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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Streit um eine Marke für die Industriekultur
 
Konflikt um drei Großbuchstaben
Zwischenüberschrift:
Museum Industriekultur Osnabrück hat im Namensstreit die Nase vorn
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Ein Museum Industriekultur gibt es nicht nur in Osnabrück, sondern auch in mehreren anderen Städten Deutschlands. In diesem Jahr hat die Stadt Wuppertal ihrem Museumsquartier den Namen Museum Industriekultur″ gegeben. In der Umbenennung selbst steckt zwar noch kein Konfliktpotenzial, aber die Wuppertaler setzen auf eine Abkürzung, und die wollen sie als Marke groß herausbringen. Pech nur, dass sich das Museum Industriekultur Osnabrück eben dieses Kürzel kurz zuvor beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) als Marke gesichert hatte. Eine Marke kann es nur einmal geben, und deshalb muss entweder Wuppertal oder Osnabrück nachgeben. Um welche Abkürzung es geht und ob hier Zufall oder Intrige im Spiel ist, lesen Sie im Lokalteil dieser Ausgabe.

Osnabrück Dem Museum Industriekultur Osnabrück droht ein Namensstreit, weil sich auch das Historische Zentrum in Wuppertal als Hort der Industriekultur versteht. Jetzt wird um drei Buchstaben gerungen, die alles auf den Punkt bringen sollen. Osnabrück hat sie sich als Marke eintragen lassen, eine Nasenlänge vor Wuppertal.
Museen, die sich der Industriekultur verschrieben haben, gibt es mehrfach in Deutschland. Aber zwei von ihnen wollen mit einer Abkürzung ihr Profil schärfen. Unglücklicherweise sind diese Überlegungen in Wuppertal und Osnabrück fast zur gleichen Zeit und völlig unabhängig voneinander geführt worden. Das Ergebnis war das gleiche: MIK soll die neue Marke sein. Und in beiden Städten wird schon viel Arbeit investiert, damit sie ihren Häusern maximale Aufmerksamkeit verschafft.
Aufgeflogen ist die Sache erst, als die Stadt Wuppertal Anfang Oktober ihr Museumsquartier umbenannte. Das Historische Zentrum, zu dem das Engels-Haus, das Museum für Frühindustrialisierung und andere Einrichtungen gehören, sollte künftig nicht mehr als diffuser Begriff verwendet werden, sondern mit dem Kürzel MIK an jedem Museumsstandort eine erkennbare Marke bekommen.

