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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Scharfe Kritik an Neumarkt-Investor
Zwischenüberschrift:
Linkspartei, Jusos und junge Grüne fordern deutlichere Distanzierung von der AfD
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Linke, Jungsozialisten und die Grüne Jugend haben Vorbehalte gegen die Lindhorst-Gruppe geäußert, die am Neumarkt ein neues Stadtviertel bauen will. Die Jungpolitiker stoßen sich daran, dass der Aufsichtsvorsitzende der Lindhorst-Gruppe, Jürgen Lindhorst, im Verdacht steht, mit der AfD zu sympathisieren.
Bevor die Verbindungen zur AfD seitens der Lindhorst-Gruppe nicht eindeutig ausgeräumt sind, sollte es keine weiteren Verhandlungen der Friedensstadt Osnabrück mit der Gruppe geben.″ Mit diesen Worten wird Juso-Sprecher David Olef in einer Mitteilung der Jugendorganisation zitiert. Die Jusos seien erschrocken″ über die Verbindungen der Lindhorst-Gruppe zur AfD.
Jürgen Lindhorst ist der Vater von Alexander Lindhorst, der am Neumarkt rund 140 Millionen Euro investieren will. Alexander Lindhorst hat sich öffentlich mehrfach von den AfD-Aktivitäten seines Vaters distanziert, zuletzt in einem Gespräch mit unserer Redaktion: Ich bin Mitglied der CDU und, ja, ich bin eher konservativ.″ Mit der AfD aber, so versicherte er, verbinde ihn nichts, aber auch gar nichts″.

Nur leere Worthülsen?

Den Jusos und der Grünen Jugend ist diese Distanzierung nicht genug. Sie fordern, dass die Firmen-Gruppe sich vom Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Lindhorst trennt. Sonst seien die Bekundungen von Alexander Lindhorst nur leere Worthülsen″, so Nico Möller, stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos.
Jürgen Lindhorst hatte 2018 den thüringischen Wortführer des rechten AfD-Flügels, Björn Höcke, zu einem privaten politischen Abend mit etwa 90 Gästen eingeladen. Auch wenn Jürgen Lindhorst nicht mehr im operativen Geschäft der Lindhorst-Gruppe tätig sei, profitiere er als Aufsichtsratsvorsitzender von deren Geschäften, so die Jusos. Verschiedene Berichte über Herrn Lindhorst geben Anlass zur Sorge, dass sein Wertekompass nicht mit dem der Friedensstadt Osnabrück kompatibel ist″, so Sophie Haas, Mitglied des Juso-Vorstandes.

Weit verzweigt

Der Familienbetrieb Lindhorst hat seinen Ursprung im Viehhandel. Jürgen Lindhorst machte das Unternehmen in den Siebziger- und Achtzigerjahren nach eigenen Angaben zum größten Viehhandel in Norddeutschland und weitete die Geschäftsfelder auf Immobilien und Baulandentwicklung aus. Die Kinder von Jürgen Lindhorst haben jeweils eigene Geschäftsbereiche entwickelt und agieren selbstständig. Nach der Wende kaufte die Lindhorst-Gruppe große Agrarflächen in Ostdeutschland, die hauptsächlich für die Stromerzeugung aus Biomasse genutzt werden.
Diesen Punkt greift die Links-Fraktion im Osnabrücker Rat auf. Die Linken werfen der Lindhorst-Gruppe sogenanntes Landgrabbing vor. Damit ist die Aneignung möglichst größer Agrarflächen gemeint, um EU-Agrarsubventionen zu kassieren. Die Mais-Monokulturen zur Energiegewinnung schadeten außerdem den Böden und der Umwelt. Giesela Brandes-Steggenwetz bedauert, dass die Stadt die Flächen nicht selbst gekauft hat. Wir werden den Prozess weiter kritisch begleiten″, so die Linken-Politikerin.
Alexander Lindhorst, der sich auf den Bau und Betrieb von Pflege- und Gesundheitszentren konzentriert hat, gründete für das Investment in Osnabrück eine eigene Gesellschaft. Die Neumarkt Quartier GmbH, deren Gesellschafter die Kinder Lindhorsts sind, will 140 Millionen Euro in die Hand nehmen, um auf dem ehemaligen Center-Areal ein Viertel mit Wohnungen, Einzelhandel, Büros und Kultureinrichtungen zu schaffen.
Kritische Fragen zur AfD-Nähe seines Vaters begleiten Alexander Lindhorst bei allen öffentlichen Auftritten. Er geht offen damit um. Wer im Internet den Namen Lindhorst sucht, stößt schnell auf Zeitungsberichte über den Höcke-Besuch bei Jürgen Lindhorst in Winsen/ Aller.
Die großen Fraktionen im Osnabrücker Rat sehen darin keinen Anlass, die Zusammenarbeit mit Alexander Lindhorst infrage zu stellen. Im Gegenteil. CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde sagte Anfang Dezember in seiner Rede zum Haushalt: Mit Alexander Lindhorst engagiert sich der Eigentümer eines starken niedersächsischen Familienunternehmens ins vierter Generation in unserer Stadt. Endlich können wir einem Investor bei Verhandlungen in die Augen schauen und haben es nicht mehr mit einem anonymen Global Player zu tun.″

Lob aus Meppen

Auch aus Meppen kommen positive Reaktionen auf den Neumarkt-Verkauf. Ich kann Osnabrück dazu nur beglückwünschen″, sagte Raphael Wellen, Geschäftsführer der Pro Urban. Die Pro Urban will an der Möserstraße ein modernes Wohnviertel bauen, dessen Grundidee mit der Lindhorst-Investition an der Johannisstraße vergleichbar ist. Die beiden Projekte konkurrierten nicht miteinander, weil Pro Urban etwas andere Zielgruppen im Blick habe, sagte Wellen. Die Osnabrücker City wird bunter und vielfältiger. Davon werden alle profitieren.″ In der ersten Jahreshälfte 2021 soll der Abriss der Altimmobilien an der Möserstraße und Georgstraße beginnen.

Bildtext:
Gespiegeltes Sonnenlicht lässt die Fassade des grünen Kachelhauses am Neumarkt in Osnabrück erstrahlen. Das Kachelhaus und umliegende Gebäude sollen bald einem innovativen Wohnquartier weichen.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Wilfried Hinrichs


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