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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadt will Baufläche im grünen Finger
 
„Politisches Foulspiel gegen die Umwelt″
Zwischenüberschrift:
Stadt Osnabrück will im grünen Finger Gartlage Wohnungen bauen / Schon 2007 Streit um diese Fläche
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Stadt Osnabrück will eine 21 Hektar große Fläche zwischen dem Sandbach und der Knollstraße erwerben, um sie der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft WiO zur Verfügung zu stellen. Allerdings hat die Sache einen Nachteil: Das Areal liegt ausgerechnet im grünen Finger Gartlage und besitzt als Kaltluftbahn eine wichtige Funktion für das Stadtklima. Die Ratsfraktion der Grünen hat das Vorhaben öffentlich gemacht und kritisiert, dass hier eine Tabufläche bebaut werden solle. Die Geschäftspartner der Stadt bei diesem Grundstücksgeschäft sind zwei Erbengemeinschaften, von denen die Stadt auch Grundstücke für das Trainingszentrum des VfL am Haster Weg erwerben will. Geht es hier um ein Koppelgeschäft? Finanzvorstand Thomas Fillep bestreitet das. Wie er das begründet, lesen Sie im Lokalteil.

Osnabrück Die Stadt will eine Fläche im grünen Finger Gartlage kaufen, um sie als Wohngebiet auszuweisen. Erfüllt sie damit die Bedingung der Erbengemeinschaft, von der sie das Areal für ein neues VfL-Trainingszentrum haben will? Nein, sagt Stadtrat Thomas Fillep, aber die Grünen sprechen von einem schmutzigen Deal″.
Dass die VfL-Profis demnächst zwischen der Halle Gartlage und dem Haster Weg trainieren sollen, ist seit Anfang des Jahres im Gespräch. Geplant war, dass die Stadt dort Flächen erwirbt, um sie dem Zweitligisten für ein Trainings- und Nachwuchsleistungszentrum zur Verfügung zu stellen.
Das Gebiet gilt als ökologisch wertvoll, zumal es dort geschützte Biotope gibt. Schon im Januar sickerte durch, dass die Eigentümer ein Koppelgeschäft anstreben würden. Demnach sollte die Stadt das Areal für den VfL nur bekommen, wenn sie im Gegenzug die Weichen für ein Baugebiet im Sandbachtal unterhalb der Knollstraße stellen würde.

Grundstücksdeal

Jetzt will die Stadt die 21, 5 Hektar große Fläche im Sandbachtal selbst erwerben. Die Grünen-Ratsfraktion hat den geplanten Grundstücksdeal am Donnerstag mit einer Pressemitteilung bekannt gemacht. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, die CDU und die SPD wollten in der Dodesheide an den Eiswiesen Flächen für ein neues Wohngebiet kaufen, heißt es darin. Das machen wir nicht mit″, kündigt der Fraktionsvorsitzende Volker Bajus an, denn mit der Planung drohe an ökologisch sensibler Stelle ein grüner Finger kaputtgebaut″ zu werden.
Stadtkämmerer Thomas Fillep hat das Grundstücksgeschäft eingestielt. Das bestätigte er am Donnerstag gegenüber unserer Redaktion. Am 15. Dezember werde der Rat darüber entscheiden. Fillep widersprach dem Vorwurf, er habe sich auf ein Koppelgeschäft eingelassen. Der Kauf der Flächen für ein VfL-Trainingszentrum erfolge unabhängig vom Grundstückserwerb an der Knollstraße. Die Gegenseite habe zwar angestrebt, das eine nicht ohne das andere″ abzugeben, doch diese inhaltliche Verknüpfung habe ich wegverhandelt″, erklärte der Stadtrat und Finanzvorstand. Zwar gebe es zwei Erbengemeinschaften, und die seien an beiden Geschäften beteiligt, allerdings in unterschiedlicher Zusammensetzung.
Fillep betonte weiter, er habe gute Bedingungen für die Stadt ausgehandelt mit dem Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Flächen an der Knollstraße würden der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft WIO zur Verfügung gestellt. Und die werde dort nicht nur soziale, sondern auch ökologische Maßstäbe setzen. Wenn sich der Rat für den Kauf der Flächen entscheide, müsse die Politik festlegen, wie viel davon bebaut werde. Es biete sich die Chance, einen nicht unerheblichen Teil der 21, 5 Hektar ökologisch aufzuwerten.
Nach der Definition der Stadt gehören die Flächen an der Knollstraße zwar zum grünen Finger Gartlage, Fillep relativiert diese Abgrenzung aber: Im Flächennutzungsplan sind sie schon Wohnbauland.″
Das erklärt sich aus der Vorgeschichte. Vor 14 Jahren hatte es schon einmal Pläne gegeben, das Areal für die Bebauung freizugeben. 450 Wohnungen waren im Gespräch, doch daran drohte die damalige rot-grüne Mehrheit zu scheitern. So kam es zum Kompromiss, nur 120 Wohnungen auf einem schmalen Streifen am Rande der Freifläche zu errichten, und zwar in Passivhausbauweise. Dafür sollten die ökologisch bedeutsameren Gebiete südlich davon verschont bleiben.

Grüne: Wortbruch

Dass sich CDU und SPD jetzt doch auf ein Baugebiet im Sandbachtal einlassen wollen, wertet der Grünen-Ratsherr Michael Hagedorn als Wortbruch″. Er hatte damals damals für seine Fraktion die Verhandlungen geführt und fühlt sich nun hintergangen: Das wäre ein politisches Foulspiel gegen Umwelt und Naherholung″, heißt es in der Pressemitteilung.
Die Grünen bekennen sich zu der Verantwortung, neue Wohnungen zu bauen und dafür Bauland zur Verfügung zu stellen. Das sei eine Riesenherausforderung, weil es in Osnabrück kaum noch Flächen ohne ökologische Bedeutung gebe, erklärt Fraktionschef Volker Bajus. Daraus ergebe sich aber kein Freibrief, grüne Finger irreparabel zu schädigen. Die Flächen im Sandbachtal seien ein beliebtes Naherholungsgebiet, eine wichtige Frischluftschneise, und in der Sandbachaue lebten seltene Arten.
Kritikwürdig finden die Grünen außerdem, dass die Wohnflächenplanung an der Knollstraße am eigentlich zuständigen Stadtentwicklungsausschuss vorbeilaufe. Zudem sei der Preis für die Grundstücke völlig überhöht″. Dass es einen Zusammenhang mit dem Kauf der Flächen für den VfL gibt, löst bei Bajus und Hagedorn Empörung aus: Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir einen schmutzigen Grundstücksdeal, bei dem das Thema VfL-Trainingszentrum nur vorgeschoben wurde, um hinter dem Rücken des Rates eine Flächenpolitik gegen wertvolle Grünflächen zu betreiben, nicht mittragen werden!

Bildtexte:
Die Stadt will Flächen für ein weiteres Wohngebiet im grünen Finger Gartlage kaufen. Nach Informationen unserer Redaktion geht es um das Ackerland zwischen dem Haster Weg (links) und dem Gartlager Weg (ganz rechts).
Der grüne Finger Gartlage: Unten links das KME-Gelände und die Halle Gartlage, diagonal die DB-Strecke nach Bremen, ganz oben in der Mitte die Flächen, die als Wohngebiet ausgewiesen werden sollen.
Fotos:
Geodaten Osnabrück
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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