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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kehren die Berliner Kissen zurück?
Zwischenüberschrift:
In Osnabrück kocht der Dauerstreit wieder hoch / Erfahrungen vom Westerberg
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Nicht noch einmal diesen Ärger: Finanzchef Thomas Fillep will nicht, dass die Berliner Kissen auf eine wichtige Straße des Westerberges zurückkehren. Das alte Streitthema ist wieder da.
Auf der Mozartstraße sind die umstrittenen Bremsbuckel im vergangenen Jahr abgenommen worden, als die Bauarbeiten auf der Rheiner Landstraße begannen. Die Mozartstraße dient als Umleitungsstrecke. Dem Verkehr sollten nicht weitere Hindernisse in den Weg gestellt werden, so die Überlegung. Nun gehen die Bauarbeiten auf der Rheiner Landstraße dem Ende entgegen, und es stellt sich die Frage: Kehren die Berliner Kissen zurück und wenn ja, welche?
Damit sind wir beim Kernproblem. Es gibt zwei Sorten von Bremsbuckeln: Die weichen Kissen, die auch auf der Mozartstraße lagen, machten keinen Lärm und ließen sich sanft überrollen. Die neueren und härteren Exemplare, die später auf der Händel- und Gluckstraße aufgebracht wurden, sorgten für so viel Ärger, dass sie im Januar 2019 auf Geheiß der Politik wieder eingesammelt wurden.
Die gebrauchten weichen Kissen könnten nicht auf die Mozartstraße zurückkehren, teilte Fillep jetzt dem Finanzausschuss mit. Sie seien abgenutzt. Neu ist diese Kissensorte aber nicht zu bekommen, denn die Produktion ist eingestellt worden. Es bliebe also nur die Möglichkeit, die harten Bremsbuckel einzubauen. Und genau das möchte die Verwaltung aufgrund der Erfahrungen an der Gluckstraße lieber nicht.
Fillep schlägt deshalb vor, zunächst auf den Einbau neuer Kissen zu verzichten. Die Situation solle allerdings genau beobachtet werden″, um bei einer objektiv zu verzeichnenden Verschlechterung andere Verkehrs- und Geschwindigkeitsreduzierungsmaßnahmen zu erarbeiten″, wie es in der Vorlage für den Finanzausschuss heißt.
Ob das alle Anlieger der Mozartstraße gut finden? Einige wünschen sich die Kissen zurück, wie im Bürgerforum schon vor genau einem Jahr deutlich wurde. Auf freier Straße außerhalb der Stoßzeiten drückten Autofahrer mächtig aufs Gaspedal, sagte damals ein lärmgeplagter Anwohner.
Die Buckel haben in den vergangenen Jahren viele aufgeregt Westerberg-Bewohner, Autofahrer, Notärzte, Verkehrsexperten, Rat und Verwaltung. Eine Fraktion aus der Anwohnerschaft forderte sie mit Nachdruck, weil sie die heimliche Westumgehung von Mozartstraße bis Gluckstraße für Autofahrer unattraktiv machen. Anderen gingen sie gehörig auf die Nerven, weil sie Lärm verursachen und Autoinsassen durchschütteln. Ein echtes Problem stellten sie für die Rettungsdienste dar, denn Patienten litten unter den Erschütterungen.
Die insgesamt 36 Ruhekissen auf den Nord-Süd-Verbindungen des Westerberges sind Teil des Verkehrskonzeptes, das mit viel Mühe und intensiven Beratungen des Runden Tisches Westerberg erarbeitet worden ist. Die Bremsschwellen haben nach Messungen der Stadt dazu geführt, dass zum Beispiel auf der Route Caprivistraße/ Albrechtstraße pro Tag 600 bis 700 Autos weniger fahren. Die Geschwindigkeit der Autos ist im Schnitt um drei bis vier Kilometer pro Stunde zurückgegangen.
Der Finanzausschuss verweigerte eine Entscheidung, ob die Mozartstraße wieder Kissen bekommt. Das sei Sache des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt, meinte die Mehrheit in der Sitzung am Dienstag.
Die FDP hat sich bereits eine klare Meinung gebildet. Die Stadt sollte auf die Kissen verzichten und zur Verkehrsberuhigung lieber die Straßenzüge Albrecht-/ Caprivistraße und Mozart-/ Händel-/ Gluckstraße für den Durchfahrtverkehr sperren und dort lediglich Anliegerverkehr, Rettungsfahrzeuge und ÖPNV erlauben. Vor drei Jahren haben wir das im Arbeitskreis Westerberg vorgeschlagen″, teilte FDP-Fraktionschef Thomas Thiele mit. Nach einer Probephase sollten die Straßen dann mit automatischen Schranken ausgerüstet werden. Unsere Vorschläge im Runden Tisch hätten mindestens 400 000 Euro für Kissen gespart″, so Thiele.

Bildtexte:
Diese alten weichen Berliner Kissen kehren nicht auf die Mozartstraße zurück. Sie sind verbraucht. Jetzt wird diskutiert, ob die Straße mit der umstrittenen neuen Kissen-Variante belegt werden soll.
Die neuen, harten Berliner Kissen.
Im Januar 2019 wurden die harten Berliner Kissen von der Gluckstraße entfernt.
Berliner Kissen.
Fotos:
Archiv/ Gert Westdörp, Jörg Martens, Michael Gründel

Kommentar
Symbol für ein gebrochenes Versprechen

Es mag lächerlich wirken, eine politische Debatte über die Rückkehr von ein paar Bremsbuckeln auf einer Osnabrücker Straße zu führen. Aber diese Kissen sind in diesem Fall mehr als ein Werkzeug zur Verkehrsberuhigung. Sie stehen symbolhaft für ein Versprechen, das nicht eingehalten wurde.
Erinnern wir uns: Als 2014 eine knappe Mehrheit in der Bürgerbefragung Nein zur Entlastungsstraße West sagte, gelobten alle politischen Kräfte, die dieses Votum herbeigesehnt hatten, dass es nun einen Plan B zur Beruhigung des Verkehrs auf dem Westerberg geben werde.
Die Faktenlage damals: Auf der Nord-Süd-Verbindung Mozartstraße bis Gluckstraße zählte die Stadt täglich von 8000 bis 10 000 Fahrzeuge. Der Durchgangsverkehr erreichte einen Anteil von 40 bis 46 Prozent. Der Runde Tisch Westerberg sollte dafür eine Lösung finden. Politiker, Anwohner, Fachleute aus der Verwaltung sowie Vertreter von 22 Organisationen, Initiativen und Interessengemeinschaften saßen hinter verschlossenen Türen zusammen, um am Ende ein Konzept der kleinen Schritte zu verabschieden. Aber immerhin. Die Berliner Kissen waren neben Fahrbahnmarkierungen und Querungshilfen der wichtigste Baustein, um Autofahrer zu bremsen und die heimliche Westumgehung für sie unattraktiv zu machen. Aber die optimale Lösung waren sie nicht, wie wir heute wissen.
Kurzum: Es gibt bis heute keinen umsetzbaren und Erfolg versprechenden Plan B. Die Politik steht im Wort. Sie muss Antworten liefern spätestens dann, wenn das neue Baugebiet auf dem Finkenhügel Realität wird.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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