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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
„Evakuiert nach unbekannt″
Zwischenüberschrift:
Nationalsozialisten ermordeten Leopold und Hedwig Schoeps im Konzentrationslager Auschwitz
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Sie wollten die Spuren ihrer jüdischen Opfer verwischen auch die von Leopold und Hedwig Schoeps. Doch jetzt erinnern Stolpersteine an die beiden Osnabrücker, die den Massenmördern im Konzentrationslager ausgeliefert waren – „ zwei Menschen von sechs Millionen″, für die es keine Grabstätte mit Namen″ gibt, wie es Jutta Höllger bei der Verlegung beschrieb.

Leopold Schoeps war Kaufmann und Geschäftsführer der Osnabrücker Filiale des Schuhfabrikanten Conrad Tack & Cie″ in der Großen Straße 15. Er und seine Frau Hedwig wohnten im Haus Möserstraße 23 in der zweiten Etage. Wie Martina Sellmeyer, Autorin des Buches Stationen auf Weg nach Auschwitz″, berichtet, stammte das Ehepaar aus Polen, lebte bis 1916 im westpreußischen Briesen und zog dann nach Osnabrück. Überliefert ist, dass sich Leopold Schoeps in der jüdischen Gemeinde engagierte und im Vorstand eines Wohltätigkeitsvereins für Krankenpflege und Bestattung mitwirkte.
Die jüdischen Eigentümer der Schuhfabrik Tack in Burg mussten bereits im ersten Jahr des Hitler-Regimes aufgeben. Die Kette wurde bereits 1933 arisiert′ ″, weiß Martina Sellmeyer zwar, doch nicht, wie es anschließend Leopold Schoeps erging. Später verdiente er seinen Lebensunterhalt als Vertreter für Kolonialwaren, bis Nationalsozialisten ihn im Dezember 1938 schließlich aus dem Beruf drängten.
Inzwischen hatten seine beiden Kinder Deutschland verlassen. Bernhard Schoeps wanderte im Alter von 23 Jahren 1936 nach Haifa in Palästina aus und nahm denNamen Benjamin Ben Ariean. Er lebte einige Zeit im Kibbuz Giwath Brenner und war später Direktor einer Schule in Ramat Gan″, berichtet Martina Sellmeyer. Er ist 1977 gestorben.″ Seine jüngere Schwester Paula Schoeps zog mit ihrem Mann Alexander Wexseler nach Frankreich. Ihre Eltern blieben in Osnabrück, und die Nationalsozialisten nahmen ihnen alle Rechte. 1939 mussten Leopold und Hedwig Schoeps in die Heger Straße 24 und 1942 in die Kommenderiestraße 11 ziehen. Nationalsozialisten hatten diese Adressen in Judenhäuser″ umbenannt und dort ihre Opfer unter Kontrolle. Am 1. März 1943 musste auch das Ehepaar Schoeps in einen Zug steigen, der sie in das Konzentrationslager Auschwitz brachte. Offiziell hieß es beschönigend, man habe die Eheleute evakuiert nach unbekannt″. Doch tatsächlich warteten in Auschwitz die Mörder auf sie.
Bereits vorher hatten sich Nationalsozialisten an ihrem Eigentum bereichert. Martina Sellmeyer berichtet: Die Möbel der Familie wurden wie die vieler anderer jüdischer Familien von einem Auktionator namens Mühlenfeld an Osnabrücker versteigert.″ Manche dieser Möbel dürften heute wertvolle Antiquitäten sein.
Während der Verlegungberichtete Ute Széll, weshalb sie sich entschieden hatte, Patin für einen der Stolpersteine zu werden. Sie bezeichnet sich als Kriegskind. Was sie auch heute noch schockierend″ findet, ist das Schweigen der Generation ihrer Eltern. Auf Fragen habe sie als Teenager entweder keine Antwort″ erhalten oder die Auskunft Davon wussten wir nichts″. Auch mit verdrängten Erinnerungen gingen Spuren verloren.

Bildtext:
Möserstraße 23: Jetzt erinnern Stolpersteine an Hedwig und Leopold Schoeps. Die Eheleute wohnten hier, bis Nationalsozialisten ihnen die Wohnung nahmen und sie später in Auschwitz ermordeten.
Fotos:
Gert Westdörp

Stolpersteine
Messingplatten in den Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer Erkrankung oder Behinderung verfolgt wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich europaweit mehrere Hundert Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland weitere in Ländern wie Österreich, Ungarn, Polen, den Niederlanden und in der Ukraine. Paten der Stolpersteine an der Möserstraße 23 sind Ute Széll (für Hedwig Schoeps), Jutta Höllger und Heinrich Enders (für Leopold Schoeps). Verlegt wurden die Gedenksteine von Schülern des Berufsschulzentrums am Westerberg: André Beste, Jan Buddenkotte, Robin-Stephan Dirks, René Oechel, Betim Ukaj, und Carsten Ziegert. Das Büro für Friedenskultur nimmt für weitere Verlegungen Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von Opfern entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 323-22 87. Gunter Demnig wird am Dienstag, 16. Oktober, in Osnabrück weitere Stolpersteine verlegen.
Autor:
Jann Weber


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