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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Vergebliche Flucht nach Arnheim
Zwischenüberschrift:
Nationalsozialisten ermordeten Olga Roos und Renee Rosi Maschke in Sobibor
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Züge aus den Niederlanden brachten Juden zu ihren Mördern. 1943 mussten Olga Roos und ihre Tochter Renee Rosi Maschke einsteigen. Die beiden Osnabrückerinnen waren 1933 ins Nachbarland nach Arnheim gezogen offenbar um dem Hass der Nationalsozialisten auf Juden ausdem Weg zu gehen. Es gelang ihnen nicht. Zehn Jahre später wurden sie von dort mit der Eisenbahn nach Sobibor verschleppt und ermordet.

Nationalsozialisten verwandelten eine Idylle in einen Ort des Grauens. In der Nähe des kleinen Dorfes Sobibor im Südosten Polens hatten sie 1942 ein Vernichtungslager für den Massenmord an Juden gebaut knapp drei Jahre nach demsie das Land überfallen hatten. Schätzungen nach ermordeten sie dort bis zu 250 000 Menschen mit Gas, davon 33 000 aus den Niederlanden.
Zwei von ihnen Olga Roos und Renee Rosi Maschke hatten bis 1933 an der Wielandstraße 2 in Osnabrück gelebt, in derselben Straße wie die Paten der Stolpersteine, die an die beiden Frauen aus ihrer Nachbarschaft erinnern.
Peter Rössler sprach für sie. Was ihm am Herzen liegt, ist die stetige Erinnerung daran, was es mit dem Absolutheitswahn″ der Nationalsozialisten auf sich hat, denn: Die Gefahr ist nicht vorüber. Wir müssen immer wieder darauf aufmerksam machen.″
Im selben Haus, in dem jetzt einige der Paten der Stolpersteine leben, wohnte die 1875 geborene Rentnerin Olga Roos zusammen mit ihrer Tochter Renee Rosi. Kaum mehr ist über diese beiden Frauen bekannt. Dass sie bereits 1933 nach Arnheim in die Niederlande zogen, ist ein Hinweis darauf, dass sie bereits im ersten Jahr des Hitler-Regimes ahnten, dass die Nationalsozialisten ihnen keine Ruhe lassen würden eine Einschätzung, die in jüdischen Familien anfangs sehr unterschiedlich ausfiel.
Viele Ältere konnten sich nicht vorstellen, dass die Nationalsozialisten ihnen nach dem Leben trachten würden, und mussten dann erleben, wie sie ein Recht nach dem anderen verloren, wie aus hasserfüllten Parolen auch tätliche Angriffe wurden, wie sie ihr Eigentum verloren und schließlich Mördern ausgeliefert waren.
Olga Roos und Renee Rosi Maschke befanden sich nur wenige Jahre in Sicherheit. Die deutsche Wehrmacht nahm nach Polen auch bald die Niederlande ein, und die Jagd auf Juden begann auch dort.
Nationalsozialisten nahmen die beiden Frauen aus Osnabrück fest und internierten sie in Westerbork. Am 23. März 1943 musste Renee Rosi Maschke in einen Zug nach Sobibor steigen. Dort wurde sie am 26. März gleich nach der Ankunft mit Gas ermordet im Alter von 39 Jahren. Am 20. Juli trieben die Nationalsozialisten ihre 68 Jahre alte Mutter ebenfalls in einen Zug nach Sobibor. Auch sie kam drei Tage später in der Gaskammer ums Leben.

Bildtext:
An der Wielandstraße 2 lebten bis 1933 Olga Roos und ihre Tochter Renee Rosi Maschke. Dann flüchteten sie nach Holland vergeblich.
Fotos:
Elvira Parton

Stolpersteine
Die in den Gehwegen verlegten Stolpersteine aus Messing erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegenihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich mehrere Hundert Kommunen in Europa angeschlossen haben.
Paten der Stolpersteine an der Wielandstraße 2 sind die Eigentümer und Bewohner des Hauses (für Renee Rosi Maschke) sowie das Ehepaar Christa und Peter Rössler (für Olga Roos). Bei der Verlegung wurde Gunter Demnig von Schülern des Berufsschulzentrums am Westerberg unterstützt: Manuel Hellermann, Sven-Uwe Kerckhoff, Marcel Nordhoff und Timo Rosenbusch. Das Büro für Friedenskultur nimmt für weitere Gedenktafeln gern Hinweise über das Schicksal von weiteren Opfern des NS-Regimes entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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