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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Am Eselspatt entsteht ein Gewerbegebiet
 
Flächenverbrauch in der Kritik
Zwischenüberschrift:
Stadt Osnabrück setzt auf Bürohäuser am Eselspatt / Helleraner sind skeptisch
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Eselspatt das klingt nicht gerade nach einer Adresse für moderne Bürohäuser in verkehrsgünstiger Lage, aber der Name kann auch einen falschen Eindruck erwecken. Die Stadt will auf einer 15 Hektar großen Ackerfläche am Eselspatt in Hellern ein Gewerbegebiet ausweisen. Das Areal grenzt an die Autobahn A 30. Ein Teil gehört der Firma Echterhoff aus Westerkappeln, die das Verfahren als Erschließungsträgerin vorantreibt, der andere befindet sich im Eigentum der Stadt. Seit Jahren wird am Bebauungsplan gearbeitet. In der kommenden Woche soll der Entwurf dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt vorgelegt werden. In der ersten Phase der Bürgerbeteiligung gab es viel Kritik an der Planung. Dabei ging es vor allem um den Flächenverbrauch und die Verkehrsbelastung.

Osnabrück Die Stadt will ein attraktives Gewerbegebiet in verkehrsgünstiger Lage″ schaffen, Anwohner kritisieren die Versiegelung der letzten großen Freifläche in Hellern. Am Eselspatt, dort, wo jetzt noch Mais und Weizen angebaut werden, sollen auf einem 15 Hektar großen Areal mehrgeschossige Bürogebäude entstehen. Das Gewerbegebiet sei notwendig, weil die Wirtschaft solche Flächen brauche, argumentiert die Stadt. Zudem könnten so attraktive Arbeitsplätze in Osnabrück entstehen, die vor allem gut ausgebildete junge Menschen an die Stadt binden und ihnen eine Lebensperspektive bieten könnten. Seit vier Jahren wird schon geplant, am kommenden Donnerstag will der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt den Entwurf für die nächste Runde der Bürgerbeteiligung freigeben.
Das dreieckige Plangebiet grenzt im Norden an die Autobahn A 30 und im Süden an den Tecklenburger Fußweg, der als Fuß- und Radweg erhalten bleiben soll. Ein Teil davon gehört der Firma Echterhoff aus Westerkappeln, die das Verfahren als Erschließungsträgerin vorantreibt, der andere befindet sich im Eigentum der Stadt. Umfangreiche Untersuchungen, etwa zum Schallschutz, zur ökologischen Bedeutung der Flächen und zur Verkehrsanbindung, liegen inzwischen vor. Auch die Stellungnahmen von Anwohnern sind dokumentiert.
Kein Kreisverkehr
Zwei Planungsvarianten hatte der Fachbereich Städtebau im Juni 2017 vorgestellt. Die eine sah einen Kreisverkehr an der Einmündung zur Straße An der Blankenburg vor. Davon wurde inzwischen Abstand genommen, weil für dessen Bau eine große Fläche erforderlich gewesen wäre. Wie es heißt, ist die Eigentümerin aber nicht bereit, die entscheidenden Quadratmeter an die Stadt Osnabrück zu verkaufen. Deshalb wird jetzt die Variante B favorisiert, die eine Ampel für den neuen Knotenpunkt an der Blankenburg vorsieht.
Die Planer nehmen die Verkehrsproblematik auf der viel befahrenen Straße sehr ernst. Schon mit der Eröffnung des Möbelhauses Ikea hatte es eine starke Zunahme gegeben, dazu kommen die verschiedenen Verbrauchermärkte und demnächst wohl auch ein Baumarkt an der Rheiner Landstraße. Mit dem Gewerbegebiet am Eselspatt dürfte sich das Kfz-Aufkommen an der Blankenburg noch weiter erhöhen.
Die Nähe zur Autobahn bringt es mit sich, dass ein erheblicher Teil des Plangebiets ihrem Lärm ausgesetzt ist. Deshalb werden Lärmpegelbereiche für verschiedene Nutzungen festgelegt und bestimmte Schallschutznormen vorgeschrieben. So sollen Lärmschutzfenster vorgeschrieben und Aufenthaltsräume nur dort eingerichtet werden dürfen, wo der Schallpegel es erlaubt. In der Vorlage für den Ausschuss wird zugleich die Hoffnung ausgedrückt, dass große Gebäude entlang der Autobahn einen Teil des Lärms abschirmen könnten, was auch den Bewohnern der benachbarten Siedlungen zugutekommen könnte.
Begrünte Dächer
Drei Vollgeschosse wollen die Planer auf dem Areal am Eselspatt zulassen, als maximale Gebäudehöhe werden 14, 5 Meter angegeben. Die Errichtung von Bürogebäuden sei erwünscht″, heißt es wörtlich im Papier des Fachbereichs Städtebau. Ihre Dächer sollen begrünt werden, sofern keine Fotovoltaikanlagen zur Stromerzeugung vorgesehen sind.
In puncto Naturhaushalt und ökologischer Funktionalität wird der geplanten Gewerbefläche keine hohe Wertigkeit″ attestiert. Weil es sich um intensiv bewirtschaftetes Ackerland handle, seien für die Tier- und Pflanzenwelt und für die Artenvielfalt kaum Beeinträchtigungen″ zu erwarten. Als erheblichen Eingriff werten die Planer allenfalls die Bodenversiegelung, durch die Lebensräume für Tiere und Pflanzen verloren gehen würden.
In der Abwägung bleibt nicht ausgespart, dass die Planung am Eselspatt der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesrepublik entgegensteht. Demnach sollte die tägliche Neuinanspruchnahme durch Siedlungs- und Verkehrsflächen bundesweit auf 30 Hektar begrenzt werden. Aufs Jahr umgerechnet bedeutet das für Osnabrück, dass im Stadtgebiet in zwölf Monaten insgesamt nicht mehr als 3, 27 Hektar verbraucht werden dürfen, heißt es weiter. Mit dem geplanten Gewerbegebiet in Hellern werde dieser Wert um mehr als das Doppelte überschritten, räumen die Planer ein. Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass Flächenverbrauch nicht mit Flächenversiegelung gleichzusetzen sei.
Kritik am ungebremsten Flächenverbrauch steht auch im Mittelpunkt mehrerer Stellungnahmen, die überwiegend von Bürgern aus dem Stadtteil gekommen sind. Die Planer wollen Boden gutmachen, indem Parkplätze, Zufahrten und Fahrgassen aus wasserdurchlässigem Material angelegt werden. Außerdem sollen die Unternehmen, die sich am Eselspatt ansiedeln, auf ihren Grundstücken Bäume und Büsche pflanzen, um Überhitzung entgegenzuwirken.
Im Westen des Plangebiets ist eine ökologische Ausgleichsfläche vorgesehen. Weil dem Gebiet eine besondere Bedeutung für die Erholung zugebilligt wird, soll ein Fuß- und Radweg durch diesen Grünzug führen, der abseits der Autostraßen als Verbindung zum Hakenhofholz und zum Rubbenbruchsee genutzt werden kann.

