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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Fluktuation im Zoo Osnabrück
 
Zoo hängt am Finanz-Tropf
 
Zählappell am Schölerberg
Zwischenüberschrift:
Corona-Kassensturz: Ohne Hilfe keine Rettung für den Osnabrücker Tierpark
 
1500 Tiere weniger als 2014: Warum wird der Zoo Osnabrück immer kleiner?
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Im Jahr 2020 sind im Zoo Osnabrück 15 Tierarten neu hinzugekommen, unter anderen Jemenchamäleon, außerdem Pfaffenhut-Seeigel, Sternchen-Schleimfisch, Färberfrosch, Langschnäuziges Seepferdchen und Röhrenaal. Gleichzeitig verabschiedete sich der Zoo von 16 Tierarten, darunter Guerezas (Mantelaffen), Blauer Thaiskorpion, Rußköpfchen, Glaswels und Funkensalmler.
Die Inventur brachte zudem ans Licht: Im Zoo Osnabrück leben nur noch fast halb so viele Tiere wie 2014. Binnen fünf Jahren sank ihre Zahl um rund 1500 auf gut 2200. Das alles sei aber kein Grund zur Besorgnis, sagt Zoosprecherin Lisa Simon. Vielmehr handele es sich um das Resultat strategischer Planung. Wir haben in der Vergangenheit viel neu strukturiert und für die Tiere mehr Platz geschaffen.

Osnabrück Die coronabedingten Lockdowns reißen tiefe Löcher in die Kasse des Osnabrücker Zoos. 2020 half dem Tierpark eine riesige Spendenwelle durch die Krise, doch die finanzielle Herausforderung ist in diesem Jahr noch größer. Kann der Zoo sich auch 2021 auf seine Freunde und Förderer verlassen?
Von Mitte März bis Anfang Mai 2020 war ein Besuch im Osnabrücker Zoo wegen Corona verboten, seit November ist er es erneut. Schon jetzt dauert die zweite Zwangsschließung länger als die erste. Und weil das Virus weiter gefährlich wütet, fürchtet der Zoo, dass die Tore am Schölerberg gar den ganzen Winter zubleiben müssen mindestens. Finanziell geht es für den Tierpark damit ans Eingemachte.
Denn anders als bei den meisten anderen Zoos wird der Betrieb in Osnabrück nicht durch millionenschwere kommunale Zuschüsse am Laufen gehalten. Stattdessen entscheiden die eigenen Einnahmen über wirtschaftliches Wohl und Wehe. Eintritte machen dabei mehr als zwei Drittel der jährlichen Gesamterlöse aus. Mit jedem harten Lockdown versiegt also die wichtigste Geldquelle des Osnabrücker Zoos: keine Kundschaft, keine Kohle. Geschäftsführer Andreas Busemann warnt: Mit jedem Tag, den wir länger geschlossen haben, wird die Situation für uns schwieriger.″

Spenden gegen Verluste

Dass der unter normalen Umständen größte Publikumsmagnet der Region (rund eine Million Gäste pro Jahr) die Corona-Krise bislang trotzdem gut überstanden hat, ist mehreren Faktoren geschuldet. Vor allem einer riesigen Hilfsbereitschaft der Menschen in und um Osnabrück, die sich dem 1935 von Bürgern gegründeten Heimattiergarten ebenso verbunden wie verpflichtet fühlen. Allein im Frühjahr 2020 spendeten sie dem Zoo 550 000 Euro, von November bis Jahresende dann noch mal die Hälfte. Ein Großteil der Summen wurde, wie versprochen, von der Stadt bereits verdoppelt. Auch das Land Niedersachsen gab im Herbst 800 000 Euro an Corona-Hilfen dazu. Weitere 60 000 Euro könnten vom Bund kommen.
Damit nicht genug: Denn als der Zoo 2020 zwischenzeitlich für knapp sechs Monate öffnen durfte, war die Sehnsucht der Besucher nach einem Ausflug zum Schölerberg offenbar so groß, dass sie 1, 37 Millionen Euro zusätzlich in die Tageskassen spülten. Macht unterm Strich Einnahmen von gut 3, 6 Millionen Euro. Kurios: Das ist fast das Doppelte dessen, was der Zoo Osnabrück bis Jahresende an Eintrittsgeld-Verlusten infolge der Lockdowns (1, 88 Millionen Euro) hinnehmen musste. Erleichtert stellt Geschäftsführer Busemann fest: Selbst ohne Unterstützung von Stadt, Land und Bund hätten wir den Verlust überkompensiert.″

