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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Osnabrück von seiner dynamischen Seite
 
Der schnelle Traum vomschönen Wohnen
 
Ein Juwel der Stadtgeschichte
Zwischenüberschrift:
Dodesheide ist bei neuen Wohneinheiten, Zuzügen und Kinderanteil spitze – Wohnen in Citynähe
 
Der Bereich der Ex-Britensiedlungen in Dodesheide-Ost
 
Mein Lieblingsplatz: Karin Jabs-Kiesler weiß die Landwehr zu schätzen – Einst Schutzanlage der Ackerbürger, heute ein idyllischer grüner Finger
Artikel:
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Originaltext:
OSNABRÜCK. Werbetafeln mit strahlend blauem Hintergrund rücken an vielen Stellen die Dodesheide der Zukunft in den Blick: Finden Sie Ihr neues Zuhause″ oder: So lässt es sich leben grün, ruhig, citynah″ verheißen die gut sichtbaren Flächen. Nirgendwo in der Stadt entsteht derzeit soviel neuer Wohnraum wie in diesem Stadtteil.

Das Baugebiet In der Gartlage″, das den Bereich zwischen Waldfriedhof und dem Platz mit Läden, Gaststätte und Sparkassenfiliale an der Ellerstraße schließt, oder das neue Waldviertel und der Wohnpark Dodesheide im Bereich der früheren Briten-Siedlung der Stadtteil wird seinem Ruf gerecht, citynahes Wohnen zu noch erschwinglichen Preisen zu bieten.
Die Zuwachs-Dynamik machen schon die nackten Zahlen deutlich: Seit 2006 hat die Dodesheide mehr als 1100 neue Einwohner hinzugewonnen. Bei der Gruppe der unter 13-Jährigen verzeichnet der Stadtteil mit plus 221 in den letzten Jahren sogar mit deutlichem Abstand das größte Plus im Stadtgebiet vor dem Westerberg.
Die rasante Entwicklung der letzten Jahre hat vor allem mit der Aufgabe des Standorts Osnabrück durch die britische Rheinarmee 2009 zu tun. Der Abzug der britischen Streitkräfte hat die nutzbare Stadtteilfläche um rund ein Drittel erweitert die Limbergkaserne im Nordosten des Stadtteils war die größte britische Kasernein der Hasestadt. Es ist jede Menge Wohnraum durch den Abzug frei geworden. Vor allem das Wohnquartier Dodesheide-Ost, das rund zehn Straßen im Bereich Dodeshausweg, Am Limberg und In der Dodesheide umfasst, steht hier im Fokus.
Seit Ende der 50er-Jahre, als der Stadtteil durch das Bundesdemonstrativbauvorhaben Dodeshaus landesweit bekannt wurde, ist die Dodesheide auf Wachstumskurs. Damals entstanden mehr als hundert Häuser und Wohnungen, von den Einheimischen als Die Höfe″ bezeichnet. Übrigens alles ohne Keller gebaut, da es sich beim Baugebiet um eine alte Moorgegend handelte. Inhalt der Konzeptplanung war neben unterschiedlichen Hausformen auch ein weitgehend verkehrsfreies Wohngebiet.
Rund ein Vierteljahrhundert später wurde das Baugebiet Hof Hanesch mit verdichteter Bauweise realisiert, das von frei stehenden Einfamilien- und Reihenhäusern geprägt ist. Bereiche, deren Gestaltung nicht nur Zustimmung fand. Der frühere Oberstadtdirektor Raimund Wimmer prophezeite Ende der 70er: Das würden einmal die Slums des Jahres 2000.
Das hat sich nicht bewahrheitet. Der vor Jahrhunderten karge, morastige Landstrich boomt heute, da eine ausgezeichnete Infrastruktur, die von Kindertagesstätten über alle Schulformen bis zu einer Busanbindung im Zehn-Minuten-Takt reicht, optimale Lebensbedingungen bietet vor allem für junge Familien.
Das Potenzial der Zuzugsentwicklung zeigt auch das neu entstandene Geschäftszentrum an der Mönkedieckstraße: Vom großen Einkaufsmarkt über die angesagten Discounter bis hin zu einem Super-Biomarkt ist hier gleich alles vor Ort zufinden.
Natürlich hat die aktuelle Entwicklung auch ihre Problemaspekte. Der Bereich Dodesheide-Ost mit seinen überaus günstigen Wohnangeboten verzeichnet steigende Fallzahlen bei den Sozialdiensten. Politiker und die zuständigen Fachleute aus dem Sozial- und Jugendbereich der Stadt warnen aber davor, die Situation zu dramatisieren: Es gebe zwar steigenden Tätigkeitsbedarf, allerdings sei hier auch die größere Bevölkerungszahl im Stadtteil zu berücksichtigen. Stadtjugendpfleger Hans-Georg Weisleder: Die Stadt reagiert auf die Entwicklung. Wir werden mit einem zusätzlichen Präventivangebot für Kinder, Jugendliche und Familien tätig werden.″ Im November startet ein Quartiertreff am Dodeshausweg 73 sein Angebot.

