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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Gestapo trieb sie über die Grenze
Zwischenüberschrift:
Stolpersteine erinnern an das jüdische Ehepaar Heinrich und Else Ehrlich
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Heinrich Ehrlich war auch unter seinem hebräischen Namen Elia Hersch bekannt. Er und seine Frau Else waren Juden. Noch wenige Jahre vorher hätten sie sich kaum vorstellen können, dass die Regierung ihnen nach und nach alle Rechte, ihr ganzes Hab und Gut, die Heimat und schließlich das Leben nehmen würde. Doch von 1933 an wurden sie Opfer des Hasses und des Wahns, mit dem die Nationalsozialisten das Land regierten. Jetzt erinnern Stolpersteine an das Ehepaar.

Heinrich und Else Ehrlich waren Inhaber des Waren- und Möbelkaufhauses E. H. Ehrlich″ an der Großen Straße 8. Während ihre drei Kinder im Laufe der 1930er-Jahre Deutschland verließen, blieb das Ehepaar, bis es 1938 plötzlich nach Polen ausgewiesen wurde.
Sie und ihre Kinder haben sich nie wiedergesehen. Norbert Ehrlich, 1913 geboren, brach 1933 sein Jurastudium ab und wanderte im Jahr darauf nach Palästina aus. Seine Schwester Irma Ehrlich, 1908 geboren, folgte ihm ein Jahr später dorthin. Der älteste Sohn blieb noch drei Jahrelang in Deutschland: Harry Ehrlich, 1906 geboren, arbeitete in Hildesheim, Bremen und Frankfurt am Main und emigrierte 1938 in die USA. Wie Petra Mucha, eine der Patinnen der Stolpersteine, bei der Verlegung sagte: Die Kinder haben offensichtlich geahnt, in welcher Gefahr sie schwebten.″
Ihre Eltern Heinrich und Else gerieten immer mehr in Gefahr. Die Nationalsozialisten zwangen sie, ihr Geschäftin der Großen Straße aufzugeben. Nach Recherchen von Martina Sellmeyer, Autorin des Buches Stationen auf dem Weg nach Auschwitz″, mussten sie auch ihre Wohnung in dem Haus verlassen und zogen daraufhin 1937 zur Jahnstraße 2b. Dort sollen sie noch Restbestände aus ihrem Geschäft gelagert und verkauft haben.
Ende Oktober 1938, knapp ein Jahr vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurde das Ehepaar Opfer einer plötzlichen Entscheidung der Regierung. Sie betraf alle Juden, die aus Polen stammten. In ganz Deutschland wurden 15 000 Juden verhaftet und in das Nachbarland abgeschoben. Unter ihnen befanden sich Heinrich Ehrlich, der 1879 in Galizien geboren worden war, und seine Frau Else, die allerdings aus Dresden stammte. Alle durften nur das mitnehmen, was in einen Koffer passte.
An vielen Grenzposten kam es zu dramatischen Szenen. Polnische Gesetzeshüter wollten die Zwangseinwanderung verhindern, während Gestapo-Beamte die Juden mit vorgehaltenen Pistolen ins Nachbarland scheuchten. Die Vertriebenen fanden sich ausgesetzt wieder, ohne Eigentum und ohne Dach über den Kopf. Wie es den Ehrlichs erging, lässt sich nur erahnen. Bekannt ist jedoch, dass Else Ehrlich im Sommer 1939, wenige Wochen vor Kriegsbeginn, mit einer offiziellen Erlaubnis Osnabrück besuchen durfte, um verschiedene persönliche und behördliche Erledigungen durchzuführen″, wie es hieß.
In Lemberg sperrten Nationalsozialisten von 1941 an Juden in ein Getto, das sie als jüdischen Wohnbezirk″ beschönigten. Offenbar wurde auch das Ehepaar Ehrlich dorthin verschleppt. Dokumentiert ist jedenfalls, dass von dem Getto aus Juden in das 50 Kilometer entfernte Vernichtungslager Belzec gebracht wurden, mehr als 400 000 Menschen sind dort ermordet worden.
Was den beiden Osnabrückern zustieß, ist nicht überliefert, wohl aber, dass Else Ehrlich im März 1942 sterben musste und Heinrich Ehrlich im Mai 1942 und dass beide dem Wahn der Nationalsozialisten ausgeliefert waren.

Bildtext:
Große Straße 8: Hier lebten die Eheleute Heinrich und Else Ehrlich, und hier stand auch ihr Waren- und Möbelkaufhaus. Sie wurden Opfer der Nationalsozialisten.
Foto:
Gert Westdörp

Stolpersteine
Die in den Gehwegen verlegten Stolpersteine aus Messing erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich mehrere Hundert Kommunen in Europa angeschlossen haben. Paten der Stolpersteine für Heinrich und Else Ehrlich sind Petra und Thomas Mucha. Verlegt wurden die Gedenksteine von Schülern des Berufsschulzentrums am Westerberg: André Beste, Jan Buddenkotte, Robin-Stephan Dirks, René Oechel, Betim Ukaj, und Carsten Ziegert. Das Büro für Friedenskultur nimmt für weitere Verlegungen gern Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von Opferndes NS-Regimesentgegen. Die Telefonnummerlautet 0541/ 323-2287.
Autor:
Jann Weber


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