Bildtexte:
Das Ackerland am Eselspatt in Hellern soll nach dem Willen der Stadt der Entwicklung eines attraktiven Gewerbegebietes in verkehrsgünstiger Lage″ gewidmet werden. Die Flächen unten links sollen für ökologische Ausgleichsmaßnahmen genutzt werden.
Direkt an die Autobahn A 30 grenzt das Plangebiet in Hellern, auf dem die Stadt den Bau mehrgeschossiger Bürohäuser ermöglichen will.
Ackerflächen, auf denen bald Bürohäuser stehen sollen: Am Eselspatt in Hellern will die Stadt ein neues Gewerbegebiet ausweisen.
Fotos:
Geodaten Osnabrück/ NOZ, Stadt Osnabrück, Jörg Martens

Kommentar
Der Flächenfraß geht weiter

Osnabrück hat jahrelang vom Flächenrecycling profitiert. Für die Stadtentwicklung war und ist es ein Segen, dass mit dem Stahlwerk, den Kasernen und dem Güterbahnhof viele Grundstücke für Wohnen und Gewerbe auf den Markt gekommen sind. Doch der Flächenhunger ist ungebrochen. Während am Limberg noch die Briten-Baracken abgeräumt werden und im Landwehrviertel ein Wohnblock nach dem anderen entsteht, geht der Flächenfraß am Stadtrand in die nächste Runde.
Klar, wachsende Unternehmen, Arbeitsplätze und Gewerbesteuer sind wichtig. Klar ist aber auch, dass die Versiegelung der letzten Freiräume nicht so weitergehen kann. Deutschlandweit sollen nicht mehr als 30 Hektar Land pro Tag verbraucht werden. So will es die Bundesregierung. Osnabrück mischt kräftig mit, um solche Absichten der Lächerlichkeit preiszugeben.
Was in Osnabrück fehlt, ist eine konsequente Strategie zur Innenentwicklung. Dabei muss der Schwerpunkt auf erschlossene unbebaute Grundstücke gelegt werden. Notfalls lassen sich zaudernde Eigentümer mit einer höheren Grundsteuer zum Verkauf bewegen. Betriebe sollten Vorrang haben, wenn sie nicht aufs Auto, sondern auf intelligente Mobilität setzen, dann kommen sie mit deutlich weniger Fläche aus. Dass sich etwas ändern kann, zeigt sich im Trend zum Homeoffice in Corona-Zeiten. Viele solcher Schritte sind nötig, um der Bodenversiegelung Einhalt zu gebieten. Für Osnabrück wäre es ein schöner Erfolg, wenn die Stadt auf das Gewerbegebiet am Eselspatt verzichten könnte.

rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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