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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gartlage: Was wird aus den Müll-Gärten?
 
Kleingärtner ade, VfL willkommen
Zwischenüberschrift:
Das hat die Stadt Osnabrück mit der wilden Müllkippe in der Gartlage vor
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Am Dienstag entscheidet der Stadtrat über einen millionenschweren Flächendeal in der Gartlage, Geschäftspartner sind zwei Erbengemeinschaften und der Kupferhersteller KME. Dabei geht es auch um das Grabeland am Haster Weg. Was hat die Stadt eigentlich mit dem Areal vor, das die Kleingärtner vor einigen Wochen in einem verwahrlosten Zustand zurückgelassen haben? Inzwischen ist ein Bebauungsplan aufgestellt worden, der den Weg frei machen soll für ein Nachwuchsleistungszentrum des VfL. Ob sich diese Nutzung mit den geschützten Biotopen auf dem Gelände verträgt, muss im weiteren Verfahren geprüft werden. Auch auf die Kaltluftströme muss Rücksicht genommen werden. Die schwierigste Herausforderung ist aber die Bechsteinfledermaus. Warum, das lesen Sie im Lokalteil.

Osnabrück Müll, wohin das Auge blickt: Die Kleingärtner vom Haster Weg haben ihr Grabeland verwahrlost zurückgelassen, jetzt kauft die Stadt das Gelände. Für die Planer geht es nun um die Frage, ob sich das Nachwuchsleistungszentrum für den VfL mit drei geschützten Biotopen und der Bechsteinfledermaus verträgt.
Die Planung für das Gebiet im grünen Finger östlich der Halle Gartlage ist konfliktträchtig. Gegen die Stimmen der Grünen und der FDP hat der Stadtentwicklungsausschuss den neuen Bebauungsplan Nr. 669 aufgestellt. Damit ist noch nichts entschieden, die Details sollen im weiteren Verfahren entwickelt werden, wie Holger Clodius, der Leiter des Fachbereichs Städtebau, erklärt.
Demnächst sollen Gespräche mit dem VfL geführt werden, um auszuloten, welcher Flächenbedarf für das geplante Nachwuchsleistungszentrum besteht. Es gehe aber nicht allein um die Frage, wie man Trainingsplätze unterbringen kann″, vermerkt Clodius, Ziel sei es, das Areal freiraumplanerisch aufzuwerten″.

Der VfL hat′s eilig

Gemeint ist ein 45 Hektar großes Gelände zwischen der Halle Gartlage und dem Haster Weg. Es besteht überwiegend aus Grünflächen und den wilden Kleingärten, die als Grabeland ausgewiesen sind. Ihre bisherigen Pächter haben die Lauben in der Mitte des Areals voller Müll zurückgelassen, daneben gibt es Gärten, die zumindest teilweise noch genutzt werden.
Zum Plangebiet gehört auch ein Teil des KME-Geländes, das direkt neben dem Werk liegt und in besseren Jahren als Erweiterungsfläche vorgesehen war. Dort sollen Trainingsplätze für die VfL-Profis angelegt werden nach dem Willen von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert schon im kommenden Jahr, also vor Abschluss des Bebauungsplanverfahrens. Die Stadt hat eine Bauvoranfrage des VfL positiv beschieden. Das ist nach Paragraph 34 des Baugesetzes möglich, wenn sich das Vorhaben gut in bestehende Siedlungsstrukturen einfügen lässt.

Eichen gefällt

Dagegen gibt es Kritik von Naturschützern und den Grünen im Rat. Im Frühjahr hatte der Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) auf dem östlichen KME-Gelände etwa 50 alte Eichen gefällt, vor wenigen Tagen wurden Büsche gerodet. Die Fläche, die immer noch dem Kupferkonzern gehört, gilt als Wald; die Abholzung wird von der Stadt als forstwirtschaftliche Maßnahme″ bezeichnet.

