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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Ureinwohner
Zwischenüberschrift:
Einmal um den Pudding: Die Beermanns und die Scharps leben seit 50 Jahren in der Meinkerstraße
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Wenn jemand eine Hymne über die Straße dichtet, in der er wohnt, kann wohl mit Fug und Recht behauptet werden, dass er sich dort wohlfühlt. Für Erwin Scharp und Werner Beermann gilt das seit 50 Jahren. Im Juli 1962 bezogen sie ihre Häuser in der Meinkerstraße. Dort werden sie die Ureinwohner″ genannt.

Hier ist echte Nachbarschaft nicht nur ein Wort, hier hilft jeder jedem, mal hier und mal dort″, reimte Erwin Schar vor zehn Jahren. Die Hymne wurde zum ersten Mal am 1. Mai 2002 beim Straßenfest gesungen. Damals erschien auch die von Werner Beermann verfasste Chronik der Meinkerstraße.
In dieser erzählt Beermann vom Werdegang der Siedlung, die nach dem Bäckermeister und Ratsherrn Heinrich Meinker benannt wurde, der 1952 starb.
Ein paar Jahre später hat Beermann das Baugebiet inspiziert, das Rund um die Rosenkranzkirche″ genannt wurde. Als ich das Gelände gesehen habe, hab ich Schüttelfrost bekommen″, erinnert sich der 86-jährige Werner Beermann. Dort, wo das traute Heim der Familie Beermann entstehen sollte, gab es nur Feuchtigkeit und Morast. Es war ein Moor. Kanalisation gab es nicht″, sagt die 86-jährige Ingrid Beermann. Der erste Eindruck war negativ″, bestätigt der ein Jahr jüngere Erwin Scharp und fügt an: Ich bin aber ruhig geblieben.″ Er besitze Vorstellungsvermögen, sagt er. Im Gegensatz zu seiner Frau Edith habe er das fertige Haus vor seinem inneren Auge gesehen. Am 10. Juli 1962 ist die Familie Scharp schließlich eingezogen neun Tage nach ihren direkten Nachbarn, den Beermanns.
Die anfänglichen Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Die Wohngegend ist wie seine Bewohner solide. Die Menschen in der Straße waren wie überwiegend im Stadtteil Schinkel-Ost hauptsächlich Beamte und Angestellte. Anders als im Schinkel, der als Arbeiterbezirk galt. Werner Beermann lebte vorher mit seiner Familie am Schölerberg. Erwin Scharp wohnte an der Schlossstraße. Sie sind Paradebeispiele für die Bewohnerstruktur: Beermann war Post- und Scharp Finanzbeamter.
In der Straßengemeinschaft wurden von Anfang an Feste gefeiert″, sagt Scharp. Ob Hochzeiten, Geburtstage, das Kränzen des Maibaums und des Adventskranzes die Leute aus der Meinkerstraße wussten Feste zu feiern. Auch wenn die Geschlechter getrennt waren, war Geselligkeit Trumpf. Ingrid Beermann erzählt, sie habe schon früh Frauenabende organisiert. Da wollten wir nicht nachstehen und haben Bier-..., äh, Herrenabende veranstaltet″, sagt Werner Beermann verschmitzt lächelnd.
Ein Pastor der Jakobuskirche fühlte sich durch diese Gemeinschaft inspiriert und wurde ebenfalls zum Dichter. Er schrieb folgende Zeilen über die Einheimischen: Müsst ich in der Stadt mal leben, ließt abends du dich dort noch ein, würd′s keine and′re Straße geben: Die Meinkerstraße müsst es sein.″ Etwas später zog er tatsächlich dorthin.
Ingrid und Werner Beermann sowie Edith und Erwin Scharp sind die ersten und die einzigen Bewohner der Meinkerstraße, die von Anfang an dort leben. Eigentlich hat sich nichts verändert″, sagt Scharp. Wir sind die Ureinwohner″, fügt Beermann augenzwinkernd an.

Bildtext:
Die Poeten aus der Meinkerstraße: Seit 50 Jahren leben Erwin Scharp (links) und Werner Beermann dort.
Foto:
Osterfeld

Hymne der Meinkerstraße
Es gibt eine Großstadt, dieheißt Osnabrück, dort fanden vor Jahren viele Menschen ihr Glück. Die Stadt machte Bauland im Osten bekannt, hat′ s Rund um die Rosenkranzkirche″ genannt. In ihm wurden Wege und Straßen geplant, nach Leuten wie Dolfen und Brandi benannt. In ihr wohnen Menschen, die sehr freundlich sind, die gerne sich mögen, ob Greis oder Kind. Sie lachen und scherzen, sind fröhlich beim Tanz. Was immer sie machen, sie machen es ganz. Hier ist echte Nachbarschaft nicht nur einWort; Hier hilft jeder jedem, mal hier und mal dort. Le′ weiter, du Straße, behalt deinen Charme, gib Heimat den Menschen, ob reich oder arm. Wir wünschen, du mögest erhalten dein Flair, denn Straßenwie dich, gibt es viele nicht mehr.
Autor:
Thomas Wübker, Erwin Scharp


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