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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wie vor 50 Jahren: Porsche lässt wieder Autos in Osnabrück bauen
 
Schon 1961 gab es Porsche aus Osnabrück
Zwischenüberschrift:
Zusammenarbeit mit Stuttgart seit den 30er-Jahren – Heute Boxster-Start im VW-Werk
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Der Kreis schließt sich: Heute wird im VW-Werk Osnabrück die Produktion des neuen Porsche Boxster offiziell gestartet. Mit dabei sind neben Ministerpräsident David McAllister VW-Konzernchef Martin Winterkorn und der Porsche-Vorstandsvorsitzende Matthias Müller. Bereits vor 50 Jahren entstanden an der Hase Porsche-Modelle wie diese schicken Coupés vom Typ 356. Innerhalb von zehn Jahren produzierten die Karmann-Werke in Osnabrück und Rheine mehr als 44 000 komplette, reinrassige Porsche. Die Geschäftsbeziehungen zwischen Porsche und dem Automobilstandort Osnabrück bestehen seit den 1930er-Jahren.

Foto:
Porsche

OSNABRÜCK. Aufmerksame Beobachter haben sie schon vor Wochen entdeckt schwarz und gelb und silbern: nagelneue Porsche Boxster auf dem Gelände des VW-Werkes in Osnabrück. Vom ebenfalls nagelneuen Band ist dort inzwischen die Osnabrücker Vorserie des Erfolgsmodells der Stuttgarter Sportwagenschmiede gelaufen. Damit lebt eine Tradition des Fahrzeugbaus an der Hase wieder auf. Heute wird die Produktion am neuen alten Porsche-Montagestandort offiziell eröffnet: VW-Konzernchef Martin Winterkorn kommt höchstpersönlich, in seinem Tross auch Porsche-Vorstandschef Matthias Müller.

