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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Tempo 30 auch auf einigen Hauptstraßen
 
Leiser, sicherer, sauberer
Zwischenüberschrift:
Auf diesen Hauptstraßen in Osnabrück könnte bald Tempo 30 gelten
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Fast jeder vierte Osnabrücker leidet unter Verkehrslärm. Die Stadt sieht Handlungsbedarf und will mit ihrem Lärmaktionsplan dafür sorgen, dass es auf besonders kritischen Straßenabschnitten leiser zugeht. Aber was ist zu tun? Flüsterasphalt war schon einmal in der Diskussion, aber der ist teuer und steht im Verdacht, seine Wirkung schon nach wenigen Jahren zu verlieren. Deshalb setzt die Stadt jetzt auf Tempo 30 auch auf einigen Hauptstraßen. Auf bestimmten Abschnitten soll die Geschwindigkeitsbegrenzung nur in den Nachtstunden gelten, auf anderen auch tagsüber. Am Donnerstag wird sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt mit den Vorschlägen der Verwaltung auseinandersetzen. Um welche Straßenabschnitte es dabei geht, lesen Sie im Lokalteil dieser Ausgabe.

Osnabrück Durch die Lotter Straße nur noch mit Tempo 30: So will die Stadt Osnabrück den Lärm eindämmen, der vom Straßenverkehr ausgeht. Auch auf anderen Hauptstraßen soll in Zukunft langsamer gefahren werden zumindest nachts. Denn an vielen Stellen in der Hasestadt ist es deutlich zu laut. Wer die Zahl der Anwohner addiert, die an lärmbelasteten Straßen leben, kommt auf knapp 40 000 Menschen das ist ungefähr jeder vierte Bürger.
Mit ihrem Lärmaktionsplan hat sich die Stadt die Hotspots vorgenommen und nach Lösungen gesucht, die Belastung auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Über das richtige Mittel wird aber seit Jahren gestritten. Als sicher gilt zwar, dass Flüsterasphalt mancherorts helfen könnte. Aber der ist teuer und steht im Ruf, nur wenige Jahre zu halten.
Weil nach jahrelanger Diskussion noch immer keine der 27 vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt ist, schlägt der Fachbereich Städtebau dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt jetzt konkrete Schritte vor.
Auf sechs Straßenabschnitten soll nur noch Tempo 30 gelten: Buersche Straße zwischen Kanonenweg und Oststraße (ganztags), Sutthauser Straße zwischen Gustav-Tweer-Straße und Haus Nr. 245 (nachts), Lotter Straße zwischen Bergstraße und Am Kirchenkamp (ganztags), Mindener Straße zwischen Schützenstraße und Schellenbergstraße (nachts), Herderstraße/ Parkstraße zwischen Martinistraße und Koksche Straße (nachts), Süntelstraße zwischen Bramscher Straße und Friedhofstraße (ganztags). Der längste dieser Abschnitte ist etwas mehr als 1000 Meter lang, der kürzeste misst weniger als 150. Vor allem in den Nachtstunden könnte der Lärm auf ein Maß reduziert werden, das mehr Aufenthalts- und Lebensqualität verspreche, heißt es in der Vorlage für den Ausschuss, die von Holger Clodius, dem Leiter des Fachbereichs Städtebau, abgezeichnet wurde. Den Anwohnern könne so zu einem besseren Schlaf verholfen werden.
Höchste Priorität für eine Beruhigung sieht die Verwaltung auf einem siebten Straßenabschnitt, der zwar nur 150 Meter lang ist, aber wegen seiner Enge und seines hohen Verkehrsaufkommens als Lärmfalle gilt.
Veto für B68 erwartet
Auf der Kommenderiestraße zwischen Rosenplatz und Johannistorwall sollte nach den Empfehlungen des Lärmaktionsplans deshalb eigentlich nicht schneller als 30 Stundenkilometer gefahren werden. Die Planer erwarten jedoch ein Veto aus Hannover, weil der Abschnitt Teil der Bundesstraße 68 ist.
In der Vergangenheit wurden Anträge zur Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/ h auf Bundesstraßen regelmäßig abgelehnt″, heißt es in der Vorlage für den Ausschuss. Die Verwaltung will es nicht auf einen Konflikt ankommen lassen und rät deshalb, auf diesem Straßenabschnitt nicht an Tempo 50 zu rütteln.
Konflikte bahnen sich auch an anderer Stelle an. So haben die Stadtwerke schon signalisiert, dass die Busse ins Hintertreffen geraten würden, wenn das ins Auge gefasste 1066 Meter lange Teilstück der Sutthauser Straße nur noch mit verminderter Fahrt passiert werden darf. 45 wertvolle Sekunden würden dabei verloren gehen, warnen die Verkehrsbetriebe. Da könne es bei den nächtlichen Fahrten nach Hagen Verspätungen und verpasste Anschlüsse geben.
Für die Sutthauser Straße erwarten die Planer zugleich ein Akzeptanzproblem. Das Tempolimit lasse sich nur durchsetzen, wenn die Einhaltung von mehreren fest installierten Radaranlagen kontrolliert werde. Jede einzelne wird mit 80 000 Euro veranschlagt. Die aufgeführten Nachteile will die Verwaltung aber in Kauf nehmen, um den Verkehrslärm während der Nachtstunden wirksam eindämmen zu können.
Für die Lotter Straße soll Tempo 30 auch tagsüber gelten. Die Verwaltung sieht viele Vorteile, nicht nur mit Blick auf den Lärmschutz: Die Geschwindigkeitsreduzierung würde weiterhin eine enorme Verbesserung der Verkehrssicherheit bewirken″, heißt es in der Begründung für den Stadtentwicklungsausschuss, denn wegen der engen Fahrbahn könnten keine separaten Radwege ausgewiesen werden. Negative Auswirkungen auf den Busverkehr werden nicht erwartet, weil das Geschwindigkeitsniveau schon jetzt deutlich niedriger sei als das zulässige Tempo 50.
Empfehlung der Planer
Für alle sechs Straßenabschnitte, die jetzt auf der Liste stehen, lautet nun das Fazit der Planer: Mit Tempo 30 lasse sich der Lärmpegel tagsüber an 317 Gebäuden um mindestens 3 Dezibel reduzieren, nachts sogar an 418 Gebäuden. Mehr als 1600 Menschen würden davon profitieren. Mit der reduzierten Geschwindigkeit werde es auf den Straßen nicht nur leiser, sondern auch sicherer, weil sich bei Unfällen die Überlebenschancen von Fußgängern erhöhten. Außerdem könne der Verkehr bei langsamerer Fahrt flüssiger und stetiger rollen mit der Folge, dass dann auch weniger Luftschadstoffe ausgestoßen würden.
Schon jetzt gibt es in Osnabrück eine Hauptstraße, auf der nicht schneller als 30 km/ h gefahren werden darf. Auf einem kurzen Abschnitt der Johannisstraße zwischen Wall und Rosenplatz wurden schon vor über zwei Jahren die entsprechenden Schilder aufgestellt. Auch diesem Schritt lag eine Empfehlung des Lärmaktionsplans zugrunde.

