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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Nach 500 Jahren erstmals ohne Handschlag
Zwischenüberschrift:
Griesert beim Handgiftentag allein im Friedenssaal
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Das war ein historischer Handgiftentag, den Osnabrück am Montagabend erlebte: Der Oberbürgermeister allein im Friedenssaal. Keine Menschen, kein Applaus, kein Handschlag. Dafür aber viele Worte der Ermutigung und Zuversicht.
Seit über 500 Jahren ist es üblich, dass sich die Ratsmitglieder zu Anfang des Jahres die Hand reichen als Zeichen ihrer Bereitschaft, gemeinsam für das Wohl der Stadt zu wirken. Die Hand reichen? In diesen Zeiten? Oberbürgermeister Wolfgang Griesert empfing die 50 Ratsmitglieder virtuell im Friedenssaal. Sie waren wie in einer Videokonferenz zugeschaltet. Wer wollte, konnte die exakt 35-minütige Rede über einen Livestream verfolgen. In der Spitze wollten das nur 25 Zuschauer, wie die Zählung auf Youtube auswies.
Sie, die 25 Zuschauer, sowie die 50 Ratsmitglieder, der Verwaltungsvorstand und die Ehrengäste hörten einen Oberbürgermeister, der nachdenklich auf das bedenkliche Jahr 2020″ und die Corona-Herausforderungen zurückblickte, aber hörbar mehr Freude daran hatte, über die positiven Aussichten für 2021 zu sprechen.

Griesert über das Pflegepersonal: Der Oberbürgermeister dankte besonders den Beschäftigten in den Krankenhäusern, Alten- und Pflegeeinrichtungen: Sie alle haben Gewaltiges geleistet. Im Verhältnis zu der Größe der Aufgabe kann mein Dank nur klein ausfallen.″ Diese Krise habe allen deutlich gemacht, dass wir insbesondere die Berufe in der Pflege deutlich attraktiver gestalten müssen, auch finanziell.″ Unser Land sei nicht gut beraten, wenn wir Menschen, die beruflich Hilflose pflegen, allein im Ausland anwerben.″

... über das Impfen: Der Oberbürgermeister äußerte die Hoffnung, dass der Impfstoff schnell ausgeliefert wird und die Impfbereitschaft weiter zunimmt. Bis zum Ende dieser Woche werden nach seinen Worten alle Bewohner von Alten- und Pflegeheimen in Osnabrück, die es wünschen, eine Impfung erhalten können. Griesert warb für das Impfen und verhehlte nicht, dass der Impfstart für ihn persönlich kein leichter war. Als beim ersten Termin im Küpper-Menke-Stift überraschenderweise einige Dosen übrig blieben, ließ sich der OB piksen, was ihm einen Sturm der Empörung eintrug. Aus persönlicher Sicht kann ich sagen, der Impfstoff ist verträglich, schützt aber nicht vor Kritik und Diffamierung.″

... über den Neumarkt: Wir haben jetzt endlich eine echte Chance, eine neue Perspektive für dieses zentrale innerstädtische Quartier zu erarbeiten und veraltete Einkaufskonzepte nicht in Beton zu gießen″, sagte Griesert. Er sei froh, mit Alexander Lindhorst einen niedersächsischen Familienunternehmer als Investor und Partner zu haben. Wir sollten uns das nicht fahrlässig zerreden lassen″, mahnte Griesert in Anspielung auf die Diskussionen über die angebliche AfD-Nähe von Jürgen Lindhorst, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Lindhorst-Gruppe.

... über die Entwicklung der Innenstadt: Der Bau der Johannis-Höfe, die Quartierentwicklung an der Möserstraße mit 375 Kleinstwohnungen, die Neubauten am Berliner Platz und an der Johannisstraße (ehemals Sinn-Leffers) wertete Griesert als Vorzeichen einer sich verändernden Struktur und Funktion der Innenstädte. Sie seien zwar immer noch wichtige Handelsstandorte, doch vor allem die kulturelle und soziale Seele einer Stadt″.

... über das Bauen: Der OB erinnerte daran, dass die Stadt die kommunale Wohnungsbaugesellschaft WiO mit 25 Millionen Euro Eigenkapital ausstattet, damit bezahlbare Wohnungen geschaffen werden können. Aber wo immer in der Stadt gebaut werden solle, stoße man auf Widerstände. Die Konversionsflächen seien ausgeschöpft, die Nachverdichtungspotenziale begrenzt und in der Nachbarschaft unbeliebt. Dennoch sei es richtig, in der Stadt zu bauen und Flächen zu verdichten, um eine Zersiedlung am Stadtrand zu vermeiden.

... über den VfL: Der überragende sportliche Erfolg des VfL Osnabrück beschere der Kommunalpolitik eine Herausforderung, so Griesert. Der Zweitligist brauche ein Trainingszentrum und Nachwuchsleistungszentrum, und zwar schnell. Niemand habe erwartet, dass in der Nachbarschaft der dafür geeigneten Flächen in der Gartlage ausgerechnet eine seltene Fledermausart lebe. Die Pläne müssten nun gemeinsam mit dem VfL optimiert werden, so Griesert. Ich denke aber, dass wir auf einem ganz guten Weg sind, die Lebensanforderungen dieses kleinen, nur selten zu sehenden Tiers mit den Notwendigkeiten des Profifußballs abzugleichen.″
Grieserts Rede wurde im Livestream unterlegt von einem Schriftband, in dem sich Ratsmitglieder in jeweils einem Satz über den Handgiftentag 2021 äußern konnten. Zentraler Tenor aller Äußerungen: Gerade in der Krise ist Zusammenhalt wichtig. Und viele zeigten sich zuversichtlich, wie zum Beispiel Uwe Görtemöller: Der Handgiftentag in digitaler Form zeige ihm, dass es immer irgendwie weitergeht″.

Bildtext:
Videokonferenz und Livestream: Oberbürgermeister Wolfgang Griesert blieb beim Handgiftentag 2021 allein, die Ratsmitglieder und Ehrengäste waren ihm per Video zugeschaltet. Im vergangenen Jahr waren sie noch persönlich anwesend (Bild unten).
Fotos:
Hermann Pentermann, Michael Gründel
Autor:
Wilfried Hinrichs


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