Biotope am Bahndamm

In dem Waldstück wurde in diesem Jahr die Bechsteinfledermaus nachgewiesen, eine seltene Art, die sich bevorzugt in den Hohlräumen alter Bäume versteckt. Weil sie empfindlich auf die Einschränkung ihres Lebensraums reagiert, genießt ihr Schutz höchste Priorität. Angesichts eines so bedeutenden Fundes glaubt der Naturschutzbeauftragte Gerhard Mäscher nicht, dass die Stadt im Schnelldurchgang dem VfL grünes Licht für ein Trainingszentrum geben kann. Weitere Untersuchungen, bei denen flächendeckend alle relevanten Naturgüter erkundet werden sollen, werden nun eingeleitet. Sie sind fester Bestandteil des Planungsverfahrens.
Ökologische Besonderheiten gibt es an mehreren Stellen: Drei kleinere, gesetzlich geschützte Biotope befinden sich zwischen den Wiesen und Kleingärten entlang des Bahndamms. Sie bieten seltenen Pflanzen wie der Zweizeiligen Segge und dem Knick-Fuchsschwanzgras einen Lebensraum und dürfen nicht angetastet werden. Müssen sie auch nicht, heißt es aus dem Fachbereich Städtebau im Gegenteil, es wird schon über großzügige Pufferzonen nachgedacht.

Bach statt Kanal

Auch der Sandbach, der diagonal durch das Gebiet fließt, könnte von der Planung profitieren. Ein Teil von ihm wurde in den vergangenen Jahren revitalisiert, stellenweise muss er sich aber noch immer durch ein kanalisiertes Bett quälen. Der Grundstückskauf wird deshalb auch als Chance gesehen, weitere Abschnitte des Bachs in einen naturnahen Zustand zu versetzen.

Wichtige Kaltluftschneise

Den Planern ist bewusst, dass die Fläche zum grünen Finger Gartlage gehört, laut Klimagutachten ist sie auch eine wichtige Kaltluftbahn. Solche Schneisen für kühlere Luft sind in heißen Sommernächten wichtig, damit das Leben in der Innenstadt auch nachts erträglich bleibt. Gebäude, etwa für Umkleiden, Schulungs- und Indoor-Trainingsräume, könnten eine Barriere für die Kaltluftströme bilden, lautet eine vielfach ausgesprochene Sorge.
Holger Clodius vom Fachbereich Städtebau sieht das nicht so dramatisch. Wichtig sei, Gebäude nicht als Barriere in die Landschaft zu setzen. An schmalen Baukörpern könne die kalte Luft vorbeiziehen, meint er, im Übrigen bewege sich so eine Strömung nicht nur direkt über dem Boden, sondern auch einige Meter darüber.

Zug zur Bremer Brücke

Bei der Verkehrsanbindung hat der Stadtplaner im Blick, dass der Radschnellweg nach Belm durch das Gebiet führt. Im Flächenerwerb stecke auch die Chance, die Umwege an der Halle Gartlage herauszunehmen, sagt Clodius. Eine weitere Überlegung, die im Planverfahren weiterverfolgt werden soll, ist ein Bahnhalt an der Bremer Brücke. VfL-Fans könnten am Bahndamm aus dem Zug steigen und müssten nur noch wenige Hundert Meter bis zum Stadion laufen.

Bürgerbeteiligung 2021

Der Fachbereich Städtebau will jetzt alle diese Aspekte in ein erstes Konzept einarbeiten. Noch im ersten Halbjahr 2021 soll es öffentlich ausgelegt werden. Damit beginnt der erste Teil der Bürgerbeteiligung, bei der alle Interessierten Gelegenheit bekommen, eine Stellungnahme abzugeben.
Ob das Gelände dann vom Müll befreit ist, den die enttäuschten Kleingärtner hinterlassen haben? Das ist noch nicht entschieden. Wenn der Rat am Dienstag den Kauf der Grundstücke beschließt, übernimmt die Stadt die Verantwortung für die wilde Kippe. Dann muss entweder der Osnabrücker Servicebetrieb aufräumen. Oder der Auftrag wird an ein externes Unternehmen vergeben.

Bildtexte:
Mit dem Bebauungsplan Nr. 669 will die Stadt festlegen, welche Flächen für ein Nachwuchsleistungszentrum des VfL infrage kommen. Dabei muss auf drei geschützte Biotope und auf den Verlauf des Sandbachs Rücksicht genommen werden. Trainingsplätze für die VfL-Profis sollen nach den aktuellen Plänen auf dem KME-Gelände (oben links) entstehen.
Das waren mal Gärten: Aus dem Grabeland am Haster Weg ist eine riesige Müllkippe geworden. Die Stadt will das gesamte Areal kaufen, um dem VfL eine Fläche für das Nachwuchsleistungszentrum zur Verfügung zu stellen.
Trainingsplätze für die VfL-Profis sollen auf dem nicht mehr benötigten KME-Gelände (unten links) entstehen. Rechts unten ist die Halle Gartlage zu erkennen, in der Diagonalen die Bahnlinie nach Bremen.
Fotos:
Geodaten Osnabrück, Jörg Martens
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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