Bildtext:
Eine der Wachstumszonen: das Baugebiet In der Gartlage an der Verlängerung der Knollstraße.
Foto:
Gert Westdörp

OSNABRÜCK. Vom Abzug der Briten ist die Dodesheide besonders betroffen. Allein die Limberg-Kaserne umfasst rund 70 Hektar, die als große Zukunftsaufgabe einer neuen Nutzung zugeführt werden müssen. Weit vorangekommen ist schon die Vermarktung der früher von Militärangehörigen und ihren Familien genutzten Häuser und Wohnungen.
Von den insgesamt 1350 betroffenen Wohneinheiten im gesamten Stadtgebiet entfallen mehr als die Hälfte auf die Dodesheide. Allein 434 Wohnungen umfasst das Quartier Wohnpark Dodesheide, das von Mehrfamilienblocks geprägt wird. Anwohner des Bereichs treibt die Entwicklung die Sorgenfalten auf die Stirn, den die schnell sanierten Wohnungen locken mit ihren günstigen Mieten einen bestimmten Interessentenkreis an.
Es ist sogar vorgekommen, dass bei Abschluss eines Mietvertrages Kosten für den Umzugstransporter übernommen werden oder bei Unterschrift ein Einrichtungsgutschein in Höhe von ein paar Hundert Euro beziehungsweise ein Renovierungszuschuss gewährt werden. Bedingungen, die einem Mieterkreis mit geringem Einkommen eine schnelle Realisierung des Traums vom schönen Wohnen ermöglichen.
Die Folgen sind sichtbar: Der Anteil der Hartz-IV-Leistungsempfänger ist mit mehr als 25 Prozent in dem Bereich besonders hoch. Fast die Hälfte der hier lebenden Kinder unter 15 Jahren wächst in Haushalten mit Sozialgeldbezug auf. Die Sicht der Fachleute: Eine Zunahme von sozialen Problemlagen ist feststellbar.
Ein Ur-Dodesheider sieht die Entwicklung mit großer Sorge: Die Stadt darf den Bereich nicht sich selbst überlassen. Das ist ein Sanierungsgebiet.″
Die Stadt richtet gerade einen Quartiertreff am Dodeshausweg 73 ein, um die Situation der Familien sowie der Jugendlichen und Kinder zubessern. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre befristet und umfasst insgesamt zwei Stellen.
Die Aufgabe: Anlaufstelle für alle Bewohner des Quartiers zu sein sowie Aufbau eines multiprofessionellen Hilfsnetzwerks. Vorgesehene Öffnungszeiten: fünf Tage in der Woche. In den Herbstferien soll es schon erste Aktionen geben.

Bildtext:
Mehrfamilienhäuser prägen im Bereich Dodesheide-Ost das Bild. 434 der insgesamt 732 im Stadtteil früher von den Briten genutzten Wohneinheiten entfallen auf die rund zehn Straßen des Quartiers Wohnpark Dodesheide.
Foto:
Gert Westdörp

Name
Der Name des Stadtteils kann nicht, wie häufig angenommen, mit Todesheide″ übersetzt werden. Vielmehr ist der Bezug zu den Bischöfen Dodo I. undII. wahrscheinlicher, die beide im 10. Jahrhundert gelebt haben.

Zahlen
In der Dodesheide leben heute 8647 Einwohner, damit nimmt sie den 6.Platz in der Statistik der 23 Osnabrücker Stadtteile ein. Alterszusammensetzung (Zahl der ausländischen Mitbürger in Klammern): unter 7 Jahren: 648 (51), 7 bis 14 Jahre: 542 (52), 14 bis 18 Jahre: 310 (37), 18 bis 40 Jahre: 1978 (540), 40 bis 65 Jahre: 2572 (252), 65 Jahre und älter 1626 (39). Um die Menschen kümmern sich 9 Arzt- und ärztliche Gemeinschaftspraxen, darunter 2 für Zahnheilkunde. Die Fläche beträgt 449, 27 Hektar (Stadt gesamt: 11 980), davon sind 174, 12 ha Wohnbaufläche, 2, 92 ha gewerbliche Baufläche, 72, 69 ha Sonderbaufläche (Einrichtungen des Bundes, Hochschulen, GVZ, großflächiger Einzelhandel), 11, 21 ha für Gemeinbedarf, 10, 10 ha Verkehrsfläche (davon 10, 09 Straßen, 0, 01 ha Bahnanlagen), 5, 09 ha Sportplätze, 20, 38 ha Friedhöfe, 19, 67 ha sonstige Grünflächen, 60, 69 ha Landwirtschaft, 70, 81 ha Wald/ Forstwirtschaft, 1, 50 ha Wasserflächen.

