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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Viele positive Reaktionen auf Neumarkt-Deal
 
Wer den Deal am Neumarkt im Stillen eingefädelt hat
Zwischenüberschrift:
Johannis-Höfe: Welche Rolle spielt Bergmann in dem Millionengeschäft?
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Der Verkauf des Centergrundstücks an ein Familienunternehmen und die Ankündigung, am Neumarkt ein modernes Wohnquartier zu schaffen, sind auf positive Resonanz gestoßen. Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen bekommen″, sagte Dennis Rossing am Mittwoch. Der Chef der Bad Hersfelder Rosco-Gruppe will bis 2026 zusammen mit Alexander Lindhorst aus Winsen/ Aller für 140 Millionen die Johannis-Höfe schaffen. Skeptisch äußerte sich die FDP, die einen Kauf durch die Stadt bevorzugt hätte. Dann hätte die Stadt alles selbst im Griff gehabt, so Ratsherr Robert Seidler. Er kritisierte, dass der Rat nicht in die Verhandlungen eingebunden worden war. Den Grundstücksdeal hat das Osnabrücker Maklerbüro Lührmann durch persönliche Kontakte eingefädelt.

Osnabrück Am Tag nach der guten Neumarkt-Nachricht richtet sich der Blick auf die Hintergründe: wer den Grundstücksverkauf eingefädelt hat, welche Rolle Immobilienkaufmann Theodor Bergmann dabei noch spielt und warum Investor Alexander Lindhorst zu Unrecht mit der AfD in Verbindung gebracht wird.

Der Hintergrund: Die Neumarkt-Quartier GmbH, eine frisch gegründete Tochtergesellschaft der Lindhorst-Gruppe aus Winsen an der Aller, hat die Immobilien am Neumarkt gekauft, die einst für den Bau eines Einkaufszentrums vorgesehen waren. Zusammen mit der Rosco-Gruppe aus Bad Hersfeld will Investor Alexander Lindhorst die Johannis-Höfe bauen, ein modernes Quartier zum Wohnen, Arbeiten, Lernen und Einkaufen.

Wer hat die Investoren nach Osnabrück geholt? Weder Rosco noch Lindhorst waren bislang in Osnabrück engagiert. Dass sie die Friedensstadt in den Blick genommen haben, ist dem Maklerunternehmen Lührmann aus Osnabrück zu verdanken, wie Geschäftsführer Achim Weitkamp sagt. Lührmann-Gesellschafter Guido Kleinschmidt und der Geschäftsführende Gesellschafter der Rosco-Gruppe, Dennis Rossing, kennen sich gut. Wir arbeiten seit Jahren vertrauensvoll zusammen″, so Weitkamp. Das Maklerbüro Lührmann mit Hauptsitz am Reichwein-Platz in Osnabrück ist auf die Vermittlung von Einzelhandelsimmobilien in Innenstädten spezialisiert. Vor genau einem Jahr, im November 2019, stupste Kleinschmidt Rossing an: Am Neumarkt in Osnabrück gebe es Entwicklungspotenzial.
Centerentwickler Unibail Rodamco Westfield (URW) hatte bei der Käufersuche die mittelständische Rosco-Gruppe nicht auf dem Radar, wie Weitkamp sagt. Er habe die Partner im Stillen zusammengebracht, keiner hat das gemerkt″. Es freue ihn sehr, dass ein Mittelständler in Osnabrück zum Zuge komme, der verlässlich ist″, so Weitkamp. Und es freut ihn für seine Heimatstadt: Ein Shoppingcenter wäre ganz gruselig gewesen.″

