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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Humboldtbrücke verottet langsam, aber sicher
Zwischenüberschrift:
Stadt will maroden Übergang am Osnabrücker Hauptbahnhof erneuern
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Der Zahn der Zeit nagt am Bongossiholz der Humboldtbrücke. Immer wieder muss die Stadt Belagsbohlen austauschen, und es zeichnet sich schon ab, dass die tragende Konstruktion an die Grenze ihrer Belastbarkeit stößt. Eine neue Brücke ist geplant, aber der Zeitpunkt steht noch nicht fest.
Die Humboldtbrücke am Hauptbahnhof ist eine wichtige Verbindung für Fußgänger und Radfahrer. Auf knapp 100 Meter Länge überspannt sie die Gleise der Ost-West-Achse zwischen Löhne und Rheine. Mit ihren gerade einmal 30 Jahren ist sie eigentlich nicht in einem Alter, das für Bauwerke ihrer Art einen erhöhten Sanierungsaufwand erfordert. Allerdings leidet sie an einem gravierenden Baumangel. Als sie 1990 erneuert wurde, verzichteten die Planer der Stadt auf den sonst üblichen konstruktiven Holzschutz.
Somit kann das Regenwasser nicht aus Fugen, Schraubenlöchern und Bodenrillen ablaufen. Wo es sich sammelt, siedeln sich Pilze an, die das Holz zersetzen und frühere Unzerstörbarkeitsmythen Lügen strafen. Bongossi ist zwar extrem hart und muss deshalb mit speziellem Werkzeug bearbeitet werden. Es steht auch im Ruf, ohne Schutzanstrich der Fäulnis zu trotzen. Aber dass es gegen konstruktive Mängel nicht gewappnet ist, lässt sich leicht bei einem Gang über die Humboldtbrücke feststellen.
Dabei waren die Verantwortlichen seinerzeit überzeugt, ein langlebiges Bauwerk zu einem unschlagbaren Preis erstanden zu haben. Die Lebensdauer war ein gewichtiges Argument, denn der Vorgängerbau, eine Spannbetonkonstruktion, hatte nur 35 Jahre gehalten.
Obwohl schon damals der Einwand erhoben wurde, dass mit dem Import von Edelhölzern aus Kamerun der Raubbau am tropischen Urwald gefördert werde, fiel im Rat die Entscheidung für die Bongossi-Konstruktion. Kurz darauf folgte allerdings der Beschluss, in Zukunft generell auf Tropenholz zu verzichten.
Für die Stadt Osnabrück ist die Humboldtbrücke jetzt ein Sanierungsfall. Pläne für ein neues Bauwerk wurden schon vor einigen Jahren ausgearbeitet. Die Tragkonstruktion soll aus Stahl gefertigt werden, das Geländer aus Edelstahl so wie es bereits am ersten Baufeld an der Eisenbahnstraße zu erkennen ist. Auf dem südlichen Abschnitt musste das schon recht marode Holz schon 2010 weichen, als dort ein Aufzug gebaut wurde.
Einen genauen Zeitplan gebe es aber noch nicht, sagt Stadtsprecher Sven Jürgensen. In Gesprächen mit der Deutschen Bahn werde gerade geklärt, ob Abgänge von der Brücke zu den Gleisen 11/ 12 und 13/ 14 gebaut werden sollen und wenn ja, in welcher Form.
Mit der Bahn muss die Stadt auch die Sperrpausen für den Zugverkehr festlegen, denn der Austausch der Brückenelemente kann nicht im laufenden Betrieb erfolgen. Immerhin befindet sich die Brücke direkt über der Oberleitung. Sperrpausen werden normalerweise zwei Jahre im Voraus geplant. So lange muss die vor sich hin rottende Brücke also auf jeden Fall noch halten.

Bildtexte:
Hier gibt es Sanierungsbedarf: Langsam, aber sicher verrottet die Humboldtbrücke.
Ein erstes Baufeld wurde schon 2010 in Stahlbauweise errichtet (rechts). Die anderen Felder sollen folgen.
Konstruktionsmängel: Weil das Wasser nicht ablaufen kann, schreitet die Verrottung voran.
Fotos:
Jörn Martens
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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