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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ampeln sollen für bessere Luft sorgen
 
Bei schlechter Luft springt Ampel auf Rot
Zwischenüberschrift:
Neues Verkehrsmanagementsystem am Schlosswall / Alternative zum Dieselfahrverbot
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Ampeln in Osnabrück regeln nicht nur den Verkehr, sondern auch die Luftgüte. Für 3, 5 Millionen Euro installiert die Stadt ein System, das an 35 Standorten die Verkehrsdichte erfasst und zusammen mit den Luftschadstoffwerten an den Verkehrsrechner übermittelt. Der Autoverkehr soll die Stellen mit besonders hohen Stickoxidbelastungen möglichst meiden. Pkw- und Lkw-Fahrer sollen deshalb mithilfe elektronischer Tafeln auf alternative Routen oder Verkehrsmittel aufmerksam gemacht werden. Wer diesen Rat nicht befolgt, muss damit rechnen, längere Zeit vor roten Ampeln zu verbringen. Stadtbaurat Frank Otte hat am Mittwoch die erste Messstation für das umweltsensitive Verkehrsmanagement am Schlosswall vorgestellt. Dort wurden in der Vergangenheit häufig hohe Stickoxidwerte gemessen.

Osnabrück Weniger Schadstoffe in der Luft verspricht sich die Stadt von einer neuen Ampelsteuerung, die den Autoverkehr verflüssigen, bei Bedarf aber auch um die Hotspots herumleiten soll. Der erste Baustein für das umweltsensible Verkehrsmanagementsystem (UVM) ist am Schlosswall zu sehen fällt aber kaum auf. An 37 Messstandorten, überwiegend in der Innenstadt, wird künftig ermittelt, was auf den Straßen unterwegs ist. Die Detektoren, die auf Stahlmasten angebracht sind, sind in der Lage, Lastzüge von Personenwagen zu unterscheiden und die Verkehrsdichte zu erfassen. Nummernschilder oder Personen können sie allerdings nicht erkennen, wie Stadtbaurat Frank Otte am Mittwoch beim Ortstermin versicherte. Auch wenn die Detektoren äußerlich wie Kameras wirkten, müsse sich also niemand sorgen, überwacht zu werden.
Die Daten werden über das Mobilfunknetz an den Verkehrsrechner übermittelt, der zusätzlich eine Schnittstelle für die Luftmessstationen erhält. Mithilfe von Algorithmen will die Stadt erreichen, dass die Autos aus den Zonen mit der dicken Luft möglichst herausgehalten werden. Das sollen elektronische Tafeln bewirken, wie sie auch von der Autobahn bekannt sind. Autofahrer, die sich nicht an die Empfehlungen halten, müssen damit rechnen, mehr Zeit vor roten Ampeln zu verbringen.

Kosten: 3, 5 Millionen

3, 5 Millionen Euro lässt sich die Stadt das umweltsensible Verkehrsmanagement kosten, die Hälfte davon zahlt das Bundesverkehrsministerium aus dem Sofortprogramm Saubere Luft 2017–2020″. Schon vor zwei Jahren fiel die Entscheidung für die aufwendige System. Damals saß dem Rat noch die Angst im Nacken, dass auch in Osnabrück Dieselfahrverbote verhängt werden müssten, um die kritischen Stickstoffdioxidwerte in den Griff zu bekommen. Inzwischen hat sich die Lage vielleicht auch wegen der Corona-Krise ein wenig entspannt. Stadtbaurat Otte hofft, dass sich durch ein verändertes Verkehrsverhalten weitere Fortschritte erzielen lassen.
Die umweltsensible Ampelsteuerung ist das Kernstück des Masterplans Green City von 2018, zu dem auch die Umstellung des Nahverkehrs auf Elektrobusse gehört. Ein weiterer Baustein ist die Reduzierung des Autoverkehrs bis 2022 um vier Prozent.
Das UVM soll vor allem die Spitzenwerte bei der Luftverschmutzung kappen. Nach Einschätzung der Fachleute werden sich die spürbaren Eingriffe durch das System auf wenige Tage im Jahr beschränken. Unter dem Strich soll die intelligente Steuerung den Autoverkehr aber flüssiger machen, indem etwas langsamer gefahren und weniger Ampelstopps eingelegt werden.
Aus diesem Grund sehen die Fachleute für Lichtsignalanlagen und Verkehrstechnik nicht in der roten, sondern in der grünen Ampel das bessere Symbol für das elektronische Management auf Osnabrücks Straßen. Fürs Erste müssen aber weitere Detektoren installiert werden. Dabei könnte es noch Engpässe durch den Brexit geben, fürchtet Ralf Lieder vom Fachdienst Verkehrsanlagen. Denn einige Komponenten würden von Siemens im britischen Poole hergestellt, und da komme es schon mal zu Problemen in der Lieferkette. Er sei allerdings zuversichtlich, dass alle Messstationen in den kommenden Monaten aufgebaut werden können.
Mit der Bereitstellung der Hardware kann das UVM aber noch nicht in Betrieb gehen, denn zunächst müssen die Spezialisten Daten sammeln, um das System fit zu machen. Stefan Zimmermann vom Fachdienst Lichtsignalanlagen und Verkehrstechnik schätzt, dass die Technik in etwa einem Jahr ihre erhoffte Wirkung entfalten kann. Vom umweltsensiblen Verkehrsmanagement soll nicht nur der Autoverkehr profitieren, auch für den Busverkehr und für die Radler soll sich die Investition auszahlen.

Grüne Welle für Radler

Neben der Ampelsteuerung setzt die Stadt auf einen zweiten Baustein, um die Luft sauberer zu bekommen die multimediale Verkehrsinformation″ für alle, die in Osnabrück mobil sind. Wer in die Stadt fahren will, kann sich schon am Abend zuvor informieren, wann und wo wie viel Verkehr erwartet wird und wo der Rechner gegensteuert. Über eine Smartphone-App, ein Internetportal und große digitale Informationstafeln an wichtigen Hauptverkehrsachsen sollen die Verkehrsteilnehmer erfahren, wo mit Behinderungen zu rechnen ist und über welche Strecken das gewünschte Ziel am besten zu erreichen ist. Mithilfe der App wollen die Planer zugleich eine grüne Welle für Radfahrer anbieten.
Mit dem umweltsensitiven Verkehrsmanagement schlägt die Stadt Osnabrück einen Weg ein, auf dem Potsdam und Erfurt schon etwas länger unterwegs sind, gefolgt von weiteren Städten wie Braunschweig und Würzburg. Ulrich Greiten, der als Mitarbeiter vom Fachbereich Umwelt und Klimaschutz die Luftschadstoffe im Blick hat, gibt sich überzeugt: In zehn Jahren wird das jede größere Stadt haben!

Bildtexte:
Eigentlich sei die grüne Ampel das Symbol für das umweltsensitive Management und nicht die rote, meinen die Fachleute.
Auf den kleinen Kasten am Stahlmast kommt es an: Die erste Messstation für das umweltsensitive Verkehrsmanagement wurde am Schlosswall installiert. Das Foto zeigt Stadtbaurat Frank Otte, Ralf Lieder vom Fachdienst Verkehrsanlagen und Ulrich Greiten vom Fachbereich Umwelt und Klimaschutz (von links).
Entweder länger auf Rot warten oder auf eine alternative Route ausweichen: Mit der umweltsensitiven Verkehrssteuerung haben Autofahrer die Wahl.
Fotos:
Michael Gründel, Joern Martens
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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