2021 Herausforderung

Gerettet ist der Zoo Osnabrück damit aber noch lange nicht im Gegenteil. Es sieht so aus, als würde 2021 für den Tierpark in finanzieller Hinsicht sogar die deutlich größere Herausforderung. Eine Insolvenz drohe aktuell zwar nicht. Wohl aber könnten große, für die Zukunft des Zoos maßgebliche Bauvorhaben wie Wasserwelten und Elefantenpark in Gefahr geraten. Wir leben seit November von Reserven, Zuschüssen, Spenden sowie dem Onlineverkauf von Jahreskarten und Ticketgutscheinen″, berichtet der Chef. Auf der anderen Seite gebe es jede Menge laufende Ausgaben mit wenig bis null Einsparpotenzial darunter die Versorgung der gut 2200 Tiere. Sie allein kostet laut Busemann rund 13 000 Euro täglich: Deswegen unsere Bitte: Helfen Sie uns jetzt mit dem Kauf einer Jahreskarte, die vor uns liegenden, schwierigen Wochen zu überstehen.″
Im Gegenzug blieben alle Jahreskarten für 2021 bis zum 1. April 2022 gültig, so der Geschäftsführer. Quasi als Ausgleich dafür, dass der Zoo kaum vor Ostern wieder besucht werden könne. Dann aber gebe es am Schölerberg viele neue Attraktionen, auf die sich die Gäste bereits heute freuen dürfen: zum Beispiel ein fertig umgebautes, deutlich vergrößertes Löwenrevier mit langem Stelzenpfad mitten durchs Gehege, eine frisch aus dem Boden gestampfte Erdmännchen-Anlage im Bereich Takamanda sowie natürlich, so Gott will, zwei zuckersüße Elefantenbabys.

Bildtext:
Tür zu: Wegen der Corona-Krise war der Besuch im Zoo Osnabrück 2020 wiederholt monatelang verboten. Und selbst bei einer zwischenzeitlichen Öffnung im Sommer bleiben Tierhäuser oft geschlossen.
Foto:
Sebastian Stricker

Wann rechnet sich eine Jahreskarte

Nach Angaben des Osnabrücker Zoos macht sich der Kauf einer Jahreskarte für die Besucher bereits ab dem zweiten Besuch bezahlt.
Diese Rechnung bezieht sich allerdings nur auf die Einzelticket-Preise in der Hauptsaison (ab 1. März 2021). Demnach zahlen Erwachsene regulär 25, 50 Euro pro Besuch, Kinder von 7 bis 16 Jahre 17, 50 Euro und Kinder von 3 bis 6 Jahre 14, 50 Euro.
Im Vergleich dazu kostet eine Einzel-Jahreskarte für Erwachsene ohne weitere Rabatte 50 Euro (Kinder: 33 Euro), eine Partner-Jahreskarte (gültig für zwei Erwachsene) 98 Euro sowie eine Familien-Jahreskarte 128 Euro (gültig für Eltern und ihre Kinder oder zwei Erwachsene und zwei Kinder).

