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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zwei neue Türme für Osnabrück?
 
Automatik-Parktürme für Fahrräder?
Zwischenüberschrift:
Stadt will Bike-Tower am Hasetor bauen und hofft auf hundertprozentige Förderung
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Das Rad vollautomatisch parken und auch wieder ausgeben lassen: Das könnte Ende 2022 Realität an Osnabrücks Altstadtbahnhof sein. Die Stadt Osnabrück hat beim Bund eine Förderung für zwei solche Fahrradparkhäuser beantragt, und sollte des Bundesverkehrsministerium den Antrag positiv bescheiden, baut sie zwei je neun Meter hohe Parktürme. Insgesamt sollen sich in diesen 180 Fahrräder unterbringen lassen. Die Stadt hofft auf eine hundertprozentige Förderung des insgesamt ungefähr 1, 8 Millionen Euro teuren Projekts. Mit einer trockenen und auch sicheren Abstellmöglichkeit möchte sie mehr Pendler aufs Fahrrad und in den Zug bekommen. Anfang des kommenden Jahres rechnet die Osnabrücker Verwaltung mit einer Förderungszusage aus Berlin.

Osnabrück Viel Stellplatz auf wenig Raum: Am Altstadtbahnhof möchte die Stadt Osnabrück zwei Parkhäuser für Fahrräder bauen. Geplante Kosten: 1, 8 Millionen Euro. Die Stadt hofft nun auf finanzielle Förderung vom Bund. Bleibt diese aus, drohen die Türme zu kippen.
Diese sollen jeweils neun Meter hoch sein und Platz für jeweils 90 Fahrräder bieten. Geplant sind sie am Eingang des Bahnhofs, der bis vor einigen Jahren Hasetorbahnhof hieß und zwar dort, wo sich derzeit noch ein Plateau mit Fahrradbügeln befindet.
Mit den Türmen, in denen Fahrräder vollautomatisch geparkt werden, wolle die Stadt einen Anreiz schaffen, mehr Pendler aufs Rad und in die Bahn zu bekommen, sagt Ulla Bauer, Radverkehrsbeauftragte der Stadt, im Gespräch mit unserer Redaktion. Denn in solch einem Turm stehe das Rad trocken und vor allem sicher. Das sei insbesondere für Pendler mit teuren Rädern interessant, die ihr Rad nicht vor dem Bahnhof stehen lassen wollen.
Im Haushaltsplan für die kommenden beiden Jahre ist der Posten für die Türme schon zu finden: Knapp 1, 8 Millionen Euro kalkuliert die Stadt für ihren Bau. Sie hofft auf eine hundertprozentige Förderung durch den Bund zumindest aber 90 Prozent. Im letzteren Falle müsste die Stadt knapp 200 000 Euro selbst zahlen, und diese Summe ist im Investitionsplan vermerkt.

Förderungsmöglichkeiten

Vermutlich Anfang des kommenden Jahres erfährt die Stadt, ob und in welcher Höhe der Bund das Leuchtturmprojekt″ fördert, wie Bauer es nennt. Man sei hoffnungsfroh″, dass gefördert wird, und wir hoffen als finanzschwache Kommune auf eine hundertprozentige Förderung″, sagt die Radverkehrsbeauftragte. Erachtet das Bundesverkehrsministerium Osnabrück als nicht finanzschwach, beträgt die Förderung bei einem positiven Bescheid immerhin 90 Prozent. Sollte der Bund die Türme fördern, sollen 2021 Planungen, Vorbereitungen und Ausschreibung erfolgen. Der Bau ist für das Jahr 2022 geplant, die Inbetriebnahme der beiden Türme Ende 2022. Betreiben würde sie die Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft (OPG).
In Deutschland gibt es bislang zwei Hersteller solch vollautomatischer Fahrradparkhäuser, die sich auf eine entsprechende Ausschreibung bewerben könnten. Beide sitzen in Baden-Württemberg. Es sind die Firma Nussbaum Technologies aus Kehl-Sundheim mit ihrem Radhaus″ und die Firma Wöhr Autoparksysteme aus Friolzheim mit ihrem Bikesafe″.
Bei allen ist das Prinzip gleich. Manchen dürfte es aus Wolfsburg bekannt sein, wo Volkswagen in seiner Autostadt Autotürme für auslieferungsbereite Neuwagen betreibt. Ganz ähnlich funktionieren Radhaus″ und Bikesafe″: Das Rad wird vollautomatisch in die Höhe transportiert und geparkt und auch vollautomatisch wieder ausgegeben. In der Regel funktioniert das Abgeben und Abholen mit einem Chip. Details, wie es in Osnabrück laufen könnte, seien aber noch nicht ausgemacht, sagt Bauer.
Fest steht aber wohl, dass der Service für Radfahrer nicht gratis sein soll, falls die Türme realisiert werden können. Es wird auf jeden Fall etwas kosten″, sagt Bauer. Denkbar wäre ein Jahresticket, dessen Preis sich am Jahrespreis der Radstation am Hauptbahnhof orientieren könnte das wären 90 Euro. Ein Monatsticket ist dort für 9 Euro zu haben.
Bleibt die Förderung durch den Bund aus, müsse das übrigens nicht zwangsläufig das Aus für die beiden Türme bedeuten, sagt Bauer. Aber ohne Förderung wäre es eine politische Entscheidung.″ Kurzum: Der Rat müsste entscheiden, ob die Stadt die Türme auf eigene Kosten bauen soll was in Zeiten, in denen das Geld durch die Corona-Krise wieder knapp geworden ist, keine Selbstverständlichkeit sein dürfte.
Den ersten vollautomatischen Fahrradturm Deutschlands hatte 2011 die Gemeinde Meckenbeuren in Baden-Württemberg errichten lassen. Es war ein Bike Tower″ (Fahrradturm) eines Anbieters aus Tschechien. Nur sechs Jahre später aber war Schluss: Der Gemeinderat legte den Turm für 72 Räder still, berichtete der Südkurier″ im Jahr 2017. Regelmäßig hatte es Störungen gegeben, 2014 einen Wasserschaden, mal war das Display defekt, der Wind zerstörte die Gebäudehülle, und im Dezember 2016 stürzte sogar ein Rad von der höchsten Position im Turm auf den Boden.

