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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stolperstein für Tante Marianne
Zwischenüberschrift:
Erinnerungskünstler Demnig geehrt – Gedenktafel für Euthanasie-Opfer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
DRESDEN. Der Kölner Bildhauer und Schöpfer der Stolpersteine, Gunter Demnig, ist am Sonntag mit dem Erich-Kästner-Preis des Presseclubs Dresden geehrt worden. Demnig habe mit seiner Erinnerungsarbeit für die Opfer der Nazi-Diktatur viel für das Verständnis zwischen Israelis und Deutschen getan, würdigte der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, den Künstler in der Festrede.
Demnig hat seit 1997 mehr als 38 000 Stolpersteine verlegt, die es mittlerweile in zwölf europäischen Ländern gibt. Allein in Deutschland sind es fast 800 Orte, an denen mit kleinen Messingtafeln auf den Gehsteigen an Juden, andere politisch Verfolgte und Euthanasieopfer erinnert wird. Der Preis ist mit 10 000 Euro verbunden, die er spenden wird. Demnig will im Januar in Greifswald arbeiten: Dort hatten Unbekannte am Jahrestag der Pogromnacht am 9. November alle elf im Stadtgebiet verlegten Stolpersteine aus dem Straßenpflaster gebrochen.
Am Nachmittag verlegte Demnig weitere Stolpersteine in Dresden. 29 sollten hinzukommen. Einer davon soll an die Tante des Malers Gerhard Richter erinnern. Marianne Schönfelder war 1939 als 21-Jährige mit der Diagnose Schizophrenie in die Psychiatrie eingewiesen und zwangssterilisiert worden. Sie starb im Februar 1945 an Medikamentenüberdosierung, systematischer Mangelernährung und unzureichender Pflege. Durch die Kunst wurde der Fall weltweit bekannt. Richter porträtierte seine Tante nach einem Foto, auf der er selbst im Säuglingsalter auf ihrem Schoß liegt. Tragische Volte: Heinrich Eufinger, der spätere Schwiegervater des Malers, war als SS-Arzt maßgeblich an den Euthanasie-Morden beteiligt. Auch Eufinger hat der Maler in Porträts festgehalten.

Bildtext:
Familienalbum mit Verfolgungsgeschichte: Richters Tan-te Marianne″ (1965) und ihr Stolperstein.
Foto:
dpa

KOMMENTAR
Die Schuld ist überall

Mit dem Stolperstein für Gerhard Richters Tante Marianne Schönfelder und der Ehrung des ästhetischen Konzepts dahinter überschneiden sich zwei gegenläufige Formen der Erinnerungskunst: Gunter Demnig geht in die Breite und versucht, den Namen jedes einzelnen NS-Opfers in den deutschen Alltag zurückzuholen. Richter blickt auf seinen Bildern in die Tiefe der persönlichen Biografie und entdeckt das ganze Entsetzen der Vergangenheit in der eigenen Familiengeschichte. Das Mädchen, auf dessen Schoß er selbst als Säugling lag, wurde im Euthanasie-Programm ermordet; und einer der Haupttäter war Richters späterer Schwiegervater.
Heute berühren sich beide Werke in einer Nachricht und machen damit wie in einem Brennglas die Nachwirkung der historischen Verbrechen sichtbar: Die Schuld wohnt in Deutschland an jeder Straßenecke. Und sie durchdringt jeden Einzelnen im Lande auch wenn uns das im Alltag nicht immer bewusst sein mag.
d.benedict@ noz.de
Autor:
dpa, Daniel Benedict


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