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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gütiger Pädagoge und kenntnisreicher Historiker
Zwischenüberschrift:
Straßenkunde: Die Prof.-Schirmeyer-Straße im Stadtteil Schinkel-Ost
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Ludwig Schirmeyer befindet sich in bester Gesellschaft. In der Ost-Schinkeler Siedlung zwischen Windthorststraße und Gretescher Weg versammeln sich auf Straßenschildern einige prominente Osnabrücker, mit denen Schirmeyer befreundet oder zumindest geistesverwandt war.
Wie Karl Brandi und Christian Dolfen war Schirmeyer Historiker und Träger der Mösermedaille, wie Ludwig Windthorst war er Absolvent des Gymnasiums Carolinum und überzeugter Katholik.
Geboren wurde Ludwig Schirmeyer am 19. November 1876 als Sohn des Medizinalrats Dr. Louis Schirmeyer direkt neben dem Bischöflichen Palais an der Großen Domsfreiheit 9. Die grüne Haustür mit Kranzgewinde und blankem Messinggriff″ ist für ihn zeit seines Lebens Inbegriff kindlicher Geborgenheit im Elternhaus gewesen, wie er in seinen Erinnerungen an Alt-Osnabrück″ liebevoll beschreibt.
Die Auswahl einer höheren Schule fiel nicht schwer. Ludwig brauchte den Schatten des Doms nicht zu verlassen, nur einmal die Domsfreiheit überqueren, und schon war er in der Schule, die auch schon Vater und Großvater besucht hatten: im Gymnasium Carolinum.
Jedes Mal kam er dabei an Justus Möser, in Erz gegossen, vorbei. Das mag wie eine Vorbestimmung für ihn gewesen sein, sich selbst späterin Leben und Werk des großen Staatsmannes und Historikers einzufühlen. An der Göttinger Möser-Gesamtausgabe von 1943 hatte Schirmeyer entscheidenden Anteil. Unter anderem dafür verlieh ihm die Stadt 1944 die Mösermedaille.
Nach dem Abitur 1895 studierte Schirmeyer Deutsch, Geschichte und Geografie. In Göttingen promovierte er zum Dr. phil. mit einer geschichtswissenschaftlichen Arbeit, legte das Referendarexamen ab, kam zurück nach Osnabrück und wurde Lehrer am Carolinum. Seine Laufbahnstationen: 1902 Hilfslehrer, 1903 Oberlehrer, 1914 Gymnasialprofessor (damals eine Amtsbezeichnung im höheren Schuldienst, die keine Habilitation voraussetzte), 1926 Oberstudienrat und stellvertretender Schulleiter. Er wird als vorbildlicher, kenntnisreicher und gütiger Lehrer beschrieben. In persönlichen Dingen war er anspruchslos, allerdings höchst anspruchsvoll, wenn es um die historische Wahrheit und das richtig gesetzte Wort ging. Als 62-Jähriger schied er 1938 freiwillig aus dem Schuldienst aus, um sich ganz seinen historischen Forschungen hingeben zu können. Das nützte ihm aber nicht viel. Als alle noch wehrfähigen Kollegen an die Front mussten, wurde der Lehrermangel bald so eklatant, dass Schirmeyer verpflichtet wurde, bis zum Kriegsende weiter zu unterrichten.
Neben der Schule bewältigte Schirmeyer ein gewaltiges Arbeitspensum. Er leitete den Historischen Verein zu Osnabrück und gab dessen jährlich erscheinende Osnabrücker Mitteilungen″ heraus. Er saß dem Altherrenzirkel der katholischen Studentenverbindungen (KV) vor. Er war Mitgründer des Carolingerbundes und der ersten Volkshochschule. Er war im Vorstand des Dürerbundes und des Vereins für das Deutschtum im Ausland( VDA). Die Historische Kommission für Niedersachsen berief ihn zum Mitglied. Daneben erforschte er die Geistesgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts und veröffentlichte zahlreiche Aufsätze und Bücher. Mit seinen Beiträgen zu Möser wurde er auch überregional bekannt.
Nicht so recht ins Bild passen mag Schirmeyers Mitgliedschaft im Stahlhelm, dem gegen die Weimarer Demokratie gerichteten Altfrontkämpferbund. Als der Stahlhelm 1934 in der SA aufging, wurde auch Schirmeyer Mitglied der SA, trat jedoch nie der NSDAP bei. 1934 wurde er in den Rat der Stadt gewählt. In einigen Quellen heißt es, dass Schirmeyer sich von den Nazis keinen Deut von seiner christlich-humanistischen Geisteshaltung habe abbringen lassen. Vortragsveranstaltungen und das Jahrbuch des Historischen Vereins etwa habe er stets frei von Zensur halten können. Genauso wenig ließ er zu, dass die Osnabrücker Sektion des Dürerbundes für die NS-Ideologie instrumentalisiert wurde: Als der politische Druck zu groß wurde, stellte der Verein seine Aktivitäten ein.
Nach dem Zusammenbruch galt Schirmeyer als unbelastet. Ihm wurde die Überarbeitung des Lehrbuchs der Geschichte für höhere Schulen″ an vertraut. Bis ins hohe Alter wirkte er weiter in seinen zahlreichen Ehrenämtern und trug zur Erforschung der Heimatgeschichte bei. Bei ihm begegnet sich der Hauch der Geschichte mit dem Duft unserer heimatlichen Wiesen und Äcker″, schrieb sein Nachfolger im Carolingerbund, Wilhelm Gröne.
Am 10. Oktober 1960 starb Ludwig Schirmeyer 83-jährigin Osnabrück. Im Jahr darauf wurde eine neu erschlossene Siedlungsstraße in Schinkel-Ost nach ihm benannt.

Bildtexte:
In Schinkel-Ost erinnert eine beschauliche Siedlungsstraße an den Justus-Möser-Experten.
Prof. Ludwig Schirmeyer war Lehrer und Historiker.
Fotos:
Joachim Dierks, Archiv
Autor:
Joachim Dierks


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