User Online: 1 | Timeout: 20:08Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neue Straße auf dem Westerberg
 
Neue Straße für den Westerberg
Zwischenüberschrift:
Rat gibt Geld für Nordspange frei / Kommt danach die West-Straße?
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Der Osnabrücker Stadtrat hat am Dienstagabend Gelder für den Bau der umstrittenen Straße zum Wissenschaftspark am Fuße des Westerbergs freigegeben. Rund vier Millionen Euro wird das 620 Meter lange Asphaltband kosten, das im offiziellen Sprachgebrauch als Erschließungsstraße für den Wohn- und Wissenschaftspark bezeichnet wird. Kritiker sehen in der Straße allerdings den ersten Teil einer Westumgehung, die in der Bürgerbefragung 2014 von einer knappen Mehrheit abgelehnt worden ist. Im Herbst 2021 soll der erste Bauabschnitt beginnen. Es zeichnet sich ab, dass spätestens mit dem Anrollen der Bagger 2021 eine neue Debatte über eine Entlastungsstraße für die westlichen Stadtteile beginnt. Alle bisherigen Bemühungen zur Verkehrsberuhigung sind nämlich gescheitert.

Osnabrück. 2022 und damit etwas später als geplant beginnt der Bau der Nordspange am Wissenschaftspark. Der Rat hat am Dienstagabend die Gelder freigegeben. Damit bahnt sich eine neue Debatte über die Verkehrsführung auf dem Westerberg an.
Die 620 Meter lange Straße ist Teil des 2013 verabschiedeten Bebauungsplans 571 und nicht Gegenstand der Bürgerbefragung von 2014. Sie soll dazu dienen, den Wohn- und Wissenschaftspark in der früheren Kaserne von Norden direkt zu erschließen. Vier Millionen Euro kostet der Bau der Erschließungsstraße, wie sie in allen Unterlagen der Stadt genannt wird. Sie war politisch hoch umstritten, bis der Stadtrat im Februar 2020 die finale Entscheidung zum Bau fällte. CDU/ BOB, SPD und UWG sind von der Notwendigkeit überzeugt. Grüne, FDP, Linke und Piraten hatten im Februar vergebens für einen Aufschub plädiert.
Am Dienstagabend leitete der Rat den nächsten Schritt ein, der zugleich einen Aufschub bedeutet. Denn der Bau wird in zwei Abschnitte geteilt. Zunächst soll im September 2021 die Anbindung der neuen Straße an die Natruper Straße hergestellt werden. Dort ist eine klassische Ampelkreuzung geplant, die bis Ende 2021 fertig sein soll. Weiter geht es dann laut Zeitplan im Januar 2022 mit dem Bau der Erschließungsstraße, die in einem Kreisverkehr an der Sedanstraße enden wird. Bündnis 90/ Die Grünen hatten am Dienstag vergeblich versucht, den Punkt von der Tagesordnung zu kippen.
Der Zeitverzug ist dem hohen Planungsaufwand geschuldet. So haben sich zwischenzeitlich Änderungen beim Lärmschutz ergeben. Die ursprünglichen Verkehrsprognosen beruhten auf der Annahme, dass eine durchgehende Entlastungsstraße gebaut wird, die 2014 in der Bürgerbefragung gekippt wurde. Auf der Erschließungsstraße wird deutlich weniger Verkehr erwartet, der einen geringeren Lärmschutz erfordern wird. Deshalb sind Lärmschutzwände im mittleren Abschnitt der 620 Meter langen Straße nicht nötig. Das spart gut 100 000 Euro ein. In den Unterlagen der Verwaltung steht ausdrücklich, dass die Lücken im Lärmschutz problemlos geschlossen werden können, sollte die Straße eines Tages Richtung Klinikum verlängert werden.
Und das ist der Punkt. Kritiker sehen in der Nordspange den ersten Teil einer künftigen Entlastungsstraße und mahnen, das Ergebnis der Bürgerbefragung von 2014 nicht infrage zu stellen. Auf der anderen Seite plädieren Anlieger der heimlichen Westumgehung (Glückstraße bis Mozartstraße) dafür, die West-Straße wieder auf die politische Tagesordnung zu holen. Auftrieb verspüren die Straßen-Befürworter durch die aktuelle Debatte über die Berliner Kissen.
Wegen der Baustelle Rheiner Straße waren die Bremsbuckel von der Mozartstraße entfernt worden. Die Mozartstraße dient als Umleitungsstrecke. Die Rheiner Straße ist bald fertig, die Berliner Kissen kehren aber auf Beschluss des Stadtentwicklungsausschusses nicht auf die Mozartstraße zurück. Es solle die weitere Verkehrsentwicklung beobachtet werden.
Johannes Lohmöller, Anwohner der Gluckstraße und Wortführer der vom Durchgangsverkehr gequälten Anlieger und Teilnehmer des Runden Tisches Westerberg, ist mit seiner Geduld am Ende. Seit sechs Jahren warteten die Anwohner auf die versprochene Verkehrsberuhigung, den sogenannten Plan B. Alle Vorschläge, die Route über Mozartstraße bis Glückstraße für den Durchgangsverkehr unattraktiv zu machen, seien bislang an Widerständen gescheitert oder hätten sich als untauglich erwiesen wie die Berliner Kissen. Nach über sechs Jahren der Diskussion und Flickschusterei müsse jedem klar sein, dass es nur eine wirkliche Lösung für das Verkehrsproblem auf dem Westerberg gebe, so Lohmöller in einem Gespräch mit unserer Redaktion: der Bau einer Entlastungsstraße.
Lohmöller erinnert daran, dass zum Zeitpunkt der Bürgerbefragung 2014 der Wohn- und Wissenschaftspark noch leer war. Heute sind dort Wohnungen und Firmen, in zwei Jahren wird auch der letzte freie Platz bebaut sein. Das Verkehrsaufkommen werde sich durch die Baugebiete auf dem Finkenhügel (beim Klinikum) und beim Parkhotel nochmals deutlich erhöhen. Auch die Nordspange werde mehr Autofahrer über die heimliche Westumgehung führen. Die einzige Lösung ist eine Netzerweiterung″, so Lohmöller. Also der Bau der Entlastungsstraße.
Bisher wagt sich keine Partei an dieses Thema heran. Die Trasse ist aber weiter vorhanden. So wird zurzeit die Verbreiterung des Güntkebaches geplant, der exakt entlang der Trasse der Entlastungsstraße fließt. Der Bach braucht mehr Raum, um das Wasser aus den künftigen Baugebieten aufnehmen zu können. Bestandteil der Planungen ist zwar keine Straße, aber ein vier Meter breiter Radweg parallel zum Bach.

Bildtext:
Die 620 Meter lange Erschließungsstraße soll 2022 fertiggesellt werden.
Die geplante Erschließungsstraße zieht sich in Nord-Süd-Richtung durch den Grünstreifen. Rechts der Wohn- und Wissenschaftspark, links die Paracelsus-Klinik. Das Luftbild entstand 2019.
Grafik:
Matthias Michel
Autor:
Wilfried Hinrichs


Anfang der Liste Ende der Liste