Osnabrück Die Inventur bringt es ans Licht: Im Zoo Osnabrück leben nur noch fast halb so viele Tiere wie 2014. Binnen fünf Jahren sank ihre Zahl um rund 1500 auf gut 2200. Woran liegt das?
Kurz vor Jahresende beginnt am Schölerberg stets das große Zählen. Der Osnabrücker Zoo verschafft sich damit einen ausführlichen Überblick über seinen aktuellen Tierbestand. Anschließend werden die Ergebnisse an verschiedene Behörden gemeldet. Muss ja alles seine Ordnung haben.
Zum Stichtag 31. Dezember 2020 registrierte der Zoo insgesamt 2213 Tiere aus 291 Arten. Damit hat sich im Vergleich zum Vorjahr unterm Strich kaum etwas getan. Betrachtet man jedoch einen längeren Zeitraum, zeigt sich ein anderes Bild: Seit 2014 ist der Tierbestand um gut 40 Prozent zurückgegangen. Und nimmt man das Jahr 2010 als Ausgangspunkt, gab es in Osnabrück nie weniger Tiere zu sehen als heute. Auch die Artenvielfalt ist deutlich geringer als noch vor zehn Jahren.
Das alles sei aber kein Grund zur Besorgnis, sagt Zoosprecherin Lisa Simon. Vielmehr handele es sich um das Resultat strategischer Planung. Wir haben in der Vergangenheit viel umgebaut, neu strukturiert und für die Tiere mehr Platz geschaffen und uns deshalb von bestimmten Arten mit teils großen Populationen getrennt.″ Besonders Vögel und Fische seien hier zu nennen. Und wenn plötzlich ganze Gruppen oder Schwärme aus den Becken und Volieren am Schölerberg verschwinden würden, sorge das natürlich für gewisse Ausschläge bei den Inventuren.
Ohnedies gehöre das Kommen und Gehen von Tieren zum Alltag eines Zoos. Denn oft werde gemeinsam mit anderen Tierparks in Deutschland, Europa und der Welt versucht, durch gezieltes Tauschen bedrohte Arten außerhalb der Wildbahn zu züchten und so vor dem Aussterben zu retten.
Wobei wir auch schon beim Thema Nachwuchs wären: 2020 kamen im Zoo Osnabrück insgesamt 225 Jungtiere zur Welt. Das berühmteste ist wohl Yaro, das Elefantenbaby. Der kleine Bulle wurde drei Tage vor Heiligabend geboren und entwickelt sich den Angaben zufolge prächtig. Bereits am 2. Dezember war im Nachbargehege ein noch namenloser Humboldt-Pinguin aus dem Ei geschlüpft: die zweite erfolgreiche Nachzucht bei dieser bedrohten Spezies binnen weniger Monate.
Allerdings muss auch dieses Küken wie schon seine im Frühjahr geborene Artgenossin Clementine per Hand aufgezogen werden, da seine Eltern Paul und Melli es nicht fütterten. Katja Lammers, wissenschaftliche Assistentin im Zoo Osnabrück, berichtet: Inzwischen hat das Jungtier sein Gewicht mehr als verdreifacht. Anfangs wog es 85 Gramm, jetzt sind es bereits 266 Gramm.″ Dem ursprünglich am Pazifik vor Südamerika beheimateten, flugunfähigen Schwimmvogel scheint sein von Menschen servierter Fischbrei also zu schmecken wobei er sich mittlerweile auch Sprotten und Heringe einverleibt. Ob der Humboldt-Pinguin ein Männchen oder Weibchen ist, weiß der Zoo übrigens noch nicht. Das muss noch über einen DNA-Test per Feder untersucht werden. Dann erhält der Kleine auch einen Namen″, erklärt Lammers.
Mit Blick auf die Inventur 2020 außerdem erwähnenswert: die volle Kinderstube etwa bei den Wasserschweinen (zehn Jungtieren aus drei Würfen) und den Hudson-Bay-Wölfen (fünf Welpen), die Geburt von Zebrafohlen Barbaros sowie zweier Balistar-Küken auch dies eine sehr selten gewordene Vogelart.
Die nächsten heiß ersehnten Besuche des Klapperstorchs am Schölerberg sind übrigens schon absehbar: Elefantenkuh Sita erwartet spätestens im Februar ihr erstes Jungtier, Nashornkuh Amalie folgt im Frühjahr. Und auch bei den Schimpansen könnte es demnächst wieder so weit sein. Lammers: Wir sind gespannt, ob es vielleicht 2021 schon Nachwuchs geben wird.″ Die Affenbrüder Lobo und Lome, die im August neu zur Osnabrücker Gruppe gestoßen sind, werden hier sicher ihr Bestes tun.