Ab 1961 entstanden in den Werkshallen der Karmann-Werke in Osnabrück und Rheine mit Unterbrechungen bis Mitte der 1990er-Jahre mehr als 44 000 Stück der auch damals schon sehr gefragten Sportwagen. Nicht eingerechnet sind hierbei über 115 000 VW-Porsche 914.
Genau wie aktuell hatte die Zuffenhausener Sportwagenschmiede Ende der 50er-Jahre Kapazitätsprobleme. Allerdings auf bescheidenem Niveau. Denn 1960 fertigten die Schwaben gerade mal 7700 Automobile. Im letzten Jahr wurden 118 000 neue Porsche gebaut, bis 2018 will Vorstandschef Müller die Marke von 200 000 knacken.
Im Bestreben, die damals ellenlangen Lieferzeiten von zwölf Monaten auf ein erträgliches Maß zu drücken, vergab Porsche Fremdaufträge. So lieferten die renommierten Karosseriewerke Drauz in Heilbronn ihre Blechhüllen ins knapp 50 Kilometer südlich gelegene Stuttgart. Dort fertigte Drauz-Konkurrent Reutter in den 50er- und 60er-Jahren über 60 000 Karosserien für seinen Hauptkunden in Zuffenhausen.
In Norddeutschland war Karmann die erste Adresse, wenn handwerkliche Qualität gefragt war. Und bei Porsche war sie gefragt, genau sowie heute. Geschäftsbeziehungen zwischen der süddeutschen Ideenschmiede und den Spezialisten an der Hase bestanden seit den 30er-Jahren, als Erwin Kommenda, Mitarbeiter von Ferdinand Porsche, bei den Osnabrückern um Rat bei der Konstruktion eines Cabriolets auf Basis des damaligen KdF-Wagens, des späteren Käfers, nach suchte.
Nach dem Krieg ebbte diese Zusammenarbeit nie ganz ab. Neben kleineren Aufträgen fertigte Karmann Mitte der 50er-Jahre fünfzig Karosserien für einen Porsche-Typ, der als Jagdwagen″ in die Annalen einging und nie regulär gefertigt wurde.
Aufgrund der exzellenten Qualität der Karmann-Arbeit entschloss sich Porsche damals, große Posten der Ersatzteilfertigung für den damals einzigen Serientyp 356 nach Osnabrück zu vergeben. Eine dann über Jahrzehnte geübte Tradition, die erst vor wenigen Jahren endete.
1961 ging es in die Vollen: Karmann fertigte den ersten Porsche 356, das Hardtop-Coupé, ein spezielles Modell, das nur in Osnabrück vom Band lief. Wie bei Karmann üblich, bezog das Werk die Technikteile wie Motor, Getriebe und Achsen von den Automobilherstellern bzw. Zulieferern und fertigte die Karosserie in Eigenregie auf selbst hergestellten Werkzeugen.
Das Hardtop-Coupé basierte teilweise auf der Karosserie des 356er-Cabriolets, wies also die Verstärkungen im Bodenbereich und rund um die Windschutzscheibe auf. Wie damals und auch noch heute ging ein Großteil der Porsche-Produktionin die USA. So wurden im Laufe der Jahre von den nicht einmal 2000 bei Karmann gebauten speziellen Coupés etliche in Cabriolets verwandelt, weil sie eine stabile Basis bildeten und luftige Fahrzeuge in Kalifornien sehr gefragt sind.
Schon vor dem Auslaufen des Hardtop-Coupés war in Osnabrück die Produktion des normalen 356er-Coupés mit flacherem Dach angelaufen, Porsche verkaufte immer besser und hatte inzwischen auch einen Teil der Produktion nach Belgien ausgelagert. Dort baute D′Ieteren Frères in Brüssel 356er-Cabriolets, die auf Wunsch mit einem festen Dach, einem Hardtop, von Karmann winterfest gemacht wurden. Die Osnabrücker durften damals ein Fabrikschild in diesenTeilen sichtbar verbauen, sodass heute noch deren Ursprung gekennzeichnet ist. Das belgische Werk ist übrigens der Ursprung der heutigen Audi-Fabrikation in Brüssel.
Auch Modelle des 356er-Nachfolgers, des legendären Porsche 911, liefen bei Karmann vom Band. Allerdings nicht im Stammwerk Osnabrück, sondern im 1965 eröffneten Zweigwerk in Rheine. Neben den eleganten Coupés von BMW (2000 CS und Nachfolger) und dem Opel Diplomat gab es dort Fertigungsanlagen für den Ur-911er, das Coupé. Start der Produktion war 1966, gleichzeitig mit dem Sechszylinder 911 kamen dort die sehr viel günstigeren 912er-Typen mit den Vier-Zylinder-Motoren aus den Werkshallen. Bis zur Einstellung der Produktion im März 1971 gab es fast 22 000 Autos dieser Baureihe aus Osnabrück.
Eines davon besitzt Peter Berning aus Osnabrück. Der begeisterte Oldtimerfan fährt einen mausgrauen Porsche 912 natürlich Made by Karmann″, wie ein Extra-Typenschild im Einstieg verrät. Obwohl Berning über Jahre britische Sportwagen und nichts anderes fuhr, reizte ihn heimlich immer ein richtiger″ Porsche, wie er verrät. Als er dann einen echten Karmann-Porsche angeboten bekam, mussteer zuschlagen. Jetzt steht sein Schmuckstück mit dem Erstzulassungsdatum 28. 2. 1966 in der Garage bereit und wartet sehnsüchtig auf jede Schlüsseldrehung ...
Schon Monate vor dem Produktionsstopp der Porsche-Fahrzeuge in Rheine war im Karmann-Stammwerk bereits die Produktion des VW Porsche 914 angelaufen. Wie der Porsche Boxster hatte dieser Wagen Platz für zwei und einen Mittelmotor, der ihm damals sagenhafte Fahreigenschaften bescherte. Der im Volksmund als Volksporsche″ bezeichnete Flitzer mit abnehmbarem Dach war in den frühen 70er-Jahren der erfolgreichste Sportwagen deutscher Produktion. Alle Motoren waren luftgekühlt, die Vier-Zylinder-Modelle liefen in Osnabrück vom Band.
Nach Zuffenhausen angelieferte, fertig lackierte Karosserien wurden dort mit Porsche-Sechs-Zylinder-Motoren als 914/ 6 verkauft. Wegen des horrenden Preises von fast 19 000 DM (914/ 4: 12 000 DM) orderten in drei Jahren allerdings nur gut 3300 Kunden dieses Modell die Krux des Sechszylinders: Er war nur 2000 DM günstiger als ein 911er-Porsche mit mehr Leistung ... Von Porsche, Karmann und VW entwickelte Prototypen mit Audi-Motoren wurden adacta gelegt. Die Autos waren zu schwer, die Spontaneität und die gute Straßenlage dahin.
In Rheine liefen in den Jahren 1991 bis 1994 noch knapp 12 000 Karosserien der Modelle 944 und 968 vom Band, die bei Audi in Neckarsulm zu kompletten Autos wurden. Wie viele Porsche Boxster wohl in den nächsten Jahren in Osnabrück gebaut werden? In Schwarz und Gelb und Silber ...?

Bildtexte:
Viel Handarbeit: Porsche-Fertigung in den 1960er-Jahren bei Karmann.
In Rheine gebaut: Porsche 912 von Peter Berning aus Osnabrück.
Foto:
Archiv, Klaus Lindemann

Ferdinand Porsche
Autos von Porsche kennst Du bestimmt: Sie sind Schick und schnell. Und ab heute werden sie auch im VW-Werk in Osnabrück gebaut. Hinter dem Namen steckt Ferdinand Porsche, der 1875 in Maffersdorf heute heißt es Liberec in Tschechien geboren wurde. Schon als Junge war er ein Tüftler und Bastler. Nach einer Lehre im Installateurbetrieb seines Vaters hörte er an der Uni in Wien zwar Vorlesungen, machte aber nie einen Abschluss. Trotzdem startete er Karrieren bei verschiedenen Firmen, kümmerte sich damals schon um Elektroantriebe. Ferdinand hatte immer tolle Ideen, allerdings auch ein gutes Team um sich, das die Geistesblitze umsetzte. Aber er wollte sein eigener Chef sein, gründete 1930 ein Konstruktionsbüro in Stuttgart, baute mit seinen Leuten Rennwagen und den ersten VW Käfer. Weil er mit den Nazis zusammen arbeitete, sperrten ihn die Franzosen nach dem Krieg für fast zwei Jahre ins Gefängnis. Ab 1948 baute Porschedie berühmten Sportwagen, anfangs mit schnelleren VW-Motoren. Heute gehört die Firma zum VW-Konzern.
Autor:
Gerhard Placke


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