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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kein VfL-Trainingszentrum auf dem KME-Gelände?
Zwischenüberschrift:
Chance auf schnelle Hilfe für das Profiteam schrumpft / Stadt setzt auf die Gartlage, doch der Limberg ist eine Alternative
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück In die Suche nach dem richtigen Grundstück für das Trainings- und Nachwuchsleistungszentrum des VfL Osnabrück kommt zwar Bewegung, doch eine Lösung ist nicht in Sicht. Gleichzeitig wachsen die Zweifel, ob das für die Trainingsplätze der Profimannschaft kurzfristig vorgesehene KME-Randgelände überhaupt infrage kommt. Die Thematik ist kompliziert, aber spannend nicht nur wegen einer seltenen Fledermaus-Art und einiger alter Bäume, die gefällt wurden.
Die Ausgangslage: Der VfL hat auf der Sportanlage Illoshöhe keine konkurrenzfähigen Trainingsbedingungen für die Profis in der 2. Bundesliga und die Talente aus der Region, die im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) professionell ausgebildet werden.
Dieses neue Trainingszentrum (TZ) soll schnell entstehen und ein, zwei Jahre später in der Nachbarschaft erweitert werden um ein modernes NLZ nach den Anforderungen der DFL. Zwei Schritte zum großen Ziel, erst rasche Hilfe für die Profis, dann die Plattform für die Talente ein Projekt, ein Standort, der die beiden Leistungsbereiche verbindet.
Der Rat der Stadt sagte vor einem Jahr Ja″ zu diesem Masterplan und versprach, passende Grundstücke zu suchen, zu kaufen, dem VfL baureif zu übergeben und den Bau des NLZ mit bis zu fünf Millionen Euro zu unterstützen. Das war im Dezember 2019. Seitdem wurde viel konferiert, geplant und diskutiert doch aus Sicht des VfL ist festzustellen: Man ist keinen Schritt weiter, es drohen sogar Rückschritte.
Zunächst sprach alles dafür, dass das Teilgrundstück am östlichen Rand des KME-Geländes, für das der Kupferverarbeiter keine Verwendung mehr hat, schnell für den neuen Zweck würde umgebaut werden können. Zwei Plätze, beheizt und beleuchtet, mit Drainage, dazu eine Multifunktionsfläche, ein Funktionsgebäude das alles auf einer Industriebrache. Kein Problem, dachten alle.
Doch inzwischen ist höchst fraglich, ob dort überhaupt gebaut werden kann. Der erste Öko-Gutachter hatte noch grünes Licht signalisiert, alle waren sich ihrer Sache sicher. So sicher, dass auf wessen Weisung auch immer bereits einige der über 100 Jahre alten Bäume gefällt wurden, die zum Wald auf und neben dem KME-Gelände gehörten.
Ein zweiter, von der Stadt beauftragter Gutachter stellte in diesem Wald ein Vorkommen der seltenen Bechstein-Fledermaus fest eine der Arten, die nach EU-Recht unter dem höchstmöglichen Schutz stehen. In der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses hat Detlef Gerdts, Leiter des Fachdienstes Umwelt und Klima, präzise dargestellt, wie hoch die Hürden für den Bau eines Trainingszentrums an diesem Standort deshalb sind. Das Leben dieser Tiere, die extrem licht- und lärmempfindlich sind, kann an einer Stunde Flutlichtnutzung hängen. Sie raubt ihnen die Dunkelheit, in der sie sich im Herbst die Substanz für den Winterschlaf anfressen.
VfL-Präsident Manfred Hülsmann und Stadtbaurat Frank Otte berichten zwar von Gesprächen mit der unteren Naturschutzbehörde über einen Kompromiss. Der VfL will einen weiteren Bauantrag einreichen mit Plänen, die den Forderungen des Artenschutzes entgegenkommen. Doch dazu muss die Trainingsfläche versetzt und sogar verkleinert und die Nutzung des Flutlichts eingeschränkt werden. Was bleibt dann noch von den Verbesserungen für die Profis? Und selbst dann sind noch Klagen und Baustopps möglich.
Ein ähnliches Dilemma droht dem Nachwuchsleistungszentrum, das auf den benachbarten Grünflächen zwischen Halle Gartlage, Sandbach und dem Haster Weg im zweiten Schritt entstehen soll. Die Verhandlungen der Stadt mit einer Eigentümergemeinschaft über den Kauf der etwa 50 Hektar großen Fläche sind weit gediehen; es geht um einen Preis von schätzungsweise um 20 Millionen Euro. Sollten die KME-Pläne scheitern, wäre dort Platz für beide Projekte TZ und NLZ.
Die Frage ist aber auch hier: Wann? Auf jeden Fall wäre damit die kurzfristige Hilfe für die Profis vom Tisch. Der Betrieb könnte nämlich frühestens Anfang 2023 aufgenommen werden.
Doch auch in der Gartlage bauen sich ökologische Hürden auf. Drei schützenswerte Biotope sind bereits ausgemacht, dazu beginnt das Spezielle Artenschutzrechtliche Prüfverfahren (SAP) erst im Februar 2021 mit der neuen Vegetationsperiode, die im Oktober endet. Die dabei erhobenen Erkenntnisse werden dann ausgewertet und geprüft, ehe es in den Prozess der Bürgerbeteiligung und die Bauplanung geht.
Und das Ende ist offen, inhaltlich wie zeitlich. Wenn es keine Einsprüche mit Substanz, keine Klagen wegen der Beeinträchtigung eines wertvollen grünen Fingers und keine schützenswerten Arten zu berücksichtigen gibt, könnte zumindest ein Teilbetrieb Anfang 2023 starten. Könnte
Etwa drei Kilometer nordöstlich liegt ein Gebiet, das vor einigen Monaten von Stadtkämmerer Thomas Fillep als Alternative ins Gespräch gebracht wurde: Das ehemalige Kasernengelände am Limberg gehört bereits der Stadt, ein Teil des Geländes ist als Sportfläche ausgewiesen, artenschutzrechtliche Probleme sind nicht zu erwarten.
Bevor im Stadtentwicklungssausschuss der Aufstellungsbeschluss für die Gartlage dieser Schritt markiert den Beginn eines Bauleitverfahrens mit den Stimmen der CDU und der SPD, aber gegen die Stimmen der anderen Parteien gefasst wurde, gab es mehrfach Fragen nach dem Limberg. Die FDP bemängelte, dass die von der Verwaltung angekündigte abwägende Gegenüberstellung der Flächen Gartlage und Limberg nicht vorgelegt wurde.
Ein Argument der Verwaltung gegen den Limberg ist: Die Sportflächen seien nicht groß genug für die beiden VfL-Projekte. Das stimmt, war aber mal anders und ließe sich leicht ändern. Der VfL braucht etwa acht Hektar als Gesamtfläche, 4, 3 Hektar sind aktuell als Sportflächen im südlichen Teil des Limbergs ausgewiesen.
Es waren aber mal zehn Hektar, doch als TuS Haste und der SSC Dodesheide abwinkten, wurden 5, 7 Hektar der Gewerbefläche des Limbergs zugeschlagen. So stehen nun 25, 7 Hektar für (emissionsarmes) Gewerbe zur Verfügung; Flächen, die die Stadt und die WFO (Wirtschaftsförderung Osnabrück) beanspruchen. Ein weiterer Einwand gegen den Limberg: Die Räumungs- und Erschließungsarbeiten erfolgen vom Norden aus und enden im Süden, wo die Sportflächen liegen soll heißen: Das dauert.