Für Engels′ Geburtstag

Aus Wuppertaler Sicht war der Titel Museum Industriekultur schon lange in der Welt, schreibt die Westdeutsche Zeitung″ in ihrer Freitagausgabe, und damit auch die Abkürzung MIK. Denn der Stadtrat hatte schon im Dezember 2019 einen entsprechenden Beschluss gefasst. Das geschah mit Blick auf das bevorstehende große Ereignis den 200. Geburtstag von Wuppertals großem Sohn Friedrich Engels am 28. November das mit vielen Veranstaltungen gefeiert werden sollte. Doch die sind wegen der Corona-Krise einstweilen ins Wasser gefallen. Und mit MIK gibt es jetzt auch Ärger.
Die Nachricht, dass sich Osnabrück kurz zuvor die Rechte an dem Kürzel gesichert hatte, dürfte Lars Bluma, dem Leiter des Wuppertaler Museums, gründlich die Suppe verhagelt haben. Aber am Telefon gibt er sich gelassen. Natürlich habe man sich vorab informiert, versichert er, aber zum Zeitpunkt des Ratsbeschlusses habe es noch nirgendwo ein MIK gegeben. Zunächst sei es ja um das Logo gegangen: Das habe ich am 1.9. abgenommen von unserer Agentur″, sagt Bluma.
Was er an jenem Dienstag nicht wissen konnte: Am Tag zuvor hatten die Osnabrücker die Abkürzung beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) angemeldet, am 6. Oktober folgte der Eintrag wenige Tage bevor die Stadt Wuppertal in einer Pressemitteilung ihr″ MIK ankündigte. Alles spricht dafür, dass der Zufall seine Hand im Spiel hatte und keine böse Intrige dahintersteckt. Das ist so, als wenn man von einem Satelliten getroffen wird″, meint Museumschef Bluma. Und nun? Ihn störe es nicht, wenn es in zwei Städten ein MIK gebe, bekundet er. Und fügt hinzu, rein juristisch betrachtet habe Wuppertal gute Karten: Unser Rechtsamt ist zu dem Schluss gekommen, dass unser Logo bestehen kann.″ Jetzt will er abwarten, was die Osnabrücker unternehmen.
In Osnabrück besteht keine große Neigung, die Sache vor Gericht auszutragen. Museumsleiterin Vera Hierholzer will an dem Kürzel festhalten, und im Gegensatz zu ihrem Wuppertaler Kollegen darf es für sie nur ein MIK geben. Ihr ist ganz wichtig, dass es in der digitalen Welt keine Verwechslungsgefahr mit anderen Häusern gibt. Schon bei ihrem Dienstantritt vor einem Jahr hatte die Historikerin die Abkürzung MIK ins Spiel gebracht. Museum Industriekultur das klingt etwas sperrig″, sagt sie, und von vielen werde der Begriff ja gleich auf Industriemuseum″ reduziert, ohne die Kultur. Die bekomme mit dem dritten Buchstaben im Kürzel einen stärkeren Akzent.

Wer war früher dran?

Bisher hat das Osnabrücker Museum seine neue Duftmarke noch sehr zurückhaltend gesetzt, im Oktober mit Kaffeearoma: Da wurde das Café MIK im Haseschacht eröffnet. Mit den drei Versalien. Doch die erste urkundliche Erwähnung geht auf einen anderen Anlass zurück. Beim Corona-Lockdown im Frühjahr tauchten auf der Internetseite des Museums Industriekultur die kryptischen Zeichen MIK x 2″ auf, gesprochen Mik mal zwei″. Der Sinn ist schnell erklärt: Da werden den Besuchern in Videoclips jeweils zwei Objekte von zwei Personen in zwei Minuten vorgestellt, wegen der Ansteckungsgefahr auch noch zwei Meter von der Kamera entfernt.
Im kommenden Jahr soll es am Piesberg einen umfassenden Relaunch geben, mit neuem Logo, neuer Internetseite und einem neuen digitalen Mitmachbereich, aber auch ganz analog zum Anfassen. Alles dreht sich ums MIK. Wir sind mittendrin im Prozess″, sagt Hierholzer. Und damit meint sie natürlich nicht einen Gerichtsprozess, der die ganze Arbeit nur lähmen würde. Aber vielleicht läuft es ja noch darauf hinaus. Wer hat dann die besseren Karten?

Das gibt′s nur einmal

Die Westdeutsche Zeitung″ in Wuppertal hat sich bei Oliver Brexl erkundigt, dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Geistiges Eigentum und Medien im Deutschen Anwaltverein (DAV). „ Das hat Osnabrück gut gemacht″, kommentiert der. Anders als ein beschreibender Name wie Museum Industriekultur″ sei eine Abkürzung als Marke schützenswert. Ein Museum Industriekultur dürfte es wohl zweimal geben, ein MIK aber nicht.
Um die Sache wasserdicht zu machen, müsste das MIK in Osnabrück allerdings in Wuppertal auf Unterlassung pochen. Aber einen Rechtsstreit um den Namen führen? Das käme Museumsleiterin Vera Hierholzer ziemlich ungelegen. Sie hofft weiter auf eine gütliche Einigung.

Bildtext:
Das Museum Industriekultur Osnabrück setzt auf die Marke MIK eine Idee, die jetzt auch das Museum Industriekultur Wuppertal verfolgt. Wer setzt sich durch?
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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