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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Friedlicher Sport und NS-Getöse
Zwischenüberschrift:
Sportplatz Klushügel dient seit 126 Jahren dem Sport – und zwischendurch den Nazis
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Der Klushügel ist ein geschichtsträchtiger Ort. Manches musste er über sich ergehen lassen. Wenn die damals noch rechtsagen hafte Geschichtsschreibung recht hat, dann kam es hier zum Showdown zwischen dem Franken-Kaiser Karl und dem Sachsenherzog Widukind. In der Schlacht am Schlagvorder Berg, so der alte Name des Klushügels, soll Karl 783 seinen heidnischen Widersacher entscheidend geschlagen und damit den Grundstein für das Bistum Osnabrück gelegt haben.

Damals weit außerhalb des Siedlungskerns gelegen, der später Stadt wurde, rückte der Klushügel mit dem Beginn des Eisenbahn-Zeitalters ins Zentrum. An seiner Flanke kreuzen sich die Hauptstrecken Bremen–Ruhrgebiet und Amsterdam–Hannover. Er wurde angenagt, um ein ebenes Plätzchen für die Anlagen des Hauptbahnhofs zu schaffen. Später, als es darum ging, die höhengleichen Übergänge von Straße und Bahn aufzulösen, sprengten die Bauleute einen verwegenen Canyon für die Buersche Straße hinein. Im letzten Krieg durchlöcherte man ihn dann auch noch mit einem weitverzweigten Tunnelsystem, das als Luftschutzstollen vielen Osnabrückern Schutz vor den Bomben bot.
Auf dem nordwestlichen Abhang des Klushügels, der seinen Namen übrigens von einer im Jahr 1310 dort gestifteten Mönchsklause erhaltenhat, geht es seit 126 Jahren sportlich und gesellig, zwischen durch allerdings auch im Gleichschritt NS-martialisch zu. 1884 beauftragten die städtischen Kollegien Oberbürgermeister Heinrich Brüning, dem königlich-hannoverschen Domänenamt eine Fläche zwischen Bohmter Straße und Bahnlinie zwecks Anlage eines Spielplatzes″ abzukaufen. 1886 wurde der Platz den Turnern und Ballspielern übergeben, 1889 darauf ein Geräteschuppen errichtet und 1905 eine massiv gebaute Spielhalle″ ergänzt. Nicht etwa, um dort Geld in Automaten zu versenken, sondern um sich frisch, fromm, fröhlich und frei im sportlichen Wettkampf spielerisch zu messen.
Der Fußballverein FC 1899 Osnabrück″, der später mit anderen Clubs zum VfL verschmolzen werden sollte, trug Ostern 1900 auf dem Klushügel erstmals ein Spielgegen eine auswärtige Mannschaft aus. Man trennte sich vom FC Brema Bremen mit einem 1: 1 Unentschieden. Später hatte der FC Teutonia von 1902″ seine Heimat auf dem Klushügel.
Das historische Foto vom 1.Mai 1936 zeigt den Platz allerdings in einer ganz anderen Funktion. Die Nationalsozialisten hatten den in der Arbeiterbewegung begründeten Tag der Arbeit für ihre Propagandazwecke vereinnahmt und zum Nationalfeiertag erklärt, der stets mit einer pompösen Kundgebung begangen wurde. Vom Sammelpunkt Klushügel ausmarschierte 1936 eine insgesamt 15 Kilometer lange Kolonne verschiedener Gruppierungen durch die Stadt zur Schützenburg. Außer den innerstädtischen Aufmarschplätzen Markt und Ledenhof wurde der Klushügel von den örtlichen Parteiführern wegen des größeren Platzangebots und der Weitsicht über die Stadt gern gewählt. Der historische Schlachtenort als Anknüpfungspunkt mag auch eine Rolle gespielt haben.
Schon vier Jahre zuvor, als er noch nicht Reichskanzler war, nutzte Hitler den Klushügel für einen Wahlkampfauftritt. Während noch örtliche Parteigrößen als Vorredner sprachen, kreiste die dreimotorige JU 52 mit Hitler an Bord in niedriger Höhe über den versammelten 25 000 Menschen, was einen orkanartigen Beifall″ auslöste, wie die Osnabrücker Zeitung damals schrieb. Die Maschine des Parteiführers landete auf der Netterheide, und Hitler ließ sich im offenen Wagen zum Klushügel chauffieren. Mit geschickt inszenierten Kundgebungen wie der in Osnabrück am 24.Juli 1932 schaffte es die NSDAP, bei der Reichstagswahl am 31. Juli mit 37, 4 Prozent der Stimmen zur stärksten Kraft zu werden. 14 Jahren später waren es andere Maschinen, die über dem Klushügel kreisten.
Alliierte Bombeneinschläge pflügten das Gelände mehrfach durch. Der Klushügel hatte das Pech, zwischen den Hauptzielen Kupfer- und Drahtwerk (heute KME) und der Bahnlinie mit dem Reichsbahn-Ausbesserungswerk zu liegen. Wer mit der Lupe nach schaut, entdeckt auf beiden Fotos die Torhäuschen mit den Spitzdächern am Eingang. Sie haben den Bombenhagel überdauert, im Unterschied zu der Konzerthalle und Großgaststätte Klushügel (auf dem alten Bild links im Hintergrund).
Nach dem Krieg legte die Stadt in der Kraterlandschaft des Sportplatzes zunächst eine Müllkippe an. 1949 entschied sie, den Platz seiner ursprünglichen Bestimmunggemäß wieder herzurichten. Bis in die 1960er-Jahre war der Klushügel als Zentralsportanlage der Stadt eingestuft, gab diesen Status dannaber an die Illoshöhe ab. Bisheute ist die Anlage von Vereinen und Schulen gut belegt.

Bildtexte:
Maifeier auf dem Klushügel das NS-Regime nutzte das Sportgelände häufig für Aufmärsche und Kundgebungen, wie hieram 1. Mai 1936. Im Hintergrund links das Kaffee- und Konzerthaus Klushügel.
Ein gepflegter Rasen zeichnet heute die städtische Sportanlage Klushügel aus. An der Stelle des im Krieg zerstörten Konzerthauses steht an der Humboldtstraße 16 das Wohnheim Dr. Lüers.
Fotos:
Emil Harms, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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