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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Knollstraße: Anwohner fühlen sich enteignet
Zwischenüberschrift:
Neue Wohnungen in zweiter Reihe: Gärten sollen zu Bauland für drei Wohnblöcke werden
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück An der Knollstraße wollen Anwohner verhindern, dass vier Blöcke mit 60 Wohnungen errichtet werden. Im Rat, wo alle Fraktionen den Wohnungsbau ankurbeln wollen, ist der Aufschrei angekommen. Jetzt deutet sich an, dass nur drei Blöcke gebaut werden dürfen. Damit ist uns überhaupt nicht geholfen″, meint die Initiative.
Für Heike Tennstädt und ihre Nachbarn ist es wie eine Vertreibung aus dem Paradies. Die Bewohner der Mehrfamilienhäuser Knollstraße 55 bis 83 fühlen sich enteignet, weil sie den größeren Teil ihrer Gärten abgeben sollen. Die eigenen Grundstücke sind zwar klein, aber mit dem dazugepachteten Gartenland von der Klosterkammer Hannover kommen sie auf bis zu 1000 Quadratmeter. Jahrzehnte ging das gut, aber jetzt will die Klosterkammer ihre Flächen versilbern. Für die Pächter bedeutet das, auf mehr als zwei Drittel ihrer rückwärtigen Gärten verzichten zu müssen.
Die Bövingloh Immobilien GmbH aus Münster steht hinter der Idee, vier Mehrfamilienhäuser mit jeweils 15 Wohnungen als zweite Bauzeile auf der Fläche der Klosterkammer zu errichten. Bei der Stadt sind Investoren willkommen, die im großen Stil Wohnungen errichten. Der Fachbereich Städtebau hat deshalb auf der Basis von Bövinglohs Entwurf das entsprechende Verfahren auf den Weg gebracht. Schon Ende Oktober stimmte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt einstimmig einer Änderung des Flächennutzungsplans zu, in dem das Areal bislang als Grünfläche bezeichnet war.
Die Abstimmung über das Bebauungsplanverfahren wurde jedoch verschoben. Dass schon fertige Pläne aus dem Architekturbüro Planquadrat auf dem Tisch lagen, die nur noch abgesegnet werden sollten, störte einige Ausschussmitglieder. Sie machten deutlich, dass nicht der Investor, sondern die Politik zu bestimmen habe, was geht und was nicht. Außerdem wurde angemerkt, die Baukörper seien zu klotzig″ und die Zuwegung zu den geplanten Tiefgaragen nehme zu viel Platz ein.
Die Politiker verständigten sich darauf, die Kritik der aufgebrachten Anwohner in einem interfraktionellen Arbeitskreis zu erörtern und über Verbesserungen nachzudenken. Stadtbaurat Frank Otte bezeichnete die Pläne des Investors zwar als absolut vertretbar″, versprach aber, dem Bauherrn die Bedenken aus dem Ausschuss vorzutragen. Nach Informationen unserer Redaktion geht es dabei um folgende Punkte:
Statt der vier Häuser sollen nur noch drei Wohnblöcke gebaut werden.
Die Autos von deren Bewohnern sollen in einer Sammelgarage Platz finden.
Der Energiestandard soll über den von KfW 55 hinausgehen.
Bei der Fassadengestaltung soll mehr Rücksicht auf das Umfeld genommen werden.
Für die Bewohner der bestehenden Häuser soll ein Weg angelegt werden, über den sie ihre Gartenabfälle entsorgen können, ein sogenannter Mistweg.
Am Donnerstag dieser Woche sollte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt eigentlich den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 664 (Knollstraße/ Am Bürgerpark) fassen. Inzwischen wird aber damit gerechnet, dass der Tagesordnungspunkt auf einen späteren Sitzungstermin verschoben wird, weil noch nicht alle Details geklärt sind. Aus den Fraktionen kommen jedoch deutliche Signale, dass sie dem Bau von Wohnungen mehr Gewicht geben werden als den Einwänden der Bürgerinitiative Knollstraße.

Ein alter Konflikt

Die Anwohner, die um ihre Ruhe, ihren schönen Blick und um ihre Gärten fürchten, fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Es ist ein Konflikt mit einer langen Geschichte. Schon in den 80er-Jahren gab es Pläne, am Rand der grünen Lunge rund um das Ameos-Klinikum Wohnhäuser zu errichten. Schon damals setzte sich eine Initiative dagegen zur Wehr, konnte aber nicht verhindern, dass an der Wakhegge, auf der Nordseite der Freifläche, eine zweite Bauzeile entstand.
Heike Tennstädt, die sich jetzt gegen das Wohnprojekt wendet, wirft der Politik Wortbruch vor, weil 1986 vereinbart worden sei, die Grünzone mit dem Regenrückhaltebecken nördlich der Knollstraße nicht durch weitere Bauvorhaben zu beeinträchtigen. Jetzt werde die Natur für den Wohnungsbau geopfert, meint die streitbare Anwohnerin. Dabei beruft sie sich auch auf die Kaltluftströme, denen im Klimagutachten der Stadt eine wichtige Rolle zugeschrieben wird. Die Stadtplaner machen geltend, dass solche Fragen in der Umweltverträglichkeitsprüfung behandelt werden sollen, die Bestandteil des Bebauungsplanverfahrens sein wird.
Diesem Verfahren misstraut die Bürgerinitiative. Heike Tennstädt spricht von pseudobürgerfreundlicher Mitbestimmung″ und konstatiert einen Vertrauensverlust der Demokratie. Gerade in Zeiten von Corona sei es für die Anwohner schwierig, sich zusammenzuschließen, um ihren Protest zu formulieren.

Bildtexte:
Vier Blöcke mit 60 Wohnungen will ein Investor in zweiter Reihe hinter den Häusern an der Knollstraße errichten. Aus der Politik kommen jetzt dezente Vorbehalte gegen das Projekt eines Münsteraner Investors.
Die Anwohner kämpfen um ihre Gärten, aber die Stadt will Wohnraum schaffen.
Bauen in zweiter Reihe: Die Anwohner der Knollstraße fühlen sich um ihre Gärten und um ihre Sicht gebracht.
Grafiken:
Planquadrat
Foto:
Geodaten Osnabrück
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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