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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Durchbruch am Neumarkt in Sicht
 
Zwei Interessenten für Neumarkt-Flächen
Zwischenüberschrift:
Investor braucht Geld / Initiative Plan B mahnt: Jahrhundertchance nutzen
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Die Rosco-Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Bad Hersfeld hat ein Auge auf die Center-Flächen am Osnabrücker Neumarkt geworfen. Das Unternehmen verhandelt nach Informationen unserer Zeitung mit dem französischen Konzern Unibail Rodamco Westfield (URW) über den Kauf der Liegenschaft südlich des Neumarkts, wo ein Einkaufszentrum entstehen sollte. Rosco werden die größten Chancen eingeräumt, den Zuschlag zu erhalten.
Dem Vernehmen nach hat auch ein weiteres Unternehmen aus der Baubranche Interesse angemeldet. Oberbürgermeister Griesert hatte Anfang der Woche angedeutet, dass er mit einem Vertragsabschluss noch in diesem Jahr rechnet. Der Verkauf der ehemaligen Center-Flächen würde die Tür für eine Neugestaltung des Neumarktes öffnen.

Osnabrück Es ist ein sensibler Moment: Die Verhandlungen über den Verkauf der Center-Fläche am Osnabrücker Neumarkt stehen offenbar vor dem Abschluss. Anspannung und Schweigsamkeit überall. Wer greift sich denn nun die Schrottimmobilien? Nach unseren Informationen hat eine Unternehmensgruppe aus Bad Hersfeld die Hand ausgestreckt.
Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hatte in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme zum Neumarkt erkennen lassen, der er mit einem Verkauf des Center-Areals noch in diesem Jahr rechnet. Die 1, 7 Hektar südlich des Neumarktes, die einmal für den Bau des Einkaufszentrums Oscar″ vorgesehen waren, sind in Besitz der Neumarkt 14 Projekt GmbH & Co. KG. Hauptgesellschafter ist der deutsche Ableger des französischen Konzerns Unibail-Rodamco-Westfield (URW), Mitgesellschafter ist der Osnabrücker Immobilienkaufmann Theodor Bergmann.
Seit URW im Jahr 2019 seinen Ausstieg aus dem Center-Projekt verkündet hat, wird hinter den Kulissen intensiv über eine Vermarktung der Brache gerungen. Auch die Stadt Osnabrück hatte ihr Interesse bekundet, kann aber nach Angaben des OB kein Vorkaufsrecht geltend machen. Das wäre etwa der Fall, wenn die Neumarkt 14 Projekt GmbH als Ganzes verkauft würde. Außerdem könne die Stadt nicht jeden Preis mitgehen, sagte Griesert. Er sprach in seiner Stellungnahme von überteuerten Angeboten″.
Investor steht unter Druck
Was dürfen die Schrottimmobilien noch kosten? Der Preis ist seit Monaten Gegenstand von Spekulationen. URW soll angeblich einen Buchwert von 40 Millionen Euro zugrunde gelegt haben. Darin enthalten sind die bisherigen Planungskosten für das Einkaufszentrum. Immobilienexperten schätzten den Marktwert auf weniger als 20 Millionen Euro. Das war der Stand vor der Corona-Krise.
Der Verkaufsdruck auf URW ist in den vergangenen Monaten gestiegen. Weil die Stadt im Juni die Baugenehmigung für das Einkaufszentrum erteilt hat, läuft die im Durchführungsvertrag vereinbarte Frist. Die Neumarkt 14 Projekt GmbH & Co. KG müsste spätestens in drei Jahren das wäre im Sommer 2023 das Center, das sie gar nicht mehr bauen will, fertigstellen. Hält der Investor die Frist nicht ein, kann die Stadt aus dem Vertrag aussteigen und einen neuen Bebauungsplan verabschieden.
Außerdem braucht URW wegen der Corona-Folgen Geld. Wie der Immobilien-Branchendienst Thomas Daily (TD) meldete, haben die URW-Aktionäre eine Kapitalerhöhung um 3, 5 Milliarden Euro abgelehnt. Wenn das Eigenkapital nicht auf diesem Wege gestärkt werden kann, bliebe als Alternative der Verkauf von Immobilien.
Beschlossen und teilweise umgesetzt ist nach dem TD″-Bericht ein internationales Verkaufsprogramm im Umfang von vier Milliarden Euro. Ob Objekte in Deutschland dazugehören, lässt URW im Dunkeln. Die Neumarkt-Liegenschaft wäre mit einer Summe zwischen 20 und 40 Millionen nur ein kleines Rad im Gesamtsystem, aber URW wäre damit immerhin einen Klotz am Bein los. Nach Informationen unserer Redaktion gab es zumindest zwei ernsthafte Interessenten für die Neumarkt-Immobilien. Den einen hat Mitgesellschafter Theodor Bergmann vor einigen Wochen ins Boot geholt. Wie es heißt, hat dieser Partner der Stadtspitze bereits ein Konzept vorgestellt. Bergmann äußerte sich auf Anfrage dazu nicht.
