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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ruck, zuck war das Stellwerk weg
Zwischenüberschrift:
Die gute Seele: Hermann Pentermann senior
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Postalisch gehören wir zur Innenstadt″, betont Hermann Pentermann senior. Seit zwölf Jahren wohnt er mit seiner Frau Margarete in seinem Haus an der Gertrudenstraße, keine 50 Meter weg von der KME-Fabrikhalle an der Klosterstraße: Das Werk ist so groß wie die ganze Innenstadt. Aber wir hören hier nichts″, sagt der Vorsitzende des Bürgervereins zu Osnabrück von 1880″.

Offenbar bestehen (oder bestanden zumindest in der Vergangenheit) gewisse Rivalitäten mit dem Bürgerverein des östlichen Stadtteilnachbarn Schinkel: Die sagen immer: , Ach, ihr da hinter der Bahn′ ″, erzählt der gebürtige Osnabrücker, der lange in Saarbrücken gelebt und gearbeitet hat. Und beschreibt damit gleichzeitig die Nord-Süd-Schienenachse als Ostgrenze der Gartlage.
Im Westen ist das die Linie Nonnenpfad/ Knollstraße/ Lange Wand. Deshalb gehört die Ostseite der Ziegelstraße zur Gartlage, während die Westseite schon ein Teil des Sonnenhügels ist. Dort, nämlich an Süntelstraße und Bürgerpark, ist Hermann Pentermann groß geworden. Viel kann er deshalb erzählen über die Rodelbahnen dort, über die Gertrudenberger Höhlen, die ehemalige Hebammen-Lehranstalt und das noch bis in der 1960er-Jahre hinein von einer Mauer umgebene und als Irrenanstalt″ bezeichnete Ameos-Klinikum. Der Bürgervereinsvorsitzende weiß auch, warum die Industrie- und Gewerbegebiete früher hauptsächlich im Osten der Stadt angesiedelt wurden und demzufolge auch die Arbeiterviertel: Weil der Wind überwiegend aus Nordwesten weht. Deshalb sind die teuren Wohnviertel im Westen.″
Hermann Pentermann erlebte den steten Wandel des Stadtteils hautnah: Zwei Häuser weiter war mal eine Kneipe, die hat dichtgemacht. Hier im Haus war eine Malerwerkstatt, nebenan eine Tischlerei und Möbelschreinerei.″
Aus seinem Wohnzimmerfenster kann er die Rückseite des Hauses sehen, in dessen Dachgeschoss der Remarque-Freund Fritz″ Hörstemeier vor beinahe 100 Jahren seine Traumbude″ hatte und auch dazu manches Anekdötchen erzählen. Genauso wie zu dem Denkmal für den Bürgerpark-Begründer und Apfelchaussee-Einrichter Gerhard Friedrich Wagner. Das wurde 1995 am Treppenaufgang zum Klushügel aufgestellt. Hermann Pentermann holt die Fotos von der offiziellen Einweihung heraus; darauf ist neben dem damaligen Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip auch der Wort- und Buchhalter der zuständigen Herrenteichslaischaft, Detlef Wulfetange, zu sehen.
Pentermann erzählt auch, dass er nach der mittleren Reife zusammen mit mindestens 150 Aspiranten″ eine Prüfung ablegen musste, um bei KME damals noch OKD eine Lehrstelle zu bekommen. Da es nicht geklappt habe, sei er weiter zur Schule gegangen, erzählt der Vater des gleichnamigen Osnabrücker Pressefotografen. Nach höherer Handelsschule und Wirtschaftsgymnasium, einer Stelle in der Schirmfabrik Zangenberg, der Lehre zum Industriekaufmann und einer Ausbildung zum Bankkaufmann verschlug es Hermann Pentermann zu Gudbrod nach Saarbrücken. Nach einem Betriebswirtschaftsstudium war er dort 24 Jahre lang Geschäftsführer. Später, nach seiner Rückkehr in die Hasestadt, machte er sich als Süßwarenhändler selbstständig: Aber das rechnet sich heute nicht mehr″, sagt der Pensionär.
Allmählich sähe er gern auch Jüngere im Vorstand des Bürgervereins. Doch ein Nachfolger ist nicht in Sicht; deshalb setzt er sich als Vorsitzender weiter für die Belange der Stadt und des Stadtteils ein. Manchmal verliert er den Kampf wie zum Beispiel den um das ehemalige Stellwerk der Eisenbahn, für dessen Erhalt er extra zur damaligen Bundesbahnverwaltung nach Oldenburg gefahren ist. Als die merkten, da kümmert sich jemand, hat das keine zwei Tage gedauert, da war das Ding weg.″
Gewonnen hat er dagegen wenn auch nach endlosem bürokratischen Hin und Her das Ringen um den Ankauf ausgemusterter Eisenbahnsignalanlagen. Die stehen jetzt bei ihm im Hof. Sonst wären sie längst verschrottet worden.

Bildtext:
Hermann Pentermann senior vor seinen Bahnsignalen im Hof. Die verleiht er auch mal an Museen, weil die Bahn sie nur ungern verkauft.
Foto:
Angelika Hitzke
Autor:
Angelika Hitzke


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