Bildtext:
Zehnfachen Nachwuchs gab es 2020 bei den Wasserschweinen im Zoo Osnabrück. Das macht sich bei der tierischen Inventur zum Jahresende natürlich besonders bemerkbar.
Foto:
Zoo Osnabrück/ Lisa Simon

Zuund Abgänge

Im Jahr 2020 sind im Zoo Osnabrück 15 Tierarten neu hinzugekommen, unter anderen Jemenchamäleon, außerdem Pfaffenhut-Seeigel, Sternchen-Schleimfisch, Färberfrosch, Langschnäuziges Seepferdchen und Röhrenaal.
Gleichzeitig verabschiedete sich der Zoo von 16 Tierarten, darunter Guerezas (Mantelaffen), Blauer Thaiskorpion, Rußköpfchen, Glaswels und Funkensalmler.

Kommentar
Zoo in Corona-Krise nicht für seine Erfolge bestrafen

Besuchsverbote wegen Corona treffen den Zoo Osnabrück besonders hart. Denn er lebt von Eintrittsgeldern, nicht von Zuschüssen. Versiegt seine wichtigste Einnahmequelle, kommt es auf die Treue und Großzügigkeit der Menschen in der Region an. Und zwar umso mehr, je länger die Pandemie anhält.
Vier von zwölf Monaten musste der Zoo Osnabrück 2020 wegen Corona schließen. 2021 dürfte es kaum besser werden. Seit Wochen bleiben die Pforten notgedrungen dicht. Am Schölerberg geht man von einem Besuchsverbot bis Ende März aus. Das Fatale: Ohne Gäste gehen dem Tierpark Millioneneinnahmen flöten. Denn Eintrittsgelder sind seine finanzielle Lebensversicherung.
In der Krise kommt es deshalb ganz besonders auf die Treue und Großzügigkeit aller Zoofreunde und - förderer an. Und zwar umso mehr, je länger die Pandemie anhält.
Möglichkeiten zu helfen gibt es viele: Geld spenden, Jahreskarten kaufen (oder wenigstens Ticketgutscheine für einen Einmalbesuch nach der Wiedereröffnung), Tierpatenschaften abschließen, im Onlineshop spezielle Zooretter-Produkte erwerben, Mitglied im Zooverein werden. Im vergangenen Jahr konnte so ein guter Teil der durch Lockdowns erlittenen Einbußen kompensiert werden.
Aber natürlich sind auch (weiterhin) Stadt, Land und Bund gefragt. Ohne ihre finanzielle Unterstützung wird es schwer bis unmöglich für den Zoo auch wenn er sie 2020 zum Ausgleich verlorener Eintrittsgelder rein rechnerisch nicht gebraucht hätte, den unerwartet laut klingelnden Tageskassen im Sommer sei Dank.
Verzichtbar ist kommunale wie staatliche Corona-Nothilfe deshalb keineswegs. Sie ist vielmehr die Speckschicht, die es am Schölerberg braucht, um den langen, harten Winter zu überstehen. An dieser Stelle zu knapsen wäre so, als würde man den Osnabrücker Zoo für seinen eigenen Erfolg bestrafen.
Hinzu kommt: Der Zoo Osnabrück ist kein Bittsteller wie viele andere. Wir reden hier über den mit Abstand größten Publikumsmagneten der Region, der jedes Jahr eine Million Gäste anlockt und damit auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist. Anders als die meisten anderen Einrichtungen seiner Art wird er dabei nicht am laufenden Band mit Steuermitteln gepampert. Stattdessen gehört kostendeckendes Wirtschaften (im Normalfall) zu seinen Alleinstellungsmerkmalen.
In diesen Zeiten ist aber nichts normal. Das Virus wütet weiter, und es wird noch eine ganze Weile dauern, bis wir es gut im Griff haben. Es gibt also keinen Grund, plötzlich weniger Solidarität zu üben. Weder mit dem Zoo noch mit allen anderen.

s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker


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