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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Verliert eine Häuserreihe ihre Gärten?
Zwischenüberschrift:
Anwohner der Knollstraße in Osnabrück sind bestürzt über Bauvorhaben
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Eine Idylle in Gefahr: Anwohner der Knollstraße sind bestürzt darüber, dass die Klosterkammer ihnen einen Großteil ihrer gepachteten Gärten wegnehmen und ein Investor dort Häuser bauen will fast unmittelbar hinter der bestehenden Häuserreihe. Wie wird die Stadt entscheiden?
Wer zu Fuß oder auf dem Fahrrad den Bürgerpark zur Wakhegge hin verlässt, findet eine weitere grüne Oase vor. Vorbei an Hügeln führen Wege zu einer großen Wiese, die von Bäumen geteilt und umsäumt ist. An der Nordost-Seite, wo sich auch ein kleiner See befindet, schließen Gärten das Gelände ab. In ihnen befinden sich weitere Bäume, viele Büsche und Hecken. Dahinter stehen zum Teil von der Natur verdeckt die dazugehörigen Wohnhäuser.
Sie gehören zur Knollstraße und bilden den Abschnitt mit den Hausnummern 55 bis 83. Auch die Bewohner dieser Mehrfamilienhäuser schätzen die Idylle. Sie wissen zwar, dass ein großer Teil ihrer Gärten nicht ihnen gehört, sondern der Klosterkammer. Was sie bis vor wenigen Monaten aber nicht wussten und kaum für möglich gehalten hätten, war: dass ihnen die Eigentümerin die Pachtverträge kündigen würde.

Häuserblöcke geplant

Im September 2021 läuft die Pacht ab. Und dann will ein Investor dort bauen. Die Firma Bövingloh aus Münster plant dort drei oder vier Häuserblöcke mit je 15 Wohnungen in drei Vollgeschossen und einem vierten Staffelgeschoss. Dazu gehört auch eine Straße für die neuen Anwohner am Rande der großen Wiese. Für die jetzigen Bewohner würde dies bedeuten: Ihre Gärten schrumpfen auf etwa ein Drittel, sie müssten auf viele Bäume und Büsche verzichten, mancher auch auf sein Gartenhäuschen.
Eine der Gegnerinnen des Plans ist Heike Tennstädt, die ihr Anliegen und das ihrer Nachbarn von der Knollstraße jetzt im Bürgerforum für die Stadtteile Dodesheide, Haste und Sonnenhügel vorbrachte: Es droht die Vernichtung von 9000 Quadratmeter Kaltluftentstehungsgebiet. Es droht die Vernichtung von wichtiger Grünfläche. Es droht die Beeinträchtigung eines Biotops.″
Das Vorhaben bedrohe auch die Tierwelt, unter anderem mit Fledermäusen und Libellen. Und die verbleibenden Gärten der Hausbewohner wären winzig, teilweise sehr, sehr klein″ und erst recht vor diesem Hintergrund: In jedem Haus sind es zwei bis drei Parteien, die sich die Gärten teilen.″
Die Klosterkammer habe ihr und ihren Nachbarn nur mitgeteilt, dass die Pacht auslaufe. Und plötzlich soll das Gartenland umgewidmet werden? Dass diese Frage zur Debatte steht, empört Heike Tennstädt und ihre Nachbarn. Nun bestehe dieser Verdacht: Man wollte das mal schnell durchziehen.″ Dass nun die Frage nach der Umwidmung des Gartenlandes zur Debatte steht, bestürzt die Nachbarschaft.
Doch für die Stadt scheinen noch viele Fragen offen zu sein. Johanna Mai vom Fachbereich Städtebau berichtete, dass der Stadtentwicklungsausschuss dem Antrag der Vorhabenträgerin″ auf Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens″ nicht gefolgt ist, fügte aber hinzu: Gleichwohl wurde seitens des Ausschusses die Empfehlung ausgesprochen, eine Änderung des wirksamen Flächennutzungsplans vorzunehmen, um grundsätzlich eine Wohnbauflächenentwicklung im oben genannten Plangebiet zu ermöglichen. Wie diese konkret aussehen könnte, steht bislang noch nicht fest.″

Pötter: Kein Schnellschuss

Johanna Mai erläuterte, es werde anders als von den Anwohnern befürchtet kein beschleunigtes Verfahren geben, sondern ein Vollverfahren″ mit allen Punkten, die dazugehören″ unter anderem mit einer zweiteiligen Bürgerbeteiligung. Es stünden noch viele Untersuchungen, Abwägungen und Besprechungen bevor.
Sozialdezernentin Katharina Pötter stellte fest, es sei noch gar keine Entscheidung getroffen″ worden außer der, dass dieses Gebiet untersucht wird″. Und es sei ausgeschlossen, dass da mal eben schnell etwas durchgezogen″ werde. Diesem Verdacht wolle sie deutlich entgegentreten″. Das Baugesetzbuch schreibe sehr genau″ vor, wie Bürgerbeteiligung auszusehen habe.
Linken-Ratsfrau Giesela Brandes-Steggewentz, die ebenfalls in der Nähe wohnt, mahnte an, sensibel mit der Umgebung umzugehen. Das wirft auch die Frage auf, wie die Häuser auf dem Gelände aussehen sollen. Was bisher auf dem Plan zu sehen ist, bezeichnet Jan Nehring jedenfalls als komische Klötze″ mit denen ein tolles Areal kaputt gemacht″ werde. Da müssten seiner Meinung nach die Vertreter der Stadt doch sagen: Hey, das machen wir nicht so.″
Ob sie das auch tun werden? Bürgermeisterin Eva-Maria Westermann zeigte sich sicher, dass die Politik da sehr gewissenhaft rangehen″ werde. Doch das beruhigt die Anwohner kaum, denn für sie ist ihre Idylle in Gefahr.

Bildtexte:
Vor dem Ende einer Idylle? Geht es nach der Klosterkammer und einem Münsteraner Investor, werden diese Gärten am Rande einer grünen Oase zwischen der Wakhegge und der Knollstraße in Osnabrück zu etwa zwei Dritteln für eine neue Häuserreihe verschwinden.
Häuser statt Gärten? Anwohner der Knollstraße 55 bis 83 wehren sich gegen den Plan, nach dem direkt hinter ihren Häusern gebaut werden soll. Ein Investor will dort Mehrfamilienhäuser errichten.
So sieht der Plan bisher aus: Die Firma Bövingloh will auf der Fläche der Klosterkammer hinter der bestehenden Häuserreihe an der Knollstraße 55 bis 83 eine zweite Häuserreihe bauen in den Gärten der Anwohner.
Fotos:
Geodaten Osnabrück, Jann Weber
Grafik:
Planquadrat
Autor:
Jann Weber


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