Bildtexte:
Auf dem Gelände hinter dem Zaun soll eigentlich das Trainingszentrum des VfL entstehen. Doch die Planung stockt.
Zu wenig Platz für Sport? Das ehemalige Kasernengelände am Limberg.
Fotos:
Helmut Kemme

Kommentar
Der VfL in der Zwickmühle

Mehr denn je brauchen die Profis des VfL bessere Trainingsbedingungen, um auch in der Schlechtwetterperiode die Voraussetzungen für den Erhalt der 2. Bundesliga zu schaffen. Doch die angestoßenen Projekte kommen nicht voran, jetzt droht nicht nur eine weitere zeitliche Verzögerung, sondern sogar ein Stopp.
Verständlich, dass die Führungscrew des VfL Frust schiebt. Das Trainingszentrum wird kurzfristig benötigt, um die erheblichen Wettbewerbsnachteile auszugleichen. Im Moment muss der Verein seine Pläne immer weiter zurückfahren, um dem Artenschutz gerecht zu werden, damit das Projekt überhaupt in Gang kommt und die Stadt irgendwie den ersten Teil ihres Versprechens hält.
Doch dabei gibt es eine Grenze, unterhalb derer es keinen Sinn macht, das Projekt weiterzuverfolgen. Sollte das KME-Gelände tatsächlich aus dem Rennen sein, braucht der VfL dringend eine neue Perspektive. Doch die ist nicht in Sicht der VfL steckt in der Zwickmühle: Wie sehr kann der Spatz schrumpfen, ehe die Taube auf dem Dach die bessere Alternative ist?
Die erste Alternative wären die Sportflächen auf dem ehemaligen Kasernengelände am Limberg, wo die Pläne des VfL in Etappen umgesetzt werden könnten mit ein bisschen gutem Willen und Unterstützung in einer Angelegenheit, die zur Chefsache taugt.
Doch die Stadt hat sich offenbar ebenso wie SPD und CDU auf die Gartlage festgelegt. Möglicherweise kann das reine Bauvorhaben am Limberg etwas länger dauern, doch die Planungsphase in der Gartlage steckt durch die ökologischen Prüfungen voller Risiken.
Aber müsste es nicht möglich sein, die fehlenden vier Hektar dem potenziellen Gewerbepark wieder abzuknapsen und dem VfL zuzuschlagen? Vielleicht fiele dieser Schritt leichter, wenn man sich klarmachte, dass auch der VfL ein Unternehmen ist, das ein Gewerbe betreibt, 20 Millionen Jahresumsatz macht und dazu ein bedeutender Imagefaktor für Stadt und Region ist.

h.pistorius@ noz.de
Autor:
Harald Pistorius


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