User Online: 1 | Timeout: 13:18Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadt geht gegen Nutrias vor
 
Nutrias unterhöhlen das Klärwerk
Zwischenüberschrift:
Mithilfe von Funkfallen sollen die Bestände in Osnabrück klein gehalten werden
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Sie werden bis zu 65 cm groß, bis zu zehn Kilogramm schwer und sind für viele ein Ärgernis: Nutrias. Die ursprünglich aus Südamerika stammende Nagetierart vermehrt sich auch aufgrund der milden Winter rasant und könnte in Osnabrück schwere Schäden verursachen. Das zeigt sich beispielsweise am Eversburger Klärwerk: Dort drohte infolge von Unterhöhlungen, die auf das Konto der Tiere gehen, der Inhalt eines Schmutzwasserbassin in die Hase abzufließen. Die Stadt geht aktiv gegen die Tiere vor, Jäger setzen unter anderem funkgesteuerte Lebendfallen ein. Und sie setzt auch auf Aufklärung: Denn so mancher scheint nichts von dem offiziellen Fütterungsverbot zu wissen, wie sich unter anderem am Regenrückhaltebecken am Nettebad zeigte. Dort fütterten Spaziergänger die Tiere.

Osnabrück Mit Lebendfallen wird in der Stadt Osnabrück seit einiger Zeit gegen die wachsende Nutria-Population vorgegangen. Denn die Tiere vermehren sich rasant und verursachen teils gravierende Schäden.
Erwartungsvoll reckt sich eine Nutria der Hand eines Spaziergängers entgegen. Daneben knabbern ein Dutzend der Tiere an ausgestreutem Gemüse. Szenen wie diese haben sich in diesem Jahr an den Regenrückhaltebecken am Nettebad häufig abgespielt. Ein Wahnsinn, was da los war, und wie viele Nutrias sich dort tummelten″, kommentiert Jürgen Lambrecht die von ihm mit einem Smartphone gefilmte Szenerie.

Fütterverbot ignoriert

Der Kreisjägermeister weiß um die Probleme und die von Nutrias verursachten Schäden im Stadtbereich, vor allem durch Uferunterhöhlungen und beschädigte Wasserbauwerke. Das offizielle Fütterungsverbot, das nicht nur an der Nette von Tierfreunden gerne mal ignoriert wird, sofern es denn überhaupt allgemein bekannt ist, dient aber auch dem Schutz der Passanten. Erst kürzlich habe ein Mann beim unvorsichtigen Füttern in der Dodesheide eine Bissverletzung erlitten, berichtet Lambrecht.
Die Einhaltung des Fütterungsverbots ist auch Osnabrücks amtlich bestelltem Jagdaufseher Reinhold Rethschulte ein Anliegen, der bei Vorfällen mit Wildtieren im Stadtgebiet tätig wird. So auch im Fall einer großen und wenig scheuen Nutria, die ebenfalls in der Dodesheide für viel Verunsicherung sorgte. Sie hielt sich direkt vor Haustüren auf, und einige ältere Anwohner trauten sich daraufhin nicht mehr aus ihren Wohnungen.
Dass die Bestandszahlen der Nutrias in den vergangenen Jahren in Osnabrück und Umgebung überhaupt derart in die Höhe schnellen konnten, ist nicht nur eine Folge der hohen Reproduktionsrate der Tiere. Vor allem die milden Winter sind es, die die Ausbreitung der großen Nagetiere begünstigen, die zu einer Unterordnung der Stachelschweinartigen gehören. Entsprechend können die frostempfindlichen Nutrias als Profiteure des Klimawandels bezeichnet werden.
Um der weiteren Ausbreitung der ursprünglich aus Südamerika stammenden Tiere entgegenzuwirken, wurden im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit der Stadt 16 funkgesteuerte Lebendfallen″ an die Osnabrücker Jägerschaft ausgeliefert. Sie kommen seither in den Gebieten der vier städtischen Hegeringe zum Einsatz. Im Gegensatz zu Totfallen″, von denen ohnehin nur wenige zugelassen sind, können dank der neuen Fallen keine anderen Tierarten zu Schaden kommen, deren Vertreter unbeabsichtigt in die Falle gelangen. Auch ein zeitaufwendiges Ansitzen bei der Jagd auf Nutrias entfällt. Denn der Einsatz von Lebendfallen″ bedeutet nicht etwa, dass Nutrias, die hineintappen, am Ende mit dem Leben davonkommen.