Bildtexte:
Nur noch Tempo 30 in der Lotter Straße: Aus Lärmschutzgründen will die Stadt Autofahrer zu einer gemächlicheren Gangart bewegen.
Auch auf der Mindener Straße soll dem Lärmschutz zuliebe langsamer gefahren werden. Das gilt für den Abschnitt zwischen der Schellenbergstraße und der Schützenstraße.
Auf einem Abschnitt der Johannisstraße, zwischen Wall und Rosenplatz, gilt bereits Tempo 30, weil sich die Stadt an einem landesweiten Modellversuch zum Lärmschutz beteiligt.
Fotos:
Michael Gründel

Kommentar
Leiser ist weiser

Ist es zumutbar, Autofahrern auch auf Hauptstraßen Tempo 30 zu verordnen? Gegenfrage: Ist der Zeitvorteil, den sie mit Tempo 50 einfahren können, mehr wert als der gesunde Schlaf der Anwohner?
Bisher hat sich in Osnabrück keine Mehrheit gefunden, die sich klipp und klar auf die Seite der Anwohner stellt. Aber das scheint sich gerade zu ändern. Gut so: Leiser ist weiser.
Für Tempo 30 spricht, dass Unfälle bei langsamer Fahrt glimpflicher verlaufen. Aber diese Sicht hat sich die Stadt bisher nicht zu eigen gemacht. Dass Dauerlärm krank macht, ist auch nicht neu, wird aber gerne kleingeredet. Weitere Argumente sind nicht mehr haltbar: Bei Tempo 30 gebe es mehr Staus, heißt es da, der Schadstoffausstoß steige, und der Lärm nehme nicht ab, sondern zu. Das Umweltbundesamt hat all diese Behauptungen widerlegt. Der Verkehr läuft flüssiger, die Schadstoffe sinken, und der Lärm wird weniger. Jedenfalls unter normalen Bedingungen.
Es kommt auch auf die Autofahrer an, dass der Lärmschutz keine leere Formel bleibt. Einfach gelassen bleiben und vielleicht noch einen Gang raufschalten.

rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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