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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Flucht nach Amsterdam war vergeblich
Zwischenüberschrift:
Familie Meyer im KZ ermordet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Was mögen sie gedacht haben, als ein Fanatiker namens Adolf Hitler in den 1920er-Jahren anfing, die Juden für eine Weltverschwörung″ zu halten? Dass sie diesem Wahn zum Opfer fallen würden das hätten sich Nathan, Olga und Erich Meyer aus Osnabrück wohl kaum vorstellen können. Doch das Unfassbare sollte später geschehen. Jetzt erinnern Stolpersteine an die Familie.

Erich Meyer zog 1931 nach Amsterdam. Er war erst 17 Jahre alt. In Osnabrück gab es bereits eine Ortsgruppe der nationalsozialistischen Partei, und deren Anhänger begannen, Juden zu diskriminieren. Doch noch bestand die Weimarer Republik, und es war kaum abzusehen, dass Adolf Hitler an die Macht kommen, die Demokratie abschaffen und seinen Hass auf Juden in Taten umsetzen würde.
Nachdem die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernommen hatten, dürfte sich der Wahlniederländer Jahr um Jahr mehr Sorgen um seine Eltern Nathan und Olga gemacht haben, denn die Familie, die in Osnabrück am Nikolaiort lebte und dort die Kurz- und Textilwarengroßhandlung N. Meyer u. Co.″ betrieb, war jüdisch. Noch lange, nachdem die Nationalsozialisten das Land in eine Diktatur verwandelt hatten, sah es so aus, als würden sie mit ihren Verbrechen vor den Landesgrenzen haltmachen und Erich Meyer nichts anhaben können.
Kaum ein Jahr verging, ohne dass den Eheleuten in Deutschland weitere Rechte verwehrt wurden. Die Nationalsozialisten ließen sich im Rassenwahn immer neue Diskriminierungen einfallen und bereicherten sich mehr und mehr am Eigentum der Juden. 1937 verließen auch Nathan und Olga Meyer Osnabrück und emigrierten nach Amsterdam wie etwa 80 weitere Juden aus dieser Stadt.
Endlich in Sicherheit? Damit war es 1940 vorbei. Im ersten Jahr des Zweiten Weltkriegs überfiel die deutsche Wehrmacht die Niederlande. Und auch dort begann die Judenverfolgung, vor allem in Amsterdam, wo die meisten niederländischen Juden lebten. Die Nationalsozialisten deportierten ungefähr 100 000 von ihnen in Konzentrationslager und töteten sie dort. 1943 nahmen die Nationalsozialisten Nathan und Olga Meyer fest, verschleppten die Eheleute über Westerbork und nach Sobibor und ermordeten sie. 1944 geriet auch Erich Meyer in die Fänge der Judenhasser. Sie brachten ihn schließlich in Auschwitz um.
Lange Zeit schienen ihre Spuren verwischt und ihre Namen vergessen zu sein. Jetzt, sieben Jahrzehnte später, erinnern am Nikolaiort Stolpersteine an die Familie Meyer, an Menschen, die keine Ruhestätte haben, an der die Angehörigen trauern könnten″, wie Uwe Reints, einer der Paten der Gedenktafeln, bei der Verlegung vor der Hausnummer 2 sagte. Es ist für uns, die wir hier stehen, nicht zu fassen, wozu Menschen fähig sind. Es wird nie verjähren und darf auch nicht verdrängt werden.″
Und: Es muss uns allen bewusst sein, dass nur der, der seine Vergangenheit kennt, die Zukunft gestalten kann.″ Und zu dieser Vergangenheit gehört ein Wahn, der in Europa für sechs Millionen Juden kaum vorstellbare Albträume wahr machte.

Bildtexte:
Stolpersteine erinnern am Nikolaiort 2 an die Familie Meyer: das Ehepaar Nathan und Olga Meyer sowie Sohn Erich.
Die jüdische Familie Meyer wurde von Nationalsozialisten 1943 und 1944 in Konzentrationslagern ermordet
Fotos:
Gert Westdörp

Stolpersteine
Messingplatten in den Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegenihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig (Foto) ist Initiator des Projekts Stolpersteine, dem sich europaweit mehrere Hundert Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland weitere in Ländern wie Österreich, Ungarn, Italien, Tschechien, Polen, Belgien, Norwegen, den Niederlanden und in der Ukraine. Paten der Stolpersteine am Nikolaiort 2 sind Guido Paluch (für Nathan Meyer), Aloisia Hilbert-Paluch (für Olga Meyer) sowie Elisabeth und Uwe Reints (für Erich Meyer). Verlegt wurden die Gedenksteine von Schülern des Berufsschulzentrums am Westerberg: André Beste, Jan Buddenkotte, Robin-Stephan Dirks, René Oechel, Betim Ukaj und Carsten Ziegert. Das Büro für Friedenskultur nimmt für weitere Gedenktafeln gern Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von Opfern des NS-Regimes entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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