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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Streit um Flächenkauf: Was würde Möser sagen?
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Das war knapp: Ja zum Grundstückskauf Stadt übernimmt 22 Hektar im grünen Finger für 15 Millionen Euro″ und dem Kommentar Etwas mehr Vertrauen, bitte″ von Wilfried Hinrichs (Ausgabe vom 16. Dezember).

Für sehr viele Menschen werden Wohnungen in einem stadtnahen Gebiet mit guter Infrastruktur (Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Stadtbusanbindung, Radwegenetz und so weiter) und hohem Erholungswert geschaffen. Die Planungen sehen außerdem vor, dass viele preiswerte Wohnungen entstehen. Die Veränderungen werden sich aber auch positiv auf die Natur auswirken:
1. Für das Artensterben in Deutschland ist die herkömmliche Landwirtschaft in hohem Maße verantwortlich. Statt der monotonen Ackerflächen werden durch Gärten, Feuchtbiotope, Blühwiesen und die erweiterten Waldflächen vielfältige Lebensräume geschaffen, die zu einer deutlichen Erhöhung der Pflanzen- und Tierarten führen.
2. Im Sommer wird die kühlende Wirkung des grünen Fingers verstärkt, weil die Bäume und die Wasserflächen deutlich mehr Wasser verdunsten als die bisher bestehende Getreidefläche. Durch die Größe der renaturierten Fläche (60 Prozent) kann viel kalte Luft in die Innenstadt strömen.
3. Der grundsätzlich bestehende Nachteil einer Bebauung besteht in der weiteren Versiegelung der Landschaft. Die nördlich der Knollstraße am Waldfriedhof gelegene Bebauung weist eine Lösung auf; denn dort wird das Regenwasser nicht über Rohre abgeleitet, sondern fließt oberflächlich durch Gräben, Teiche und Sumpfflächen, sodass es versickert und dem Grundwasser zugeführt wird.″

Bernd Tebrügge
Osnabrück

„[…] Muss denn die Stadt diese 21, 5 Hektar Grünflächen erst selber kaufen, um dadurch anderweitige Nutzung von Investoren zu verwehren? Ist denn nicht deren eigene Verwaltung jene, die im Bebauungsplan vorgeben kann, welche Flächen wie zu nutzen oder zu bebauen sind? Scheinargumente wie diese werden verstärkt, wenn ich mich an die Zusicherung der Stadtverwaltung im Jahre 2010 zur Erstbebauung der Eiswiesen erinnere, dort zukünftig keine weiteren angrenzenden Flächen zur Bebauung auszuweisen… Auch in der Straßenerneuerung am Hunteburger Weg wurde uns Anliegern seitens der Verwaltung wiederholt mündlich und schriftlich zugesichert, dass die geforderten Zahlungen korrekt seien; nach Rechtsklage jedoch musste die Stadt mehr als 50 Prozent zurückzahlen.
Mit ähnlichen Erfahrungen mag es wenig verwundern, wenn der Bürger den Verantwortlichen in Rat und Verwaltung nicht mehr unbedingtes Vertrauen entgegenbringt oder deren Zusicherungen vom Erhalt des grünen Finger Glauben schenken kann.
Dass obendrein im Kommentar zur Berichterstattung die Kritiker als Verschwörungstheoretiker diffamiert werden, müssen jene als verletzend empfinden. Fragwürdig scheint dort ebenso die Aussage, warum schon bestehende Flächen an Wald, Wiesen und Ackerland für zig Millionen erworben und wie auch immer nochmals für Natur und Mensch aufgewertet werden sollen. Dieses Geld zugunsten der hohen Kinderarmut in Osnabrück wäre eine bessere Investition gewesen.″

Helmut Korte
Osnabrück

Ich widerspreche Ihrem Kommentar zu den Bauplänen der Stadt Osnabrück südlich der Knollstraße rigoros! Man sollte einfach die Begrifflichkeit aus der kontroversen Debatte herausnehmen hier sind sich nämlich sämtliche Lager selbst nicht im Klaren: Was sind eigentlich exakt , die Eiswiesen′? Fakt ist, das ist den NOZ-Artikeln der letzten Jahrzehnte klar zu entnehmen, dass in der knallharten Haushaltsverhandlung 2007 zwischen SPD/ Grünen und CDU der Kompromiss eingegangen wurde: Bebauung der nördlichen Knollstraße ja, aber nur, wenn der Bereich südlich der Knollstraße unangetastet bleibt. , Ohne das zähneknirschende, rot-grüne «Ja» zur Kompromisslösung wäre der Haushalt gescheitert und die Stadt wahrscheinlich unregierbar geworden.′ (Artikel in der NOZ vom 15. September 2014: , Einmal Baugebiet und zurück Osnabrücker Eiswiesen blieben am Ende unbebaut′ von Dietmar Kröger).
Der jetzige Slogan , Die Eiswiesen werden nicht bebaut! zeugt, vor diesem geschichtlichen Hintergrund, von einer klassischen Doppelmoral gelinde gesagt.″