Erfahrungen sammeln

Doch Osnabrück will auf Radhaus″ oder Bikesafe″ zurückgreifen sofern bis dahin keine weiteren Anbieter auf den Markt kommen, die sich auf die Ausschreibung bewerben könnten. Fahrradparkhäuser dieser beiden Firmen sind bereits in Deutschland im Einsatz, und funktionierten auch, versichert Bauer.
Momentan bieten die Fahrradbügel im Umfeld des Altstadtbahnhofs Platz für 330 Fahrräder. Davon werden 50 dauerhaft nicht genutzt″, sagt Bauer. Das seien die Bügel auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit dem weitesten Weg zur Fußgängerampel. Eine Zählung am Bahnhof habe 320 Räder ergeben, davon waren 80 nicht an Bügeln abgestellt. Sollten die beiden Türme kommen, wären weitere Parkhäuser dieser Art in Osnabrück vorstellbar, sagt die Fahrrad-Beauftragte. Das hänge von den Erfahrungen ab und nicht zuletzt auch von der Bezahlbereitschaft zur Nutzung solcher Türme. In anderen Städten jedenfalls würden sie in Bahnhofsnähe gut angenommen, hat Bauer erfahren.
Und warum eigentlich zwei Türme? Damit der Umschlag schnell genug ist″, erklärt Bauer. So müsste niemand lange auf sein Rad warten, wenn viele Pendler gleichzeitig vom Bahnsteig herunterkämen.

Bildtext:
Hier sollen sie hin: die beiden Fahrradparkhäuser. Das Plateau soll zuvor abgetragen werden. Wie so ein Bikesafe aussehen kann, ist hier am Beispiel Rutesheim zu sehen, wo ein solcher 11, 80 Meter in die Höhe ragt.

Fotos:
Jörn Martens/ Otto Wöhr GmbH

Kommentar
Gelegenheit und Risiko

Zwei vollautomatische Fahrradparkhäuser für lau? Bei einer hundertprozentigen Förderung durch den Bund kann sich die Stadt eine solche Gelegenheit nicht entgehen lassen. Die Türme wären ein Leuchtturmprojekt, wie es die Radverkehrsbeauftragte Ulla Bauer treffend formulierte. Schließlich will die Stadt bis 2030 zu den fünf radverkehrsfreundlichsten Städten Deutschlands zählen.
Doch selbst wenn der Bund die Türme zu hundert Prozent fördert, geht die Stadt ein Risiko ein: Was, wenn sie keiner nutzte? Unwahrscheinlich? Keineswegs. Erinnert sei an die Mobilitätsstationen in Haste und Düstrup, wo Radfahrer ihre Räder seit Anfang des Jahres trocken und sicher in Radboxen abstellen können dort bislang sogar kostenlos. Genutzt werden sie kaum. Ein ähnliches Bild am Kamp, wo Radfahrern seit diesem Sommer zwei Fahrradkäfige für insgesamt 20 Räder zur Verfügung stehen: Auch diese sind oftmals verwaist. Liegt es an der nötigen Registrierung und Buchung? Man weiß es nicht.
Die vollautomatischen Fahrradtürme am Altstadtbahnhof sollen hingegen kostenpflichtig sein. Vielleicht 100 Euro im Jahr für einen trockenen und sicheren Stellplatz mögen für Reinigung, Wartung und Instandhaltung der Türme wenig sein; doch es erscheint viel, wenn selbst kostenlose Angebote wie am Kamp nicht genutzt werden.

j.sanders@ noz.de
Autor:
Jörg Sanders


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