus Gößmann wird als Fabrikant für Irdenware″ bezeichnet, Töpfermeister Johann Grotjann arbeitet zunächst für ihn, bis er sich in Osnabrück an der Johannismauer selbstständig macht. Nach 1827 löst Töpfer C. W. Finck ihn ab. In Ernst Helmut Segschneiders Standardwerk Das alte Töpferhandwerk im Osnabrücker Land″ ist nachzulesen, dass 1864 als das Gründungsjahr der Töpferei Ahaus anzusehen ist. Denn in diesem Jahr ließ sich der aus Berge stammende Dietrich Ahaus (1826–1900) an der Blankenburg nieder. Er verlegte die Töpferwerkstatt in das ehemalige Schießhaus der Osnabrücker Schützenbruderschaft. Nach Dietrich Ahaus′ Tod führten dessen Söhne Bernhard (1867 bis 1949) und Hermann (1874 bis 1964) den Betrieb fort.
Älteren Bewohnern Hellerns steht das Bild Hermann Ahaus′ als das eines freundlichen alten Herrn mit zum Mittelscheitel geteiltem weißen Haar noch vor Augen. Er war eine Institution in Hellern. Generationen von Schulkindern erklärte er geduldig, wie der Töpfer aus einem Klumpen Ton auf der Töpferscheibe ein Rundgefäß formt und wie der Brandes härtet.
Das Sortiment″ der Töpferei bestand bis zum Zweiten Weltkrieg überwiegend aus Gebrauchsware für die ländliche Umgebung, also Töpfen, Trinkschalen, Terrinen, Kannen und Blumentöpfen. In der letzten Zeit traten kunstgewerbliche Erzeugnisse für städtisch orientierte Käuferschichten wie Bowlengefäße, Tabakdosen, Topfkuchenformen, Vasen oder die beliebten Walzenpfeifen vom Typ Nachtigall″ in den Vordergrund.

Töpfermuseum

Der einzige Sohn von Hermann Ahaus, Hermann junior, fiel 1943 im Krieg. Tochter Hanna Pitor (1919 bis 2012) sah es als sinnvollste Verwendung der kulturhistorisch bedeutsamen Töpferei-Einrichtung an, sie in die Hände des Museumsdorfs Cloppenburg zu geben. Enkelin Ingeborg Herrmann, geborene Pitor, führte zeitweise die Töpfertradition im Töpfereimuseum auf dem Schloss Bad Iburg fort.

Bildtext:
Die Töpfer Hermann (vorn) und Bernhard Ahaus im Jahr 1938.
Foto:
Privat-Archiv Ahaus-Pitor, Bad Iburg. Abgedruckt in: Segschneider, Das alte Töpferhandwerk im Osnabrücker Land, Bramsche 1983.
Autor:
Joachim Dierks


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