Sabine Noack
Osnabrück

Wie würde Justus Möser sich heute im Osnabrücker Dauerstreit um die aktuell drohende Vernichtung der Osnabrücker grünen Finger positionieren? Der Osnabrücker Staatsmann war […] ein ebenso innovativer wie konservativer Aufklärer fürs Praktische. Möser würde heute sicher mehr als verwundert auf die ungenutzten freien Grünflächen im Osnabrücker Stadtgebiet blicken und wohl kaum verstehen, warum heute so wertvoll gemeiner Boden nicht gesteigerten Profit erwirtschafte anstatt den Menschen zur Erholung überlassen bliebe. Zu Mösers Zeiten war Natur gewissermaßen , unfrei′: Grund und Boden waren einzig und allein der landwirtschaftlichen Nutzung vorbehalten. , Unser ganzes Stift′ , so zitierte die Osnabrücker Historikerin Annika Schmidt Möser, , ist in Marken, worin Dörfer und einzelnen Wohnungen zerstreut liegen, verteilet und die Grenzen derselben treffen mit keiner Landes, Amts, Gerichts, Kirchspiels oder Bauernschaftsgrenze zusammen.′ Es wurde, so Schmidt weiter, eine , extensive Landwirtschaft ohne Brachhaltung des Ackers betrieben, bei der die Kühe, Schweine, Ziegen im Sommer auf die Gemeindeweide getrieben wurden.′ Justus Möser versuchte diese traditionelle Markenwirtschaft zu reformieren und propagierte zumindest als Fernziel in der Zukunft eine fast modern anmutende Intensivierung der Bodennutzung: etwa durch Futterkräuteranbau, eine ganzjährige Stallfütterung und die Urbarmachung von Heideflächen. Statt das Vieh traditionellerweise auf die Gemeinweide zu treiben, sollte es künftig im Stall gehalten werden statt genossenschaftlicher Nutzung als eine profitablere Intensivierung von Natur/ beziehungsweise Ackerboden. Mit diesem Ziel der Steigerung landwirtschaftlicher Produktion und der zunehmenden Extensivierung der Flächennutzung dachte Möser ganz im aufgeklärten Zeitgeist des späten 18. Jahrhunderts. Doch der Osnabrücker Jurist arbeitete dabei mit durchaus modernen Ideen einer Gemeinwohlorientierung: Er appellierte an die , Markgenossen′, ihr individuelles Wohl dem allgemeines Staatswohl unterzuordnen bei gleichzeitig erhoffter Ertragssteigerung des Bodens und höheren Steuerzahlungen.
Mösers pragmatisch-liberale Agrar-Reformen zielten auf eine deutliche Intensivierung der Bodennutzung sehr wahrscheinlich würde Möser uns heute Lebende ziemlich entgeistert fragen, wie man denn freiwillig auf die Erträge des Bodens verzichten wolle und was denn überhaupt dieser eigenartig unverständliche Diskurs einer grünen Natur oder die heute praktizierte Verwandlung von Boden in spekulatives Kapital bedeute . . . Doch Möser hatte gleichwohl auch etwas von einem praktischen Visionär. Er spekulierte (wenn auch nur sehr kurz) über die Anlegung künstlicher Wiesen und notierte den spontanen Einfall, wie man dürre Heide in fruchtbare Wiesen verwandeln könnte. Dabei hatte Möser unsere grüne Zukunft vorwegnehmend auch langfristige Effekte im Auge: , Die Natur ist so leichtfertig nicht. Sie teilet ihre Gaben nur in Verhältnis unserer Mühe aus; und wenn wir schlechte, kalte, dürre oder andere Gründe durch die Kunst zu Wiesen machen wollen: so ist es nicht genug, daß wo etwa einmal pflügen und düngen und denn sofort einige edle Gräser oder Kräuter hineinsäen. Nein, es wird mehrers erfordert …′ Justus Möser sollte recht behalten: Boden ist heute weit mehr als ein extrem gewinnbringendes Kapital; es ist, wie die Osnabrücker Kontroverse um die grünen Finger deutlich zeigt, eine Lebensgrundlage für die Gemeinschaft und ein letztlich unbezahlbares Gut für die Zukunft.″

Dr. Michael Kröger
Osnabrück

Bildtext:
Der grüne Finger Gartlage: Unten links das KME-Gelände und die Halle Gartlage, diagonal die DB-Strecke nach Bremen, ganz oben in der Mitte die Flächen, die als Wohngebiet ausgewiesen werden sollen.
Foto:
Geodaten Osnabrück
Autor:
Bernd Tebrügge, Helmut Korte, Sabine Noack, Dr. Michael Kröger


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