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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein Platz für den „Stadtschreiber″
Zwischenüberschrift:
Straßenkunde: Hoffmeyer – Ein Chronist der Stadt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Ludwig Hoffmeyer hätte wahrscheinlich seine helle Freude daran, könnte er heute aus seiner Wohnung in der Rehmstraße die paar Schritte herübergehen zu dem Platz, der seit 1935 seinen Namen trägt, und den jungen Nachwuchs-Kickern zuschauen, die hier jeden Nachmittag die Bälle in den Fangzaun des Bolzplatzes dreschen.

Für den Bunker gleich daneben, der seit dem Sprengversuch durch die Engländer schräg in den Himmel ragt, hätte er wohl eher ein Stirnrunzeln übrig. Der Luftschutzturm aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs erinnert an die schlimmsten Jahre der Stadtgeschichte. Ludwig Hoffmeyer musste sie nicht miterleben. Er starb, hochbetagt, am 2. Januar 1935, ausgerechnet am stadtgeschichtlich bedeutsamen Handgiftentag, über den er so viel geforscht hatte.
Was zeichnete Ludwig Hoffmeyer aus, dass ein städtebaulich herausragend gestalteter Platz, im Kreuzungspunkt der Wüsten-Magistralen Rehm- und Parkstraße gelegen, nach ihm benannt wurde? Mit der Chronik der Stadt Osnabrück″, in der ersten Auflage 1918 erschienen, schuf er das Standardwerk, das für fast ein Jahrhundert die gültige Beschreibung der Stadtgeschichte darstellte. Es wurde erst 2006 durch die von Gerd Steinwascher herausgegebene Geschichte der Stadt Osnabrück″ ersetzt. Hoffmeyers Chronik wurde zwar nach seinem Tod in späteren Auflagen durchgesehen und fortgeschrieben, unter anderen von Ludwig Bäte und zuletzt 1995 durch Frank Henrichvark, aber sie blieb im Kern doch sein Werk.
Das Erstaunliche dabei ist, dass Hoffmeyer erst anfing, ganz tief in das Quellenstudium einzudringen, als er schon Pensionär war. Von seiner Vorbildung her war er kein Historiker, sondern Schulmann. 1845 wurde er in Linsburg, Kreis Nienburg/ Weser, als Sohn eines Zimmermeisters geboren. Bereits als 16-Jähriger trat er als Verweser″ seine erste Lehrerstelle in Lauenstein bei Hameln an. Unterbrochen von Seminar-Ausbildungen, füllte er Lehrerstellen in Bleckede (Elbe) und Großgoltern (Deister) aus. 1874 übernahm er die Präparandenanstalt″ für Ostfriesland in Aurich. Er unterrichtete jetzt also nicht mehr Schüler, sondern angehende Lehrer. In die 20 Jahre seiner Auricher Zeit fallen die ersten Veröffentlichungen von Schulbüchern. 1894 wurde er an das Evangelische Lehrerseminar Osnabrück versetzt, wo er bis zu seiner Pensionierung 1916 wirkte. Danach veröffentlichte er 47 größere und kleinere Werke historischen Inhalts. 1924 verlieh die Universität Göttingen ihm die Ehrendoktorwürde. Bis wenige Tage vor seinem Tod ging der 89-Jährige noch täglich zum Archiv am Wall, um zu forschen.
Nach seinem Tode wurde der 1880 angelegte Wüstenplatz″ in Hoffmeyerplatz″ umbenannt. Er gehört zu den wenigen Straßen und Plätzen in Osnabrück, die zwar auf jeder Karte verzeichnet sind, aber keinem einzigen Bürger als Wohnanschrift dienen. Alle Häuser im Platzgeviert sind entweder der Rehm- oder der Parkstraße zugeordnet.

Bildtexte:
Ein Straßenschild gibt es nicht, wohl aber eine Bushaltestelle.
Veröffentlichte 47 Werke historischen Inhalts: Ludwig Hoffmeyer.
Fotos:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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