Intensive Bejagung

Zu denen, die die gefangenen Exemplare fachgerecht erlegen, gehört Jagdpächter Achim Leismann, Vorsitzender des Hegerings West, der vier dieser Fallen betreut. Sobald eine Nutria in einer solchen gefangen wurde, erhält Leismann ein Signal auf sein Smartphone und rückt zum Einsatz aus. 98 Tiere waren es bisher in diesem Jahr, die der Jagdpächter mithilfe der Fallen gefangen und im Nachgang erlegt hat.
Die ungewöhnlich hohe Zahl verdeutlicht zum einen, welche Bestandsgröße die Tiere bereits erreicht haben, zeigt aber auch, wie effektiv die Lebendfallen die ihnen zugedachte Aufgabe erfüllen. Auch Kreisjägermeister Jürgen Lambrecht geht von einem wesentlichen Rückgang der Nutriapopulation im Stadtgebiet infolge der intensivierten Bejagung aus. Anfang Februar werden ihm dazu auch die Zahlen für 2020 vorliegen.
An diesem Nachmittag ist es die aufgestellte Lebendfalle am Hischebach westlich von Atter, die Jagdpächter Leismann einen Fang signalisiert. Gemeinsam mit Jagdaufseher Rethschulte macht er sich auf den Weg. An einer sumpfigen Wiese geht es mit dem Jeep nicht weiter, der Rest des Weges muss zu Fuß zurückgelegt werden.
Der Abfangkorb, mit dem Leismann getötete Tiere normalerweise abtransportiert, bleibt allerdings im Auto, denn aufgrund der Pressepräsenz soll die gefangene Nutria ausnahmsweise wieder in die Freiheit entlassen werden. Auf dem Weg zur Falle berichtet Rethschulte, dass an der Hase aktuell nahezu alle Nutrias verschwunden sind. Für diesen massiven Rückgang macht der Jagdaufseher allerdings nicht die Bejagung verantwortlich, sondern die Auswirkungen des verhängnisvollen Brandes im Fledder, bei dem im Juli kontaminiertes Löschwasser die Hase großflächig verseuchte. Diese Einschätzung teilt auch Jürgen Lambrecht.

Eine Daueraufgabe

Was die langfristige Präsenz der Nutrias in Osnabrück angeht, zeigen sich sowohl Lambrecht als auch Rethschulte frei von Illusionen. Los werden wir die Tiere hier nicht mehr, insofern wird die Zurückdrängung des Bestandes eine Daueraufgabe bleiben″, betont etwa der Kreisjägermeister. Wie brenzlig es lokal durch die Präsenz von zu vielen Nutrias werden kann, verdeutlicht das Beispiel des Eversburger Klärwerks. Dort drohte infolge von Unterhöhlungen, die auf das Konto der Tiere gehen, der Inhalt eines Schmutzwasserbassin in die Hase abzufließen. Das hätte einen weiteren herben Rückschlag für den Fluss bedeutet, der gerade noch rechtzeitig abgewendet werden konnte.
Bei der Ankunft an der Lebendfalle am Hischebach zeigt sich, dass der Funkalarm korrekt ausgelöst wurde. Ein stattliches Nutria-Exemplar befindet sich in dem Behältnis. Die mächtigen, von Eiseneinlagerungen orangegefärbten Zähne sind deutlich zu erkennen.
Mit einigen Handgriffen öffnet Leismann die Fallenklappe. Es dauert einen Moment, bis sich das Tier nach draußen begibt.
Statt eilig davon zu hasten, verharrt es zunächst scheinbar unbeeindruckt am Uferrand und hebt dabei seine stumpfe Schnauze witternd in die Luft. Dann schwimmt es zielstrebig davon in eine ihm dieses Mal ausnahmsweise gewährte Freiheit auf Zeit.

Bildtexte:
Eine Nutria vor dem Eingang einer Lebendfalle am Hischebach bei Osnabrück-Atter.
Auge in Auge mit der Nutria. Eine mit einer Lebendfalle gefangene Nutria, bei der die typischen langen Schnurrhaare gut zu erkennen sind.
Jagdpächter Achim Leismann auf dem Weg zur Kontrolle einer Lebendfalle, die ihm mittels Funksignal signalisiert hat, dass eine Nutria gefangen worden ist.
Fotos:
David Ebener
Autor:
Christoph Beyer


Anfang der Liste Ende der Liste