Kann Theodor Bergmann den Deal noch platzen lassen? Die Grundstücke, die für das Einkaufszentrum vorgesehen waren, sind noch in Besitz der Neumarkt 14 GmbH & Co. KG. Der Kaufvertrag mit der Lindhorst-Tochtergesellschaft Neumarkt-Quartier ist unterschrieben, aber noch nicht final vollzogen. Es hängt an formalen Dingen, wie es heißt.
Hauptgesellschafter von Neumarkt 14 ist Unibail Rodamco Westfield, Minderheitsgesellschafter der Osnabrücker Immobilienkaufmann Theodor Bergmann, der unter anderem das Eckgrundstück mit dem grünen Kachelhaus eingebracht hat. Die Beziehung zwischen der URW-Spitze und Bergmann ist nicht konfliktfrei. Als URW 2019 öffentlich den Ausstieg aus dem Centerprojekt Oskar verkündete, wurde Bergmann davon überrascht und sprach von einem Schlag in die Fresse″. Unklar ist, ob Bergmann als Mitgesellschafter dem Grundstücksverkauf zustimmen muss. Das URW-Management geht davon aus, allein die Vollmacht zu haben. Bergmann sieht das anders, will sich dazu aber nicht äußern.
Bergmann hatte mit einem Partner ein alternatives Konzept vorlegt, kam damit aber offenbar zu spät. Er hat ein hohes Eigeninteresse an einem Fortschritt am Neumarkt, weil er selbst mit zwei Projekten - dem Zauberwürfel (Hotel/ Einzelhandel) und der ehemaligen Sportarena (Hotel) am Neumarkt engagiert ist.

Warum Alexander Lindhorst zu Unrecht ein AfD-Schatten nachhängt: Der 37-Jährige hatte es befürchtet. Wo immer er in den vergangenen zwei Jahren öffentlich mit Bauprojekten in Erscheinung trat, dauerte es nicht lange, bis in sozialen Medien Vorwürfe über eine angebliche Nähe zur AfD auftauchten. So auch jetzt in Osnabrück.
In Kommentaren auf der NOZ-Homepage und auf Facebook verweisen Nutzer auf Zeitungsberichte über eine Verbindung zwischen Jürgen Lindhorst und dem thüringischen AfD-Rechtsaußen Björn Höcke. Wichtig: Jürgen Lindhorst ist der Vater von Alexander Lindhorst und seit Jahren nicht mehr im operativen Geschäft des Familienunternehmens tätig. Jürgen Lindhorst hat 2018 Höcke zu einem privaten Austausch mit 90 Gästen auf seinen Hof in Winsen eingeladen.
Die Cellische Zeitung″ berichtete damals darüber. Seither muss Alexander Lindhorst damit leben, dass bei Internetabfragen zu seinem Namen stets auch die AfD-Geschichte auftaucht. Er geht offen damit um, auch wenn es belastend ist. Ich bin Mitglied der CDU und, ja, ich bin eher konservativ″, sagt Lindhorst. Aber mit der AfD verbinde ihn nichts, aber auch gar nichts″.

Bildtexte:
Alexander Lindhorst bei der Pressekonferenz am Montag im Rathaus.
In fünf Jahren Realität? So sollen die Johannishöfe am Osnabrücker Neumarkt aussehen.
Dennis Rossing, geschäftsführender Gesellschafter der Rosco-Gruppe.
Theodor Bergmann
Fotos:
Jörn Martens, David Ebener
Grafik:
SKAI

Kommentar
Vertrauensache

In die Freude über den Durchbruch am Neumarkt mischt sich hörbar ein wenig Sorge. Was ist, wenn der Investor sich übernommen hat, wenn er seine Versprechen nicht einhält, wenn sich alles als großes Missverständnis entpuppt? Eine absolute Sicherheit gibt es nicht. Für ein Millionprojekt dieser Größe braucht es nicht nur viel Geld und Mut, es braucht auch festes gegenseitiges Vertrauen.
Dem Vorgänger, dem französischen Konzern Unibail Rodamco Westfield, brachten Rat und Verwaltung viel Vertrauen entgegen und wurden nach langem Hinhalten und Schweigen am Ende enttäuscht. Klar, dass auch viele Bürger nach diesen Erfahrungen mit einer gewissen Skepsis auf die Neuen schauen, die es jetzt richten wollen.
Die Investoren Alexander Lindhorst und Dennis Rossing treten persönlich für dieses Projekt ein. Damit ist eine gute Basis für ein vertrauensvolles Miteinander gelegt. Osnabrück hat es nicht mit einem von Paris aus gelenkten Weltkonzern zu tun, sondern mit einem in Niedersachsen verwurzelten, mittelständischen Familienunternehmen, das Gesicht zeigt und für das ein 140-Millionen-Euro-Investment kein beiläufiges Geschäft ist.
Auf geht′s. Es ist noch viel zu tun denn da war ja noch was anderes: Der Neumarkt muss als Platz neu gestaltet werden mit Beton oder ohne.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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