Besonderes
Bis ins 20. Jahrhundert bestand die Bebauung des Stadtteils im Wesentlichen aus Bauernhöfen. Bekanntestes Bauwerk ist das Ende des 16. Jahrhunderts erbaute Haus Gartlage, ehemals ein Besitz der Jesuiten, die damals am Gymnasium Carolinum tätig waren. Eine großflächige Bebauung begann erst in den 1950er-Jahren. Zwei Jahrzehnte später war dort der Standort der Universität vorgesehen, wovon in der Mecklenburger Straße das mit 206 Wohnplätzen ausgestattete zweitgrößte Studentenwohnheim der Stadt zeugt.

Vor Ort
Am Freitag, 12. Oktober, ist die NOZ-Redaktion vor Ort. Von 10 bis 12 Uhr bittet Till am Combi-Markt (Mönkedieckstraße) zum Gespräch.

OSNABRÜCK. Auf ihren Stadtteil, in dem sie mittlerweile seit mehr als 40 Jahren zu Hause ist, lässt Karin Jabs-Kiesler, die seit 2002 als Bürgermeisterin Osnabrück vertritt, nichts kommen: Wenn es um Dodesheide geht, hebe ich ab!″, erklärt die 73-Jährige mit Power in der Stimme.
Hoher Freizeit- und Erholungswert, gute Infrastruktur mit hervorragenden Einkaufsmöglichkeiten sowie kurze Wege in die Stadt und ins Grüne da hat es für sie selbst der Westerberg schwer mitzuhalten. Dazu kommt noch ein historisches Juwel: die Landwehr, eine Schutzanlage aus dem Mittelalter für die Ackerflächen, die sich früher fast rund um die Stadt zog und heute neben Eversburg noch gut in der Dodesheide nachzuvollziehen ist.
Die Historikerin hat einen ganz besonderen Bezug zur einstigen Schutzanlage für die Ackerbürger der Stadt: Die Landwehr verläuft gleich hinter ihrem Haus am Hesselkamp: Das ist ein gut erhaltener, von Bäumen gesäumter grüner Finger, der sich von der Gartlage bis in die Nähe der Nackten Mühlein Haste zieht und bei jedem Wetter zu ausgedehnten Spaziergängen einlädt.″ Früher war die Landwehr einmal ein rund 18 Kilometer langes System aus Gräben und mit Sträuchern bepflanzten Wällen, die bis mehr als vier Kilometer vor der Stadtmauer sowohl eine Barriere für anrückende Feinde bildetet als auch eine Begrenzung der Weideflächen und damit vor Viehdiebstahl schützten. Zudem hatten die ehemaligen Landwehren eine Verbindungsfunktion zu den angrenzenden Stadtteilen.
Karin Jabs-Kiesler: Leider ist es nur zum Teil gelungen, die Landwehr wieder herzustellen und für die Allgemeinheit zugänglich zu machen, da früher bei Grundstücksverkäufen versäumt wurde, dass sich die Stadt die dafür notwendigen Teilflächen sichert. Die Bedeutung wurde erst später gesehen.″
So kommt es, dass die idyllischen Fuß- und Radwege von privaten Grundstücken unterbrochen werden und nicht durchgängig sind. Aber am idyllischen Reiz und dem Stellenwert der Landwehr ändert das aus ihrer Sicht nichts: Eine einmalige Grünzone, wie sie nur noch selten so gut erhalten ist faszinierend.″ Die Nähe zur Natur ist für sie einer der großen Pluspunkte der Dodesheide, der auch bei der Lebensqualität durchschlage: Es gibt Beispiele, wo sogar Häuser am Westerberg aufgegeben wurden, um sich an reizvollen und ruhigen Ecken der Dodesheide etwas Neues zu suchen″, macht sie zum Stellenwert des Stadtteils deutlich. Für die langjährige Ratsfrau hätte es der Bestätigung nicht bedurft: Besser versorgt und ruhiger kann man in der Stadt nicht leben″– auch wegen der Landwehr.

Bildtext:
Naturnahes Wohnen: Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler ist überzeugte Dodesheiderin. Ihr Lieblingsplatz: der Landwehrgraben.
Foto:
Elvira Parton
Autor:
Wolfgang Elbers


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