Die größten Ambitionen werden der Rosco-Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Bad Hersfeld nachgesagt. Die Rosco-Gruppe besteht aus einem guten Dutzend Gesellschaften und entwickelt nach eigenen Angaben seit mehr als 25 Jahren großflächige Immobilienanlagen, wobei ein Schwerpunkt bei einzelhandelsgenutzten Objekten liegt″. Rosco investiert auf eigenes Risiko, wie es auf der Homepage heißt. Das garantiere ein Höchstmaß an Professionalität in allen Disziplinen von der Planung über den Bau bis hin zur Vermietung sowie dem späteren Betrieb″. Die Projekte seien stets auf die örtliche Situation zugeschnitten. Unter den zwei Dutzend Referenzobjekten, die die Rosco-Gruppe im Internet präsentiert, sind Einkaufszentren (Gießen, Bad Hersfeld, Bad Homburg), Büro- und Geschäftshäuser.
Kein neues Center
Die Rosco-Gruppe reagierte bislang nicht auf Anfragen unserer Redaktion. Auch der Sprecher von Unibail-Rodamco-Westfield will etwaige Verhandlungen mit Rosco und die Äußerungen des Oberbürgermeisters nicht kommentieren. Wir sondieren aktuell verschiedene Möglichkeiten. Wir melden uns gerne, sobald es etwas zu kommunizieren gibt″, so die Antwort aus Düsseldorf.
Ein Käufer könnte sich auf fertige Pläne stützen. Der seit 2014 rechtskräftige Bebauungsplan sieht den Bau eines Einkaufszentrums mit 16 500 Quadratmetern Verkaufsfläche vor. Die Baugenehmigung ist erteilt.
Doch würde ein Investor tatsächlich ein Center realisieren? Die Zeichen stehen eher auf gemischte Nutzung mit Einzelhandel, Wohnungen und Gewerbe. Eine entsprechende Änderung des Bebauungsplan ist schon in Arbeit.
Eine Verfechterin der gemischten Nutzung ist die Konzeptgruppe Plan B. Deren Initiator, der Kulturberater Reinhart Richter, fordert den Oberbürgermeister eindringlich auf, noch einmal mit Unibail-Rodamco-Westfield über einen Ankauf der Center-Flächen zu verhandeln. Die Stadt dürfe diese Jahrhundertchance″ nicht verpassen, so Richter in einer Stellungnahme.
Die Unterhändler der Stadt sollten sich dabei die kompetente Hilfe von Osnabrücker Maklern und Projektentwicklern sichern. Die Konzeptgruppe warnt davor, den Fehler vom Güterbahnhof zu wiederholen. Die Stadt hatte auf den Ankauf der Bahn-Brache verzichtet, was einen zehn Jahre währenden Stillstand zur Folge hatte. Das Neumarktquartier sei als neue Mitte der Stadt noch viel bedeutsamer für die Stadtentwicklung als der ehemalige Güterbahnhof.
Reinhart Richter stellt die Neumarkt-Planung in Zusammenhang mit den Entwicklungen entlang der Achse vom Berliner Platz bis zum Ledenhof, wo ein halbes Dutzend Projekte angelaufen sind. Diesen Gesamtzusammenhang scheinen der Oberbürgermeister und seine Verwaltung nicht zu erkennen″, kritisiert Richter. Die einzelnen Vorhaben würden ohne ein gemeinsames Konzept behandelt. Es fehle der gemeinsame Blick auf die Entwicklungspotenziale, die genutzt werden müssten, um eine attraktive, funktionierende , architektonisch hochwertige Innenstadtentwicklung zu gestalten″.
Beim Einstieg eines neuen Großinvestors würde die Stadt erheblichen Steuerungseinfluss verlieren. Regionale Investoren, die der Stadt verbunden seien, hätten schlechtere Chancen, Teile des Grundstücks aus einer Verbundenheit mit der Region mit hohem Anspruch zu bebauen. Richter befürchtet außerdem, dass ein Großinvestor wenig Interesse am Bau einer neuen Stadtbibliothek hätte.
Grüne sind erleichtert″
Die Grünen äußerten sich unterdessen sehr erleichtert″, dass ein Verkauf in greifbarer Nähe ist. Besser wäre es gewesen, wenn die Stadt die Fläche selbst erworben hätte, so Fraktionschef Volker Bajus. Das hätte der Stadt mehr Handlungsspielraum erlaubt. Leider war der Oberbürgermeister mit seinen Bemühungen hier nicht erfolgreich.″ Die Grünen appellieren an Griesert und die Ratsfraktionen von SPD und FDP, den politischen Streit über die Neumarkt-Politik nun zu beenden und nach vorn zu schauen. Bajus: Für Rechthabereien fehlt uns die Zeit.″

Bildtexte:
Das grüne Kachelhaus hat die Adresse Neumarkt 14 und ist damit Namensgeber der Gesellschaft, die das Einkaufszentrum bauen wollte. Der Verkauf der Immobilien soll noch in diesem Jahr abgewickelt werden.
Der Geltungsbereich des Bebauungsplans 600 (Einkaufszentrum Neumarkt).
Foto:
Michael Gründel
Grafik:
Stadt Osnabrück
Autor:
Wilfried Hinrichs


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